Bereicherung bis zum Untergang
Werner Rügemer
Bekanntlich wissen Banker nicht unbedingt, was sie anrichten – oder sie lügen. Oder sie tun auch schon mal beides gleichzeitig. Vor einem Monat hatte das Handelsblatt Matthias Graf von Krockow noch einen ganzseitigen Auftritt verschafft. Da durfte der Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Bank Sal. Oppenheim noch verkünden, man habe alles im Griff. Einen externen Investor hereinholen? »Das steht nicht zur Debatte.« Daß der Rettungsfonds der Bundesregierung wegen der möglichen Pleite der Bank beunruhigt sei? »Wir wissen davon nichts.« Wenn es trotzdem zu Schwierigkeiten komme? »Die Gesellschafter stehen voll hinter der Bank. Das bleibt ja alles in der Familie.«
Ein paar Wochen später war alles anders. Die 220 Jahre dauernde Geschichte der Privatbank geht zu Ende. Die etwa 40 Gesellschafter vor allem aus den drei Familienclans derer von Oppenheim, von Ullmann und Pferdmenges helfen »ihrer« Bank nicht mehr. Sie könnten das mit leichter Hand. Das Privatvermögen der kürzlich verstorbenen Clanchefin Karin von Ullmann wurde zuletzt auf drei Milliarden Euro geschätzt. Sie stand in der Liste der reichsten Deutschen auf Platz 25, direkt hinter dem langjährigen Chef des in der Öffentlichkeit bekannteren Clans, Alfred Freiherr von Oppenheim, der ebenfalls auf drei Milliarden geschätzt wurde.
Jüngsten Berichten zufolge zahlt die Deutsche Bank für ihren Einstieg zunächst 300 Millionen. Aber wie die feinen Banker, pardon: Bankiers auch sonst gezeigt haben, sorgen sie keineswegs, wie man naiv annehmen könnte, für die Unternehmen, die ihnen gehören. Vielmehr bleiben sie gerade in deren Untergang, den sie selbst mit herbeigeführt haben, beim Prinzip der Selbstbereicherung. Nach uns die Sintflut, ist die Handlungsmaxime dieser Asozialen.

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