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Tom Next - Daytrading Community

Introducing: Nextleveltrader.de - Part II


Aurelius

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Hallo zusammen,

diese Community war mir in der Tat immer von allen die Liebste - aber ein Ausstieg konnte nur schlagartig und radikal vollzogen werden.

Heute nach vielen Jahren kann ich dazu ruhig und besonnen Stellung beziehen und die Geschichte sollte auch erzählt werden, da zu keiner Zeit das Trading daran Schuld war. Ich bin nach wie vor im Futures-Markt kurzfristig aktiv, etwas besonnener und weniger zeitintensiv - so wie es das Alter gebietet - jedoch nach wie vor durchaus stabil.

Ich habe mittlerweile Deutschland verlassen und habe meinen Lebensmittelpunkt verlagert, auch wenn ich ab und zu noch in Deutschland bin, so bin ich vielem überdrüssig und brauchte diese Veränderung. Allen Vermutungen zum Trotz, war der Ausstieg nahezu ausschließlich beruflicher Natur im Zusammenhang mit NextLevelTrader. Wir hatten seinerzeit gute Ideen - vielleicht auch für die damalige Zeit einmalige Ansätze - aber uns haben viele Dinge das Genick gebrochen - auch menschlich habe ich nicht immer besonnen, clever und rücksichtsvoll gehandelt - ich werde Euch davon erzählen, um diese Geschichte und den Thread abzuschliessen.

Beste Grüße an viele alte Nicks, die offenbar noch immer leben :-) Die Geschichte wird länger ... ich werde sie also auf mehrere Posts aufteilen.

Aurelius

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vor 21 Stunden schrieb Aurelius:

Die Geschichte wird länger ...

Einfach stiften zu gehen, ohne Bescheid zu geben - Du weißt - dass kostet ne Saalrunde :radial:

Wird aber nicht wirklich teuer. Die meisten schlafen gerade noch von der letzten Session ihren Rausch aus.

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vor 21 Stunden schrieb Aurelius:

Die Geschichte wird länger ...

Cool freuen uns. Aber auch eins vorweg Aurelius: TN ist Demilitarisierte Zone. Alles was Du teilen möchtest, gerne. Besteht aber kein Zwang. Jede Entscheidung hat Gründe ... 

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vor 7 Minuten schrieb Bull68:

Sex, Drugs and

Du bist ja schon 18. Damit hast Du Vollzugriff aufs Adult-Form.
Aurelius versuche ich gerade für das XXL-Paket zu gewinnen. Eigener Livestream, Podcast, FinFluenzer-Exklusivvertrag - das ganzganz große Paket. Ist noch ne Nummer über dem Baulig-Rabe-MLN Package.

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vor 15 Stunden schrieb Bull68:

Sex, Drugs and .. ??? :grin::rolleyes:

na dann gäbe es ja NLT noch ...

vor 15 Stunden schrieb whipsaw:

Aurelius versuche ich gerade für das XXL-Paket zu gewinnen. Eigener Livestream, Podcast, FinFluenzer-Exklusivvertrag - das ganzganz große Paket. Ist noch ne Nummer über dem Baulig-Rabe-MLN Package.

OK, cool - dafür würde ich mir auch zwei Minuten frei machen - im Jahr.

vor 16 Stunden schrieb whipsaw:

TN ist Demilitarisierte Zone.

Es geht hier nur um meine Fehler - insbesondere einfach um das Scheitern des Projekts. Wie die anderen darüber denken ist mir ziemlich egal; abgesehen davon habe ich sowieso Recht.

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Ich wollte die Geschichte längst erzählen: Zum einen, um damit selbst abzuschließen, zum anderen, um mich auch bei vielen Mitstreitern, Partnern und Freunden und ach Followern zu entschuldigen. Aber auch - wies es meine Oberlehrer-Art bedingt :-) - die Fehler und Chancen aufzuzeigen und somit vielleicht dem einen oder anderen Hoffnung zu machen oder zu warnen. Bevor ich das also irgendwo anders veröffentliche, schreibe ich es hier nieder; denn hier hatte ich immer respektvollem Umgang erfahren, faire Diskussionen, keine Vorverurteilungen und auch moralische Unterstützung gefunden.

Anfangs möchte ich betonen, dass ich hier in keiner Weise Schuldzuweisungen treffe. Ich allein trage die Verantwortung; denn ich war der Erfahrenste im Team und konnte die Anfangsfehler später nicht mehr ausmerzen – ich beschreibe hier also nur meine Sichtweise. Der Partner P. und ich haben NLT überwiegend geprägt, er wurde zu einem guten Freund, auch wenn sich unsere Wege später trennten; mit dem Partner V. war ich nie sehr eng habe ihn aber immer respektiert, da er immer eine ungespielte Leidenschaft für die Finanzmärkte hatte. Andere Akteure von NLT werden später erwähnt. Und es wird natürlich auch um Trading gehen.

Wie immer gilt: Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

Um die Geschichte zu verstehen, erwähne ich noch mal, dass sich vor der Gründung von NLT bereits viele Jahre Handelserfahrung hatte - nein nicht wie viele Wunderkinder mit 12, 13 oder 14 Jahren, aber in meinen Zwanzigern war ich schon ordentlich dabei. Ich hatte bereits mehrere Kleinwagen verloren, bis ich ab 1999 einigermaßen stabil wurde und begriffen habe, worauf es ankommt, ich war somit definitiv kein Zocker oder Anfänger an der Börse. Ich war und bin allerdings auch nie jemand, der nach Luxus und außerordentlichen Reichtum strebte. Wie ein alter Top-User dieses Forums mal bemerkte, war für mich immer nur wichtig sicherzustellen, dass der Kühlschrank voll ist. Sicherheit vor Luxus.

Eine weiterer, aus heutiger Sicht wichtiger Sachverhalt, war die Tatsache, dass ich seinerzeit als Unternehmer gut aufgestellt war: NLT war damals im Grunde nur eine weitere Investition mit der Besonderheit, dass sie mein Portfolio insofern abrundete, dass ich mit dieser Firma Beruf, Hobby und Leidenschaft verbinden konnte - und genau aus dieser Konstellation sollte sich später ein Dilemma ergeben.

Ich gründete NLT mit zwei jungen Partnern; beide waren seinerzeit Studenten und Autoren einen Tradingbuchs, was ihnen einerseits eine gewisse Bekanntheit bescherte und andererseits gute Kontakte in die Branche bot, um Reichweite zu generieren - beste Voraussetzungen also für ein Startup.

Kennengelernt habe ich die beiden Jungs über das Internet (Facebook) und den damaligen Blog dayXXXing.de. Wir planten, gründeten eine Firma, ich ging bzgl. der Investitionen in die Vorfinanzierung und los ging’s. Wir waren damals so ziemlich die ersten, die ein Livetrading über das Internet anboten und die Besonderheit, war seinerzeit, dass wir die PCs von bis zu vier Tradern gleichzeitig auf einen virtuellen Trading-Screen projizierten (Bild und Ton) - damals ein Knaller und sowohl technisch als auch kostenseitig eine mittelschwere Herausforderung.

 

Die erste Lektion - das zentrales Verschulden:

Von der Idee bis zur Gründung und Start vergingen nicht mal ein Monat - ganz nach dem Motto „nicht quatschen, sondern machen“. Ich wäre lieber erst in 01/2012 gestartet, aber ließ mich überreden schon in 11/2011 das Projekt an den Start zu bringen. Eigentlich kannte ich mich gut aus mit Firmengründungen und schon die Idee einer 15-Euro-UG traf im tiefsten Inneren nicht wirklich meine Vorstellung, aber eine GmbH kam damals aus Kostengründen mit zwei Studenten nicht in Frage. Des Weiteren lag weder ein echter Businessplan noch annähernd ein Meilensteinplan oder irgendeine zukunftsweisende schriftliche Planung vor, alles wurde unprotokolliert über Chats oder Gespräche vereinbart. In der Gegenwart der beiden jungen, dynamischen Kollegen, die wussten, was der vermeintlich aktuelle state of the art eines jungen Business war, vernachlässigte ich (vielleicht auch aus Eitelkeit) unterbewusst meine Prinzipien fand das damals auch sehr bequem und modern.

Die Fehler der Anfangsphase im Detail: Klar ein minimalistischer Businessplan hätte gereicht, aber jedes Unternehmen braucht qualifizierte Mitarbeiter und wir benötigten fachlich qualifiziertes Personal für Kunden-Service, Werbung/ Social-Media, IT, Verwaltung und … hätte ich fast vergessen: Trading. Als Unternehmer hatte ich bis dahin immer nur Mitarbeiter eingestellt, dessen Bewerbung und Vorstellungsgespräch meinen Vorstellungen entsprach - nun handelte es sich bei meinen jungen Kollegen nicht um „Mitarbeiter“ sondern um „Partner“ und so wurden die Qualifikationen mündlich ausgetauscht - wir haben somit auch keine Track-Records offiziell gesichtet - die Trader-Qualifikation basierte auf Vertrauen, was für mich unproblematisch war, da in Zukunft jeder live sein Können zeigen musste (dazu später mehr). Ein wesentlich schwerwiegender Fehler war daher die komplett fehlende verbindliche Vorstellung der Zeitplanung und Arbeitsteilung, was dazu führte, dass alle Aufgaben auf uns selbst verteilt werden mussten. So mussten alle Trader mehrere weitere Aufgaben übernehmen: Einer IT- und Verwaltung, einer Kunden-Service und Social-Media, der Dritte im Bunde wollte erst nach seinen Uni-Prüfungen richtig einsteigen und den anderen Aufgaben abnehmen.

Was aber wirklich komplett untergegangen ist: Welches Ziel verfolgt jeder einzelner Gesellschafter mit diesem Unternehmen - und das war im Grunde die Wurzel allen Übels und die zweite Lektion; denn diese führte dazu, das wir uns im Laufe der Zeit komplett auseinander dividierten. Im Zuge der Entwicklung von NLT konnte ich irgendwann Freund und Feind nicht mehr unterscheiden.

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interessant, ein Ziel, manchmal muss auch eine Vision her, hilft einen durch schlechte Zeiten, wenn man den Wald vor Bäumen nicht mehr sieht, aber vorallem wenn man mehrere Mitstreiter um sich hat, jeder hat seine eigenen Vorstellungen und ist dann bereit, über seine momentanen 100% Arbeitsethos zu gehen um ans Ziel zu kommen, kann mir gut vorstelle, wenn die Richtungspfeile der Teilhaber in unterschiedlichen Himmelsrichtungen zeigen, dass es dann jede gemeinsame Sache auseinander reißt und nicht mal, weil er die Sache an sich sabotieren möchte, sondern einfach weil er sich und seinen Einsatz dafür respektiert sehen will ....  [ so ein paar Gedanken ]

vor 2 Stunden schrieb Aurelius:

Wie ein alter Top-User dieses Forums mal bemerkte, war für mich immer nur wichtig sicherzustellen, dass der Kühlschrank voll ist.

erinnernt mich an goso...  :)

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Es ist aus heutiger Sicht komplett naiv und ob man es mir glaubt oder nicht, als wir NLT gestartet haben, war mir das Konzept der Rebates und Provisionen auf vermittelte Kundenkonten in der Tiefe relativ unbekannt. Ich hatte davon einiges gehört, aber der wahre Impact war mir nicht klar, aber dazu später …

Ich empfand es als angemessen die Zeit, die wir öffentlich handeln zu vergüten, aber meine eigentliche Intention war es, Geld einzusammeln und ein großes Konto mit den Basisprodukten Futures, Aktien Forex und im Zweifel auch CFDs (die ich aber grundsätzlich immer abgelehnt hatte) öffentlich gemeinsam zu handeln - der Grundgedanke ähnelte dem Prop Firm Konzept und auf dieser Basis sollten auch neue Trader zu uns stoßen. Auf Grund meiner beruflichen Historie, war eines meiner persönlichen Anliegen Teile unserer Kunden-Einnahmen oder Trading-Gewinne der Kinderkrebshilfe zu spenden - das taten wir auch entsprechend (wenn auch leider nicht kontinuierlich).

Auf die Ziele und Absichten meiner Partner gehe ich hier nicht ein, einerseits kann ich meine Einschätzung nicht beweisen, zum anderen spielt es keine Rolle, weil wir als Team nach außen immer einig gehandelt haben. Ich weiß nur sicher, dass unsere Vorstellungen nicht kongruent waren.

Lektion 2 – der dunkle Pfad.

Ich war zu keiner Zeit auf Einnahmen aus NLT angewiesen, da ich durch meine sonstigen beruflichen Tätigkeiten unabhängig war und als dann zum ersten Mal der Wunsch aufkam, Teile der Einnahmen auszuzahlen, konnte ich schlecht widersprechen; denn zu erwarten, dass meine Kollegen kostenlos ihre Leistung erbringen, wäre natürlich vermessen; schließlich waren sie noch im Studium und noch im Kapitalaufbau. Also wurden die ersten Einnahmen zu gleichen Teilen auf Rechnung ausgezahlt. Es war eine gemeinschaftliche Festlegung - kein Einspruch, keine Kritik.

Im tiefsten Inneren habe ich aber tatsächlich erst mal verglichen, wer eigentlich was leistet; war die Verteilung wirklich gerecht? Haben alle gleich viel geleistet und verdient? Ich heilte das für mich, indem ich die Summe für mich rechtfertigte, dass dadurch meine Vorleistungen (Server, Software, Lizenzen, etc.) durchfinanziert waren – was ich aber schon damals wusste, dass wir durch das Abziehen der Gelder (noch vor der ersten Bilanz) das Unternehmen schwächten - aber ich habe es mitzuverantworten, ob aus Feigheit, Neid, Gier, Faulheit oder einfach nur Blind- oder Blödheit kann ich heute nicht mal mehr bewerten, aber es war unfassbar dumm von mir.

Und hier begann der innere Konflikt: Ich war doch überzeugt, dass wir Trader alle ausschließlich vom Trading leben können, also warum jetzt eine Vergütung? Seit dieser ersten Auszahlung kam ich mir nicht mehr authentisch vor, ich war jetzt einer von denen, die behaupteten ausschließlich vom Trading leben zu können und nun? Genau die Personengruppe, die ich damals verachtete und die eine der zentralsten Motivationen zur Gründung von NLT für mich waren, der gehörte ich jetzt plötzlich – (zumindest teilweise) an.

Heute weiß ich, dass ich zu diesem Zeitpunkt vom Yedi zum Sith wurde. Das führt dann zu Lektion 3 (folgt).

 

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Ein Vierteljahr vor der Gründung von NLT waren wir recht aktiv auf Facebook, organisiert in Gruppen, die stetig und schnell wuchsen. Aus diesen ersten Kontakten generierten sich dann auch später einige andere Trader-Kollegen. Die, die bei uns im Handelsraum aktiv waren, unterlagen den gleichen Regeln wie wir – wir verlangten keine Track-Records oder Kontoauszüge, was aus oben beschriebenem Gründen auch nicht zwingend notwendig war.

Anfangs war das alles sehr harmonisch und wir haben uns gut verstanden, aber im Laufe er Zeit kam es intern zu Anspannungen, welche ich vermutlich auf Grund einer gewissen Arroganz und auf Basis meiner Vorstellungen vom Tradingroom weder nachvollziehen noch verstehen konnte oder wollte. Die Motive unserer Kollegen kann und will ich auch heute nicht einschätzen und bewerten, gleiches gilt für ehemalige Kunden, die in den Jahren nach NLT ganz groß als Coaches durchgestartet sind. Allesamt waren zum Teil faszinierende Persönlichkeiten, von denen ich durch ihre Treue zur und Geschäftstüchtigkeit in der Branche viel hätte lernen können … wenn ich mich darauf eingelassen hätte, dass Businessmodel rund ums Trading zu akzeptieren oder toleranter zu sein - aber soweit war ich damals nicht.

Lektion 3 – Freund und Feind

Ich war überzeugt: Nur der, der nachweislich erfolgreich handelt, darf auch coachen, aber bekannterweise muss ein Trainer nicht selbst Weltmeister sein, um solche zu generieren. So wetterte ich im Tradingroom (und damit recht) öffentlich gegen alle und jeden in der Branche, die irgendwelche Dienste anboten, die nicht meinem Schema der Transparenz und Güte genügten, gegen alle Coaches, die nicht ihre Tracks live belegten und veröffentlichten aber auch gegen alle Verlage und Buchautoren, die immer wieder Inhalte anderer erneut durchkauten bis hin zu Brokern mit (aus meiner Sicht) unverschämten Konditionen. Ich fühlte mich im Recht und wäre ich vom Verbraucherschutz, so könnte man für mein Verhalten evtl. Verständnis zeigen, aber im Grunde waren wir ja nicht besser. Jeder Meister, wie aber auch jeder Depp der Branche hat seine Fans und Community, die ihn lieben – und natürlich war ich nicht allein, auch andere im Team schlugen ordentlich um sich – aber auch hier gilt, dass ich (bzw. wir als Gesellschafter) die Verantwortung tragen. Hier schwappte nun die erste Welle an Feinden auf uns zu, was uns sicher auch den einen oder anderen Partner vergraulte.

Irgendwann kam dann bei den Tradern im Room der Gedanke auf, man müsste doch für die Zeit und Leistung bezahlt werden. Für mich kam das nicht in Frage: Einerseits stand der Einsatz der anderen überhaupt nicht im Verhältnis zu meinem, andererseits hätte ich gerne das Geld aus oben genannten Gründen angespart. Im Grunde hatten die Trader aber natürlich Recht! Warum sollten sie nicht etwas vom Kuchen abbekommen und so einigten wir uns mit einigen auf eine kleine Vergütung.

Jetzt waren die Schleusen offen, natürlich wollte jetzt jeder mitverdienen und so musste das Konzept der Einnahmen verändert werden; denn mittlerweile haben viele Kunden begriffen, dass man unserer Trades nicht einfach nachmachen kann; gerade kurzfristigen Strategien ist schwer zu folgen. In meinen Fall waren es Futures, bei denen man - um erfolgreich zu sein - allein monatlich ca. 2K-3K Euro an Gebühren heraushandeln musste; bei meinen Partnern waren es Aktien mit Konditionen, die nur amerikanische Firmen anboten - mit CFDs oder deutschen Brokern nicht kopierbar. Die meisten Kunden waren nicht mehr bereit, die aktuellen Preise zu zahlen, also begannen wir mit Sonderangeboten und als auch hier das Limit erreichte war ging es los mit dem Kommissionsgeschäft, Ausbildungen, etc. Mein Business war das Trading, ich hatte auch nicht den Draht zu den Brokern und Partnern – aber es gab keine andere Wahl.

Wir konnten irgendwann die Trader nicht nach ihren Wünschen vergüten und haben uns getrennt, auch viele Kunden sind gegangen und ich konnte das imm Grunde auch  nachvollziehen. Nach nur einem Jahr hat sich bereits ein Trend abgezeichnet, der nicht mehr zu stoppen war. Über die nächsten Monate kam die Konkurrenz stärker in den Markt. Etliche Tradingrooms, Facebookgruppen und Challenges gingen an den Start, die meist von Investoren aus der Branche unterstützt wurden, die nahezu unbegrenzte finanzielle Ressourcen und Reichweite hatten. Viele Kunden und Partner hatte sich von uns abgewandt und uns blieb eigentlich nur der harte Kern Gleichdenkender. 

Das Scheitern der ganz großen Nummer zeichnete sich ab - bis Anfang 2014 lief es aber noch ausreichend gut weiter; wir hatten einige treue Kunden und treue Partner, aber im Hintergrund rumorte es: Plötzlich tauchten ständig Fake-Profile auf Facebook auf, die Stimmung machten und teils üble Unwahrheiten verbreiteten, das klassische anonyme bashing halt. Weniger witzig war dann der Umstand, dass mehrere Fake Accounts von mir auf Facebook täuschend echt auftauchten und Nachrichten in die Welt schickten. Genauso gab es Anfeindungen von Ex-Tradern aus unseren eigenen Reihen und auch Gerüchte über sie – zumindest dachten wir das; denn auch hier stellte sich heraus, dass es zum Teil Fake-Personen waren, die uns kontaktierten.. Es war schlicht nicht mehr zu erkennen, wer Freund oder Feind war.

Nun fehlt nur noch das Finale, bevor ich mich noch mal zu den Akteuren und Kunden äussere ...

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  • 2 weeks later...

Eines Mittags kamen meine Kinder heulend ins Haus und meine Frau stand mit ernster Miene vor mir. Im Briefkasten befand sich eine geköpfte, tote Taube. An den Krallen ein Zettel mit der Aufschrift: „Nicht nur Börsen können abstürzen“. Das war es dann … egal, wie ich mich verhalten hatte, was ich gesagt hatte - das ging zu weit. Abgesehen von allen Maßnahmen, die das zur Folge hatte, war für mich die Branche und mit ihr die Kunden von heute auf morgen erledigt.

Lektion 4 – mache es richtig oder lasse es!

Ab jetzt kam nur noch halbherziges Engagement von mir und das auch nur weil ich weder meine Partner, aber vor allen Dingen einige wenige lieb gewonnen Menschen nicht hängen lassen wollte. Das war ein Fehler! Ich hätte sofort stoppen müssen. Mir war das Business ab diesem Zeitpunkt egal. Ich hatte zum Teil bis zu 16 Stunden im Tradingroom verbracht, Fragen beantwortet, wie ich nur konnte, persönliche Gespräche zur Unterstützung mit allen möglichen „fremden“ Menschen geführt – immer mit offener und ehrlicher Intention und, und, und … diese Form der Undankbarkeit und Aggression, die mir hier entgegenschlug, konnte ich einfach nicht nachvollziehen.

Ich differenzierte damals leider zu wenig und wendete mich von fast allen ab. Ich war nur noch genervt: Von Kunden, die unverschämte Erwartungshaltungen hatten, von immer neuen Kandidaten, die von NLT profitieren wollten und natürlich von der ganzen Branche. Ich ertrank quasi im Selbstmitleid, weil von meiner Idee nichts mehr übrig war. Alles, was dann noch kam, wie z.B. der Deal mit einem Broker, der schnell mit dessen Insolvenz endete oder Partnerschaften mit andere Brokern oder Diensten, sowie unser Indien-Engagement waren nur das Sahnehäubchen, das tangierte mich nur noch peripher. Ich betone aber gerne, dass alle Partner äußerst fair und uns zugewandt waren.

Bis heute habe ich nie über den eigentlichen und endgültigen Grund meines Rückzugs offiziell gesprochen und vermutlich ist das auch für die meisten weder spannend noch nachvollziehbar. Das Projekt ist schlicht und einfach gescheitert, weil es für mich zu wenig transparent und reproduzierbar war: Ich habe mit Tradern gearbeitet, die ihre komplette Kohle in sinnlosen emotionalen Trades verzockten, andere wirklich gute Forex- oder Swing- und Position-Trader konnten auf Grund ihres Charakters keine Anpassungen ihrer Ansätze umsetzen. Wo die einen zu hohe Rendite-Erwartungen hatten, hatten andere gerade mal die Möglichkeit gefunden nach Gebühren die Inflation zu deckeln – als Team waren wir schon gut, aber nur einem Trader und des Ansatz kurzzeitig zu folgen, hätte eine hohes Risiko bedeuten können. Und dann die Trader-Ausbildung: Nur 10% der Teilnehmer waren in der Lage aktiv mitzuarbeiten und „Hausaugaben“ einzureichen. Der Rest war offensichtlich überzeugt, von uns irgendein Geheimnis oder den heiligen Gral zu erhalten. Der Wille zu harter Arbeit und Fleiß war nur rudimentär vorhanden – so hatten sich die wenigsten die Börse vorgestellt.

Das war alles nur noch unerträglich – insbesondere, weil mir mit der Zeit immer klarer wurde, dass offensichtlich (trotz Gegenrede) vom Großteil der Kunden angenommen wurde, dass man mit Trading leicht reich werden würde. Und genau so ist es nie gewesen: Keiner von uns war reich, keiner von uns war auf die Einnahmen eines positiven Trading-Monats angewiesen. Es ist immer eine Frage der Lebensumstände und des Anspruchs, aber die Vorstellungen, die einige Kunden hatten, konnte ich (besser wir) nicht erfüllen. Ich bin also zum Ergebnis gekommen, dass NLT nicht die Qualität bieten kann, die suggeriert wird und dass – und das gilt für mich bis heute – die Branche nicht durchschaubar ist. Wir wissen, dass nur ein kleiner Teil der Trader profitabel ist und wenn wir annehmen, 5% sind profitabel, dann heißt dass nur, dass 5% keine Verluste machen – wie viele wirklich dauerhaft deutliche Über-Renditen generieren ist weiterhin offen.

Heute habe ich meinen Frieden gemacht - die Akteure der Branche nutzen das Potential des Marktes und machen einfach ihren Job. Natürlich nutzen auch die Seriösen die Naivität oder Dummheit von Menschen aus, aber das verurteile ich nicht mehr; denn dieses Verhalten ist nicht nur der Finanzbranche vorbehalten – andererseits haben Menschen heutzutage auch genug Möglichkeiten sich zu informieren.

Über lange Zeit blieben einige Kontakte erhalten, einige wenige bis heute. Es hatte sich eine Gruppe etabliert, die wahrlich ehrliche und ernsthafte Trader/ Investoren waren (unter anderem aus den 10% der Ausbildungsteilnehmer, die an sich arbeiten als Selbstverständlichkeit angesehen haben). Diese Gruppe machte sich keine unrealistischen Illusionen ausschließlich vom Trading zu leben, aber Austausch, Lernen und langfristig und risikobewusst Vermögen aufzubauen war stetiger Antrieb. Wir trafen uns auch noch über die Jahre ein paar Mal auf ein Bierchen, bis ich den Kontakt mit dem Großteil verlor.

Das Fazit des Scheiterns aus den letzten Beiträgen lässt sich in klassische schul-wirtschaftliche Bereiche zusammenfassen:

  • Planung: Fehlende strategische Finanzplanung und Roadmap.
  • Umsetzung: Fehlende klare, transparente Regeln und Qualitätsmaßstäbe.
  • Moral und Personal: Leben und leben lassen -vernünftige und adäquate Personalgestaltung und angemessener Respekt vor Kollegen, Konkurrenz/ Mitbewerbern.
  • Revision und Change-Management: Anpassung an Änderungen des Umfelds, Verbesserung und Fortschritt.

Nichts davon war ausreichend vorhanden.

Im Nachhinein bereue ich vor allen Dingen das Zusammenbrechen der zwischenmenschlichen Beziehungen am meisten, wir hatte im Team auch viel Spaß und das darf nicht vergessen werden; ohne NLT wären wir vermutlich noch heute teilweise gute Kumpanen – aber so ist es halt. Vermutlich hat der eine oder andere mehr erwartet, warum NLT scheiterte, aber so schlicht und einfach war es.

Die Idee NLT war wirklich gut, die Umsetzung schlecht.

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