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6900 Hedge-Funds verwalten zurzeit rund 1,4 Bio. $

Geschrieben

Die Renditeentwicklung von Hedge-Funds verläuft zunehmend parallel. Darin sieht die Europäische Zentralbank (EZB) eine Gefahr für die Stabilität der Finanzmärkte, wie sie in einem Bericht schreibt. Eine Krise bei einem Fonds könnte zu einer Kettenreaktion führen. Bei Hedge-Funds handelt es sich um Anlagevehikel, die kaum reguliert werden. Allerdings äussert sich die EZB nur vage dazu, was denn ein solches Szenario auslösen könnte. Als einziges Beispiel führt sie ein abruptes Versiegen der zurzeit noch reichlich vorhandenen Liquidität an.

 

In ihrer Analyse greift die EZB auf das Mass der Korrelation zurück. Diese Kennziffer gibt an, ob sich zwei Wertpapiere parallel oder gegenläufig entwickeln. Sie liegt zwischen -1 bei völlig diametraler und +1 bei völlig paralleler Entwicklung. Die wichtigsten zehn verschiedenen Strategien von Hedge-Funds wiesen im vierten Quartal 2005 untereinander im Schnitt eine Korrelation von +0,5 aus - der höchste je gemessene Wert. Was die EZB besonders hervorhebt: Die Renditen hatten selbst 1998 weniger stark korreliert. Damals war der Hedge-Fund Long Term Capital Management (LTCM) in Schwierigkeiten geraten. Dies hatte eine Reaktion der Notenbanken provoziert, die eine Ansteckung befürchteten und einen Rettungsplan ausarbeiteten. Mehrere Geldinstitute verhinderten schliesslich den Zusammenbruch von LTCM mit einer Finanzspritze von 3,6 Mrd. $.

 

Die weltweit 6900 Hedge-Funds verwalten zurzeit rund 1,4 Bio. $. Sie verzeichneten im vierten Quartal 2005 erstmals seit drei Jahren netto Mittelabflüsse. Darunter litten besonders die Dachfonds (Funds of Hedge-Funds). Dahinter vermutet die EZB auch strukturelle Gründe. So würden institutionelle Investoren zunehmend direkt in einzelne Hedge-Funds investieren, um Gebühren zu sparen. Zudem könnten Anleger ihr Geld in Hedge-Fund-Indizes stecken, was eine Alternative zu Dachfonds sein kann. Die EZB hat ferner festgestellt, dass Hedge-Funds auf ihrer Suche nach rentablen Anlagemöglichkeiten vermehrt in weniger liquide Vermögenswerte investieren. Sie agieren damit ähnlich wie Beteiligungsgesellschaften. Aber im Unterschied zu Private-Equity-Firmen, die eine Mindestanlagedauer kennen, können Investoren von Hedge-Funds ihre Anteile leichter zurückgeben. Dies kann für Hedge-Funds dann problematisch werden, wenn viele Anleger gleichzeitig aussteigen wollen. Immerhin schliesst die EZB ihre Ausführungen auf einer optimistischen Note. So habe sich die Branche bisher trotz den Abflüssen im vierten Quartal als widerstandsfähig erwiesen. Die jüngst stärkeren Bewegungen an den Märkten dürften zudem ganz nach dem Gusto der auf solche Marktverhältnisse spezialisierten Vehikel sein.

 

Quelle: NZZ online

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Geschrieben
  • Autor

Hedge-Fonds sollten sich und ihr Risikoprofil freiwillig von Ratingagenturen beurteilen lassen. Das ist der Kern einer Initiative, die Edgar Meister in diesen Tagen lanciert. Meister, der im Vorstand der Deutschen Bundesbank für Fragen der Finanzstabilität zuständig ist und dem bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelten Ausschuß für Bankenaufsicht vorsitzt, verspricht sich von dem Vorstoß mehr Transparenz über die Aktivitäten von Hedge-Fonds und geringere Risiken für die Finanzmärkte.

 

Ein solches Rating liege im Interesse der Investoren, die ihr Geld in Hedge-Fonds anlegen, und im Interesse der Fondsgesellschaften selbst, sagte Meister dieser Zeitung. Eine Möglichkeit wäre seiner Ansicht nach, daß die Hedge-Fonds sich in einem Verhaltenskodex auf die freiwillige Prüfung als Gütesiegel verpflichten würden.

 

Meister will seinen Vorschlag demnächst dem Financial Stability Forum (FSF) unterbreiten, in dem Aufseher und Notenbanken aus aller Welt über die Stabilität des Finanzsystems beraten und Vorschläge entwickeln. Eine erste positive Reaktion gibt es schon.

 

Marktsegmente fest in der Hand

 

Lucas Papademos, der Vizepräsident der EZB und dort zuständig für Finanzaufsichtsfragen, sagte in der vergangenen Woche vor Journalisten in Madrid, der Vorschlag der Bundesbank verdiene Beachtung und weitere Studien. Es sei wichtig, daß mehr Informationen über Hedge-Fonds offengelegt würden, sagte Papademos.

 

Hedge-Fonds, die vor allem auf Spekulation und Arbitragegeschäfte spezialisiert sind, haben in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung für die Finanzmärkte gewonnen. Charakteristisch für sie ist, daß das eingesammelte Fondskapital durch hohe Bankkredite verstärkt und damit die Schlagkraft, aber auch das Risiko kräftig erhöht wird (“Leverage“). Gesicherte offizielle Angaben über die Zahl und das Marktvolumen gibt es nicht - was Finanzmarktaufseher wie die Notenbanken beunruhigt.

 

Nach privat erhobenen Daten gibt es zur Zeit rund 9.000 Hedge-Fonds auf der Welt, die zusammen ein Anlagevolumen von etwa 1.200 Milliarden Dollar verwalten. Nach Meisters Einschätzung weiten Hedge-Fonds ihren Einflußbereich über die klassischen Märkte für Aktien oder Staatsanleihen hinaus aus und dominieren mittlerweile ganze Marktsegmente wie den Handel mit notleidenden Krediten. „Der Marktanteil der Hedge-Fonds in diesem Geschäft liegt nach Schätzungen bei rund 70 Prozent“, sagte Meister.

 

Risiken nicht hinreichend erfaßt

 

Bei riskanten Unternehmensanleihen, die kein „Investment Grade“ erreichten, sowie bei sogenannten Kreditderivaten betrage der Marktanteil schätzungsweise rund 30 Prozent. Die Brisanz dieses Themas unterstreicht, daß allein das Umlaufvolumen von Credit Default Swaps, einem Kreditderivat zur Absicherung gegen Zahlungsausfälle, von Juni 2002 bis Dezember 2005 von 1.000 auf 17.000 Milliarden Dollar angeschwollen ist und immer noch wächst.

 

Risiken sehen Aufsichtsbehörden und Notenbanken vor allem darin, daß die Fonds gleichgerichtet agieren und sich so die Gefahren in einzelnen Märkten ballen könnten. Als gefährlich für die Stabilität des Finanzsystems könne sich auch erweisen, wenn aus einzelnen großen Fonds plötzlich Liquidität abgezogen würde, was über die Rückwirkungen auf die Märkte auch die Stabilität von Banken beeinträchtigen könne.

 

Ein weiteres Risiko sieht die Bundesbank darin, daß Banken und Hedge-Fonds womöglich die gleichen Anlagestrategien verfolgen und denselben Risiken ausgesetzt sind. Finanzaufseher bemängeln schon seit mehreren Jahren, daß über das Geschäft der Hedge-Fonds wenig bekannt ist, so daß die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems nicht hinreichend zu erfassen sind. „Die Hedge-Fonds müssen wissen, daß sie nicht ohne Transparenz weiterarbeiten können“, sagte Meister. „Nicht zuletzt sie selbst profitieren von der Stabilität des Finanzsystems.“

 

Besser eigene als staatliche Regulierung

 

Womöglich mindert indes die mittelständische Marktstruktur der Hedge-Fonds manche Risiken. Nur etwa 13 Prozent der Hedge-Fonds verwalteten ein Vermögen von mehr als 500 Millionen Dollar, sagte Meister; rund 30 Prozent der Fonds bewegten zwischen 25 und 100 Millionen Dollar. Diese mittelständische Marktstruktur könne das Risiko von Herdenverhalten verringern, sagte Meister.

 

Genau wisse das aber niemand. Meister verwies jedoch auch darauf, daß manche Hedge-Fonds größer als der Fonds LTCM seien, dessen Illiquidität im Jahr 1998 für ein paar Tage zu einer schweren Krise an den globalen Finanzmärkten geführt habe. Einige wenige Hedge-Fonds bewegen nach Meisters Worten mehr als 15 Milliarden Dollar Anlagevermögen.

 

Im Detail schlägt die Bundesbank vor, daß die Hedge-Fonds ihr Risikoprofil auf eigene Kosten von Ratingagenturen prüfen lassen. Ratingagenturen seien dafür grundsätzlich geeignet, weil sie das notwendige Wissen besäßen und schnell auf Marktentwicklungen reagieren könnten. Auch stelle die Beurteilung durch Ratingagenturen eine marktgerechte Lösung im Sinne einer erweiterten Selbstregulierung dar. Diese lasse eine staatliche Regulierung vermutlich auf absehbare Zeit entbehrlich werden.

 

Unstimmigkeiten vorbeugen

 

Das risikobasierte Rating solle gemeinsam mit den Aufsichtsbehörden erarbeitet werden. Meister denkt an Parameter wie das Risikomanagement des Fonds, den „Leverage“ in bezug auf die Investmentstrategie sowie Konzentrationsrisiken und Liquiditätsrisiken. Dabei geht es zum Beispiel darum, ob die Fonds über das bei Anlegern eingesammelte Anlagevermögen durch „Lock-up“-Abmachungen hinreichend lange verfügen können, um bei langfristigen Investitionsprojekten nicht plötzlich durch Abzug von Kundengeldern in Liquiditätsschwierigkeiten zu geraten.

 

Teil der Prüfung müsse auch die Funktionsfähigkeit der operationellen Infrastruktur von Hedge-Fonds sein, also die Abwicklung und Abrechnung. Nach Berichten aus den Vereinigten Staaten mußten Geschäftspartner von Hedge-Fonds teilweise längere Zeit auf Kontraktbestätigungen oder Abrechnungen warten. Ähnlich große Rückstände seien auch bei führenden Banken aufgetreten.

 

Dadurch bleiben etwaige Unstimmigkeiten zwischen Geschäftspartnern über die Konditionen von Geschäften unentdeckt - was bei heftigen Veränderungen der Marktpreise böse Überraschungen bescheren und zu zusätzlichen weitreichenden Folgen bis hin zum Zusammenbruch eines Fonds führen kann. Diese Situation habe sich aber zuletzt verbessert, nachdem Zentralbanken und Aufsichtsbehörden diesbezüglich aktiv geworden seien, sagte Meister.

 

Kontrolle durch Banken

 

Die Ratings sollten veröffentlicht werden, um Anleger zu leiten und um den Finanzaufsehern Gewißheit zu geben, daß die Hedge-Fonds nicht zu große Risiken akkumulierten, sagte Meister. In Gesprächen mit Hedge-Fonds hat die Bundesbank herausgehört, daß gerade bei großen Marktteilnehmern die Bereitschaft besteht, ein solches Prüfprogramm auf sich zu nehmen. Bedenken wegen der zusätzlichen Kosten und Bürokratie gebe es hingegen bei kleineren Hedge-Fonds. Ausdrücklich wandte Meister sich gegen eine „kontraproduktive“ Regulierung von Hedge-Fonds.

 

„Wollen wir tatsächlich alle Marktteilnehmer voll in das Kleid von Banken oder Wertpapierfirmen stecken? Ich würde das nur als allerletzte Möglichkeit sehen“, sagte Meister. Damit liegt er nahe der Position, die sowohl der Chef der amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke, als auch dessen Amtsvorgänger Alan Greenspan vertreten. Beide lehnen eine staatliche Regulierung von Hedge-Fonds ab. Sie argumentieren, daß die Großbanken, die sogenannten Prime Broker, die den Hedge-Fonds für deren riskante Engagements Kredite gewähren und für sie die Geschäfte abwickeln, schon aus purem Eigeninteresse Kontrolle ausübten - und dies durch Einblick in die Bücher der Hedge-Fonds sowie ihre eigene Fachkenntnis auch am besten könnten.

 

Die Bankaufseher hätten im Rahmen der bestehenden Vorschriften die Möglichkeit, die Prime Broker sorgfältig zu prüfen. Ein Problem sieht Meister allerdings darin, daß viele Hedge-Fonds mehrere Prime Broker nutzen, so daß es jenen oft an einem Gesamtüberblick über die Positionen der Fonds fehlen dürfte.

 

Wichtige Finanzintermediäre

 

Unabhängig von der Sinnhaftigkeit einer Regulierung sei eine solche auf den globalen Anlagemärkten ohnehin nur effektiv umzusetzen, wenn sich alle Staaten zusammentäten, sagte Meister. Dafür gebe es aber international keinen Konsens. Die Mehrheitsmeinung sei wohl, daß eine Regulierung von Hedge-Fonds derzeit nicht notwendig sei. Dabei spielt auch eine Rolle, daß in London und New York, den Zentren der Hedge-Fonds-Branche mit ihren Zehntausenden hochbezahlten Arbeitsplätzen, befürchtet wird, daß Hedge-Fonds im Falle einer staatlichen Regulierung anderswohin abwandern könnten.

 

Meister sieht den volkswirtschaftlichen Nutzen von Hedge-Fonds darin, daß diese bereit seien, Risiken zu übernehmen, innovative Finanzprodukte entwickelten und mit ihrer zusätzlichen Liquidität zur Effizienz der Märkte beitrügen. „Hedge-Fonds tragen zum Funktionieren der Märkte bei. Das kann man nur dreimal unterstreichen“, sagte Meister.

 

Hedge-Fonds hätten außerdem eine wichtige Funktion, weil sie mit ihrem großen Anlagevolumen anderen Marktteilnehmern Risiken abnähmen und diese auf mehr Schultern verteilten, beispielsweise auf Pensionsfonds und darüber indirekt bis hin zu privaten Haushalten. „Hedge-Fonds sind inzwischen wichtige Finanzintermediäre“, sagte Meister. „Die deutschen Banken, die uns in den vergangenen Jahren Kummer bereiteten, hätten ihre notleidenden Kredite ohne Hedge-Fonds wahrscheinlich nicht ausplazieren können.“

 

Seinen Vorschlag einer freiwilligen Beurteilung der Hedge-Fonds durch Ratingagenturen sieht das Mitglied im Bundesbankvorstand auch als einen Weg, auf dem diese Fondsgesellschaften eine Regulierung vermeiden können. „Wenn einmal ein großer Hedge-Fonds in die Schieflage gerät und da etwas passiert, wird die Politik sich der Frage annehmen. Und dann käme eine Regulierung, die vermutlich über ihr Ziel hinausschösse“, sagte Meister.

 

Quelle: FAZ

Geschrieben
  • Autor

Im turbulenten US-Zeitungsmarkt ist ein Konflikt um die Zukunft Verlagskonzerns Tribune ausgebrochen. Zur Tribune-Gruppe gehören unter anderem die Tageszeitungen "Los Angeles Times" und "Chicago Tribune".

 

Nachdem am Mittwoch der zweitgrößte Aktionär des börsennotierten Unternehmens dem Management öffentlich "strategisches Versagen mit desaströsen Auswirkungen" vorgeworfen und eine Zerschlagung verlangt hatte, kam am Donnerstag ein weiterer Rückschlag für Vorstandschef Dennis FitzSimons: Die Rating-Agentur Moody's setzte Tribunes Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus herab. Anlass dafür ist ein kürzlich beschlossener Plan des Vorstands, für bis zu 2 Mrd. $ eigene Aktien zu kaufen, um den kräftig abgesackten Kurs zu stützen.

 

Die Kritik am Management von Tribune ist kein Einzelfall in der Branche. Allein in den vergangenen zwölf Monaten haben sich Struktur und Prinzipien der amerikanischen Zeitungslandschaft stärker verändert als in den zwölf Jahren zuvor. Vor allem die traditionellen "Zeitungsbarone" standen in der Kritik.

 

Beim Dow-Jones-Verlag, der etwa das "Wall Street Journal" herausbringt, häuften sich die Beschwerden der Aktionäre über die Führung des Verlags dermaßen, dass die Eigentümerfamilie Bancroft im Januar zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Nicht-Journalisten an die Spitze hievte.

 

Öffentliche Schelte und Drohbriefe

 

Bei der New York Times Company ist der Vertreter der Eigentümerfamilie, Chairman Arthur Ochs Sulzberger, vom Großaktionär Morgan Stanley öffentlich gescholten worden. Da die Familien Bancroft und Sulzberger die Stimmrechte kontrollieren, blieb der Druck von Mitaktionären und Analysten hier noch begrenzt. Was es bedeutet, wenn diese Kontrolle verloren geht, musste die Zeitungsfamilie Ridder erleben.

 

Tony Ridder, Vorstand des Knight-Ridder-Verlags, der unter anderem den "Miami Herald" und den "Philadelphia Inquirer" herausbrachte, wurde von drei Hedge-Fonds mit großen Aktienpaketen kurzerhand gezwungen, den von seiner Familie gegründeten Verlag zu verkaufen. Ridder wurde per Brief vor die Wahl gestellt, die Stabsübergabe selbst einzuleiten oder in einer öffentlichen Schlammschlacht entmachtet zu werden.

 

Ein ähnlicher Drohbrief ist jetzt an Tribune-Chef FitzSimons gegangen. Von ihm wird verlangt, das Zeitungsgeschäft von den 26 TV-Stationen des Verlags zu trennen. "Die Parallele zu Knight-Ridder ist unübersehbar", sagt Jennifer Saba vom Branchenblatt "Editor & Publisher". "In beiden Fällen begann der Kampf um die Kontrolle mit einem verärgerten Brief."

 

Frust über mangelnde Wachstumsaussichten

 

Quelle: Financial Times Deutschland

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