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Kreditderivate - Ein Markt wird elektronisch

Geschrieben

Der mit exorbitanten Wachstumsraten boomende Markt für Kreditderivate hat die Probleme bei der Abwicklung und Abrechnung (Clearing) weitgehend in den Griff bekommen. Fachleute erwarten nun, dass dieser Freiverkehrsmarkt (OTC) mit einem Volumen von rund 17 Bill. Dollar weiter kräftig zulegt.

 

Innerhalb von nur wenigen Monaten hat es der bis dahin recht antiquierte Settlement-Methoden aufweisende Markt für Credit Default Swaps (CDS) und andere Instrumente des Kreditrisikotransfers geschafft, sich wesentlich modernere Strukturen zuzulegen. Das Ziel der Branche ist ein vollautomatisches Clearingsystem.

 

Die großen Banken, die als Market-Maker den größten Einfluss haben, reagierten auf die teils sehr heftige Kritik der internationalen Aufsichtsbehörden an den Dokumentationsproblemen bei Kreditderivaten und ergriffen umgehend vor allem zwei wichtige Maßnahmen: Zum einen wurde der Markt von einer bislang vor allem auf Telefon- und Faxmitteilungen basierenden Settlement-Prozedur auf ein elektronisches System umgestellt, zum anderen wurde die Dokumentation der Transaktionen verbessert. Ende des vergangenen bis Anfang dieses Jahres hatte sich ein erheblicher Rückstau bei der Abwicklung gebildet.

 

Das elektronische Abwicklungssystem wurde von der Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC) gemeinsam mit den führenden Marktteilnehmern ins Leben gerufen. Grund: Die Irrtümer und Fehlbuchungen am Markt für Kreditderivate hatten in den Monaten zuvor nicht nur ein unakzeptabel hohes Niveau erreicht, sondern auch dazu geführt, dass sich die Zahl der nicht abgewickelten und abgerechneten Transaktionen aufgetürmt hatte. Nach Angaben der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) enthielten 17 Prozent der im Jahr 2005 abgewickelten Transaktionen zum Teil erhebliche Fehler – im Jahr 2004 hatte der Anteil der fehlerhaften Geschäfte bei neun Prozent gelegen. Nach Angaben von Marktteilnehmern werden inzwischen rund 80 Prozent aller Kreditderivate über das von DTCC geschaffene elektronische System nach der Formel „T+1“ – also Settlement der Kontrakte einen Tag nach vereinbartem Geschäft – abgewickelt.

 

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Eine zweite Verbesserung stamme vom Branchenverband ISDA, sagt Marcus Schüler von der Deutschen Bank. Diese Vereinigung hat mit dem so genannten Novation Protocol einen neuen Standard gesetzt, der unter anderem bei Erfüllung von Kontrakten die Lieferung von Anleihen gegen Swapgeschäfte möglich macht. Gleichzeitig lässt dieses Protokoll jedoch auch die Chance auf eine Barabwicklung der jeweiligen Transaktionen offen. Damit wurde das in der Vergangenheit größte Problem im Dokumentationsprozess dieses Marktes entschärft.

 

Wenn Marktteilnehmer in der Vergangenheit eine bilateral abgeschlossene Kreditderivate-Transaktion an eine dritte Partei übertragen – also gehandelt – hatten, wurde diese Übertragung dem ursprünglichen Vertragspartner oftmals nicht mitgeteilt. Dieser wusste daher oft nicht, gegenüber wem eine Verpflichtung oder ein Anspruch auf Zahlung bestand.

 

Mit dem Novation-Protocol hat sich dieses Problem entspannt. „Inzwischen haben fast alle Marktteilnehmer das Protokoll unterschrieben“, sagte Schüler dem Handelsblatt. Der OTC-Markt für Kreditderivate weist den Nachteil auf, dass hier kein Clearinghaus wie an den organisierten Terminbörsen existiert. Auch nach der Einführung des Novation-Protocols existiert am Markt kein vollautomatisches Clearingsystem; denn noch immer werden alle Transaktionen am Ende des Tages manuell erfasst, per E-Mail an die betroffenen Parteien versandt und dort entsprechend verbucht.

 

Ungeachtet dieser noch bestehenden Schwächen hat die ISDA kürzlich in einem Brief an ihre Mitgliedsfirmen die großen Fortschritte im Dokumentationsprozess bestätigt. „Das ist ein riesiger Schritt nach vorn zur Lösung des Problems“, sagt auch Michael Bodson von Morgan Stanley. Inzwischen seien mehr als 80 Prozent der liegen gebliebenen Abrechnungen abgearbeitet worden, erklärt die ISDA mit Hinweis auf aktuelle Angaben der Federal Reserve Bank of New York.

 

In diesem Kontext sind die hohen Investitionen zu erwähnen, die führende Händler von Kreditderivaten in den vergangenen Monaten in Informationstechnik (IT) vorgenommen haben. Nach Angaben der amerikanischen Researchfirma Markit and Reoch Consulting haben die Banken ihre entsprechenden IT-Investitionen um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr aufgestockt.

 

Ungeachtet des Staus bei der Geschäftsabwicklung hat sich das Volumen am Weltmarkt für Kreditderivate in den vergangenen Monaten auf hohem Niveau behauptet. Da zahlreiche Marktteilnehmer offensichtlich an eine Umkehr des Kreditzyklus glauben, konzentriert sich das Geschäft in jüngster Zeit weniger auf die Absicherung von Bonitätsrisiken einzelner Kreditnehmer und Anleihegläubiger, sondern auf die Nutzung der entsprechenden Indizes für derivative Produkte. „Die Marktteilnehmer nutzen immer stärker das gebotene Instrumentarium an Kreditderivate-Indizes“, sagen die Fachleute der Ratingagentur Fitch. Am populärsten seien die „iBoxx“-Indizes.

 

Derzeit beobachten Marktteilnehmer mit Interesse die verschiedenen Aktivitäten der Gesellschaften, die sich am Kreditmarkt Finanzmittel beschaffen. „Wegen der positiven Ertragslage haben die Unternehmen in den vergangenen Monaten ihre Verschuldung stark reduziert oder sogar abgebaut“, sagt Schüler. Daher war am Markt für Kreditderivate eine hohe Volatilität zu beobachten. Denn dort, wo sich die Kreditqualität von Unternehmen verbessert, ist eine Absicherung von Bonitätsrisiken weniger stark gefragt.

 

Quelle: handelsblatt.com

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