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Deutsche Börse schreibt Euronext-Aktionäre an

Geschrieben

rankfurt (Reuters) - Die Deutsche Börse will sich im Übernahmepoker um die Euronext einem Zeitungsbericht zufolge mit einem Brief direkt an die Aktionäre der Vierländerbörse wenden.

 

Der am Montag tagende Aufsichtsrat des Frankfurter Marktbetreibers solle dem Schreiben seinen Segen geben, meldete die Tageszeitung "Die Welt" am Sonntag vorab aus ihrer Montagausgabe ohne Nennung von Quellen. Ein Sprecher der Börse wollte den Bericht nicht kommentieren.

 

Es werde sich bei dem Schreiben nicht um ein offizielles Angebot handeln, berichtete die Zeitung weiter. Auch der Preis werde nicht genannt. Alle anderen Vorschläge würden aber im Detail erläutert.

 

NYSE GIBT SICH SIEGESSICHER

 

Die Frankfurter haben in ihrem Bemühen um die Mehrländerbörse in der New York Stock Exchange (Nyse) einen starken Kontrahenten. Der Euronext-Vorstand hat sich bereits für eine Fusion mit den New Yorkern ausgesprochen, so dass den Frankfurtern nur der direkte Weg über die Aktionäre bleibt, deren Entscheidung noch aussteht.

 

Nyse-Chef John Thain gab sich unterdessen siegesgewiss. Er glaube, dass die Deutsche Börse weder unter strategischen Gesichtspunkten noch finanziell mithalten könne, sagte er einem Fernsehsender.

 

Die Deutsche Börse will ihr Angebot trotz der Absage durch das Euronext-Management nicht erhöhen, wie eine mit den Gesprächen vertraute Person gesagt hatte. Wenn überhaupt, werde über eine Verschiebung der Barkomponente zu Ungunsten der Aktienkomponente gesprochen. In ihrem Angebot vom 23. Mai bietet die Deutsche Börse den Euronext-Eignern 8,6 Milliarden Euro, davon rund 870 Millionen Euro in bar.

 

Der New Yorker Börsenbetreiber bietet rund 2,4 Milliarden Euro in bar. Außerdem wirbt er mit dem Hinweis auf höhere Einspar-Effekte für die Bildung der ersten transatlantischen Börse. Die Frankfurter hingegen wollen die Aktionäre mit der Vision eines starken europäischen Finanzplatzes auf ihre Seite ziehen

 

Quelle: Reuters

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Geschrieben
  • Autor

Deutsche Börse macht im Kampf um Euronext Zugeständnisse

 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Börse ringt weiter um die Übernahme der Mehrländerbörse Euronext und ist bei den Rahmenbedingungen zu Zugeständnissen bereit.

 

Der Aufsichtsrat sprach sich aber zugleich gegen eine Erhöhung der Barkomponente ihres Angebots aus.

 

Die Deutsche Börse bot dem Euronext-Management an, dass die Mehrländerbörse in einem fusionierten Unternehmen den Aufsichtsratschef stellen könnte. Zudem sollten die Zentralfunktionen auf Amsterdam, Frankfurt und Paris verteilt werden. Zuvor hatte die Deutsche Börse auf Frankfurt als Hauptsitz beharrt. Die Deutsche Börse will zudem ihr Handelssystem Xetra opfern. Das zusammengeschlossene Unternehmen solle das Aktienhandelssystem der Euronext (NSC) übernehmen. Beim Terminhandel bliebe das Eurex-Handelssystem bestehen. Das Management von Euronext hatte Anfang Juni ein Angebot der New Yorker Börse (Nyse) angenommen.

 

"Die finanziellen Konditionen der Transaktion bleiben unverändert", teilte die Börse im Anschluss an die mehrstündige Sitzung des Aufsichtsrats in Frankfurt mit. Da das Barangebot der Börse für die Euronext mit 870 Millionen Euro unter den von der Nyse gebotenen 2,4 Milliarden Euro in Bar liegt, war zuletzt an den Finanzmärkten über eine Anhebung der Barkomponente spekuliert worden.

 

Die Deutsche Börse hatte den Posten des Aufsichtsratschefs von Beginn an für sich beansprucht. Nunmehr soll die Deutsche Börse nur noch den Vorstandschef stellen. Dieser und der Finanzvorstand sollten im neuen Unternehmen ihr Hauptbüro in Frankfurt haben. Hauptort für die Vorstandssitzungen bliebe demnach Frankfurt.

 

"HARMONISIERUNG DER HANDELSSYSTEM BRÄCHTE SYNERGIEN"

 

Die Deutsche Börse sei zudem bereit, weitreichende Zugeständnisse beim Aktienclearing zu machen, um kartellrechtlichen Bedenken entgegenzuwirken, teilte der Börsenbetreiber weiter mit.

 

Mit der Aufgabe von Xetra geht die Deutsche Börse weiter als zuvor. "Die Integration und Harmonisierung der Handelsplattformen der Deutschen Börse und Euronext würde zu beträchtlichen Effizienzgewinnen und verringerten Gebühren für die Kunden führen", erklärt die Deutsche Börse. Zahlreiche Börsen aller Welt nutzen das in Frankfurt entwickelte elektronische Handelssystem Xetra, das in Deutschland die Präsenzbörsen in den vergangenen Jahren nahezu zur Bedeutungslosigkeit degradiert hat. Euronext ist die größte Terminbörse der Welt und wird von den Frankfurter gemeinsam mit der Schweizer Börse betrieben.

 

Die Deutsche Börse bekräftigte, dass sie Vorsteuersynergien von dem Zusammenschluss von brutto rund 300 Millionen Euro jährlich erwartet. Davon sollen 60 Millionen Euro an die Kunden weitergegeben werden. Zudem hält die Börse an ihrem Vorschlag einer Holdingstruktur mit Sitz in den Niederlanden fest. Die Aktien der Deutschen Börse schlossen am Montag den Xetra-Handel mit 100,92 (plus 0,11) Euro nahezu unverändert.

 

Nyse-Chef John Thain sagte, aus Sicht der New Yorker gebe es keine Notwendigkeit für ein neues Angebot. Offenbar hätten die Deutschen ihre Offerte kaum verändert.

 

DEUTSCHE BÖRSE BEKOMMT UNTERSTÜTZUNG AUS DER POLITIK

 

Die Deutsche Börse hatte zuletzt Unterstützung von führenden Vertretern aus Politik und Wirtschaft bekommen. So hatten sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und der französische Staatspräsident Jacques Chirac sowie EZB-Chef Jean-Claude Trichet für eine europäische Lösung ausgesprochen.

 

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hatte am Montag die Deutsche Börse vor zu weitgehenden Zugeständnissen gewarnt. Die Deutsche Börse sei der erfolgreichste Marktplatzbetreiber Europas und sowohl der Londoner Börse (LSE) als auch der Euronext überlegen. Folglich müsse dieses Verhältnis auch bei einer Zusammenführung von Börse und Euronext deutlich werden. Die Deutsche Börse hatte im vorigen Jahr vergebens versucht, die LSE zu übernehmen. Inzwischen hält die US-Technologiebörse Nasdaq einen Anteil von 25 Prozent an der LSE.

 

 

Quelle: Reuters

Geschrieben
  • Autor

Mit seinem erneuten "Non" gegenüber der Deutschen Börse setzt Euronext-Chef Jean-Francois Théodore alles auf eine Karte. Dabei ist die Zukunft der Vierländerbörse unter der Ägide der Nyse mehr als ungewiss. Noch könnte Théodore das Ruder herumreißen, bevor es die Aktionäre selbst tun.

 

Das Statement aus Paris war kurz und bestimmt im Ton. Die Offerte der Deutschen Börse Chart zeigen enthalte substanziell "nichts Neues", die Euronext Chart zeigen bevorzuge nach wie vor eine Fusion mit der New York Stock Exchange Chart zeigen (Nyse). Klare Worte, aber faktisch falsch.

 

Die Deutsche Börse ist mir ihren Vorschlägen der Pariser Forderung nach einer föderalen Struktur sehr weit entgegen gekommen und bis an die Schmerzgrenze gegangen - für die hessische Landesregierung, die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und Teile der hiesigen Bankenlandschaft sogar darüber hinaus.

 

Zugestanden - an Clearstream halten die Frankfurter fest. Bei allem Respekt vor dem diplomatischen Geschick eines Jean-Francois Théodore: Der Euronext-Chef konnte nicht ernsthaft annehmen, die Frankfurter würden wider jede ökonomische Vernunft ihre hoch profitabel arbeitende Abwicklungstochter abstoßen, um dann gebeugten Hauptes bittstellerisch an seine Tür zu klopfen.

 

Halten wir dem Taktiker in Paris zu Gute, dass es ihm nicht um seine Person geht. Dabei läge die gegenteilige Annahme durchaus auf der Hand: In den neuen Überlegungen der Deutschen Börse spielt Théodore keine Rolle mehr - weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat. Bei einer "Nyse Euronext" wäre er immerhin zweitmächtigster Mann hinter Nyse-Chef John Thain.

 

Nehmen wir also an, es ginge Théodore ausschließlich um das Wohl der Aktionäre und um ein Maximum an Eigenständigkeit der Vierländerbörse in einem wie auch immer gearteten Verbund.

 

Mit Blick auf den ersten Punkt ist festzustellen, die Nyse-Offerte hat deutlich an Attraktivität verloren, weil der Aktienkurs der weltgrößten Börse gefallen ist. Gegenüber seinerzeit 73 Euro je Euronext-Aktie ist das Gebot der Nyse aktuell nur noch rund 65,30 Euro wert und liegt damit unter dem Kurs der Vierländerbörse von derzeit knapp 69 Euro. Die Deutsche Börse beziffert den Wert ihres Gebots auf 65,98 Euro je Aktie.

 

Wahrscheinlich spekuliert der Euronext-Vorstand im Sinne seiner Aktionäre auf eine höhere Barkomponente des Frankfurter Gebots. Auch wenn Analysten den ökonomischen Sinn eines höheren Gebotes anzweifeln - Deutsche-Börse-Chefkontrolleur Kurt Viermetz hat dies als letzte Option nicht ausgeschlossen.

 

Nyse vs. Frankfurt - ein ungleiches Duell

 

Ein sich dann anschließender Bieterwettkampf zwischen Deutscher Börse und Nyse gilt unter Experten ebenso so sicher wie eine Niederlage der Frankfurter in diesem ungleichen Duell. Der Euronext und ihren Aktionären könnte dies gleich sein, sie hätten sich schamlos teuer verkauft.

 

Doch das wäre zu kurz gedacht. Im Kampf um die Börsenvorherrschaft auch auf dem europäischen Kontinent hat die Nyse nichts zu verschenken. Mit einem Anteil von 25 Prozent an der Londoner Börse Chart zeigen (LSE) sitzt ihr ewiger Konkurrent, die Technologiebörse Nasdaq Chart zeigen, im Nacken und schmiedet gerade die zweite transatlantische Superbörse.

 

Es bedarf nicht viel Fantasie, dass die Nyse ihr teuer erkauftes Engagement in Europa dann einer Rosskur unterziehen wird, um jeden erdenklichen Kostenvorteil rauszuholen. Spätestens dann dürften auch Thains Bekenntnis zu einer "Fusion unter Gleichen" und damit Pariser Hoffnungen auf ein Höchstmaß an Eigenständigkeit der Vergangenheit angehören. Schon jetzt schenken manche Börsenexperten den Bekundungen aus New York wenig Glauben. "Früher oder später werden die Amerikaner sie platt machen", heißt es.

 

Das klingt drastisch, dürfte aber so weit weg von der Wahrheit nicht liegen. Wie wenig "europäisch" Thain denkt, und wie stark er auf Euronext-Interessen künftig Rücksicht zu nehmen gedenkt, lässt sich an anderen Aussagen des Nyse-Chefs ablesen. Für den Fall, dass sich die neue transatlantische Superbörse nicht wie erwartet entwickelt, kündigte Thain die Gründung einer eigenen Börse in London an. Auch der Kauf der LSE sei denkbar, sagte er der "Financial Times".

 

Wie realistisch solche Pläne auch sein mögen, der Euronext und ihrem Vormann sollten sie eine Warnung sein.

 

Bereits jetzt hat Théodore für die Anteilseigner der Vierländerbörse mehr erreicht als zu erwarten war. Er sollte vor die Aktionäre treten und sagen: "Pardon, je me suis trompé", um dann für eine Fusion mit der Deutschen Börse zu votieren - bevor es die Aktionäre selbst tun. Letzteres ist nicht auszuschließen, denn die Nyse-Anhänger unter ihnen werden weniger. In diesem Fall aber hätte sich der Taktiker Théodore schlicht verzockt und verließe als Verlierer die Pokerrunde.

 

Quelle: manager magazin

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