An den Aktienmärkten konnte man vor einigen Jahren beobachten, wie die Preise für Aktien von Anlegern weit über jedes vernünftige Maß nach oben getrieben wurden. Mittlerweile ist etwas Ähnliches an den Rohstoffmärkten passiert und auch an manchen Immobilienmärkten. Die Banken buhlen mit Researchberichten über Gold oder Öl um die Gunst der Anleger, auch Weizen, Zucker und dergleichen mehr werden als Spekulationsobjekt gepriesen - nur die Tulpen, die vor mehr als 300 Jahren Börsen ins Wanken und die Spekulation in Verruf brachten, sind noch nicht wieder aufgetaucht.
Die Triebfeder hinter der Spekulation ist die Gier der Menschen, schnell und ohne Arbeit viel Geld zu machen.
André Kostolany hat uns diese Weisheit hinterlassen. Öl, Gold, Silber - all diese Rohstoffe sind in den letzten Jahren deutlich teurer geworden: Der Preis für die US-Ölsorte WTI lag 2004 im Durchschnitt bei 40 US-Dollar, in 2006 schon über 70 Dollar. Der Preis für eine Unze Gold lag 2004 noch bei 400 Dollar, in diesem Jahr ging es schon mal über die 700 Dollar-Grenze. Auch die Preise für Silber und Kupfer haben sich in zwei Jahren ungefähr verdoppelt. Erst in den letzten Wochen waren nach dem mehrjährigen Aufwärtstrend bei vielen Metallpreisen auch wieder mal größere Preisrückgänge zu beobachten - doch das Preisniveau ist immer noch sehr hoch. Preise sind in einer Marktwirtschaft wichtige Signale: Steigende Preise signalisieren Knappheit. Aber gilt das auch für die gewaltigen Preissprünge bei Öl, Gold und Co, die an den Rohstoffbörsen in London und New York ermittelt werden? Oder sind diese Preissignale in manchen Zeiten verzerrt? Professor Claudia Kemfert, Energiefachfrau am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin:
Der Ölpreis von 60 Dollar pro Barrel, den wir im Jahr 2005 gesehen haben, ist kein fairer Marktpreis, denn Angebot an Öl ist genügend vorhanden auf dem Weltmarkt, wir haben zwar Nachfragesteigerungen speziell im asiatischen Raum beobachtet, nichts desto trotz ist der Preis viel zu hoch, wir könnten einen Marktpreis von 30 Dollar pro Barrel erwirken, hier spielen Spekulationen eine große Rolle.
Ähnlich argumentiert auch Karin Kneissl. Sie hat in ihrem Buch "Der Energiepoker" die Hintergründe des Ölgeschäftes analysiert:
Die Tatsache, dass genügend Rohöl auf dem Weltmarkt sei, würde ich unterschreiben. Aber Faktum ist, dass ab dem Moment, ab dem sich Termingeschäfte vom Produktbereich in den Rohölbereich hineinbewegt haben, Öl einfach immer stärker zum Spekulationsobjekt geworden ist, das heißt die Preise steigen auch dann, wenn sich physisch am Markt nichts wesentlich geändert hat.
Fragt sich nur, warum Öl und viele andere Rohstoffe in den letzten Jahren zum Spekulationsobjekt geworden sind. Denn Anleger und Spekulanten schließen ja nicht aus Jux und Tollerei riskante Wetten auf Rohstoffpreise ab. Ihr Kalkül lautet:
Spekulieren ist experimentieren mit dem Zufall.
Michael Heise, Chefvolkswirt des Allianz-Konzerns, sieht eine Ursache der Rohstoffrallye im billigen Geld, mit dem viele Notenbanken die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren geflutet haben, bis sie langsam begannen, die überflüssige Geldmenge wieder abzuschöpfen:
Die amerikanische Zinspolitik hat ja auch auf andere Notenbanken gewirkt, und eben in Asien dazu beigetragen, dass die Notenbanken genau so expansiv gefahren sind, auch die europäische Zentralbank ist viele Jahre expansiv gewesen jetzt, im Endeffekt sind sehr große Finanzmittel in die Märkte hineingeschwemmt worden, die ihre Anlage gesucht haben in verschiedenen Marktsegmenten, überall stellen wir diese kräftigen Preissteigerungen fest, die eben mit dieser hohen Liquidität zusammen hängen.
So meldete die Süddeutsche Zeitung noch am 13.Mai 2006:
Allein die Vereinigten Staaten, Herausgeber der Weltreservewährung Nummer Eins, haben seit den Terroranschlägen im September 2001 die Dollar-Geldmenge um knapp 40 Prozent auf gute 10 Billionen Dollar erhöht - eine Steigerungsrate, die etwa doppelt so hoch ist wie das ausgewiesen Wirtschaftswachstum in dieser Zeit.
Geld ist weltweit immer noch überreichlich vorhanden, das bestätigt auch Jochen Hitzfeld. Er verfasst für die HVB Gruppe in München seit eineinhalb Jahren regelmäßig einen Rohstoffreport namens "Commodity Outlook":
Die Liquidität international ist sehr hoch einzuschätzen. Wir haben 7, 8 Jahre hinter uns, in denen die Liquidität sehr viel stärker gewachsen ist als das Bruttoinlandsprodukt. Die internationalen Zentralbanken haben den Markt mit sehr viel Liquidität versorgt. . Sie müssen hier an die Krisensituationen denken, 1987 der Börsenkrach, 1990 der Irak-Kuwait-Krieg, 1994 der Bond-Market-Crash und zuletzt das Platzen der Aktienblase. In all diesen Fällen hat die Zentralbank die Liquidität erhöht und die Zinsen gesenkt. Und diese Überliquidität schwappt eben nun je nach Möglichkeit in die verschiedenen Asset-Märkte.
Auf der Suche nach lukrativen Geldanlagen - neudeutsch "Assets" - entdeckten die Manager der großen Geldtöpfe auch den Rohstoff Öl als potentielle Goldader. Denn mit dem globalen Wirtschaftsaufschwung schrumpften die Möglichkeiten, bei Versorgungsengpässen rasch zusätzliches Rohöl in den Markt zu pumpen - und enge Märkte bieten Anlegern große Gewinnchancen. Hitzfeld:
Die Nachfrage der Schwellenländer, und hier ist insbesondere China und Indien zu nennen, steigt seit Jahren mit sehr großen Zuwachsraten. Wir hatten 2004 eine Zuwachsrate, die war so stark wie 1976 nicht mehr, also seit fast 30 Jahren, und hier waren die Kapazitäten nicht darauf eingestellt, das heißt die freien Kapazitäten sind sehr stark gesunken, und das macht den Preis anfällig für Förderausfälle.
An den Aktienmärkten konnte man vor einigen Jahren beobachten, wie die Preise für Aktien von Anlegern weit über jedes vernünftige Maß nach oben getrieben wurden. Mittlerweile ist etwas Ähnliches an den Rohstoffmärkten passiert und auch an manchen Immobilienmärkten. Die Banken buhlen mit Researchberichten über Gold oder Öl um die Gunst der Anleger, auch Weizen, Zucker und dergleichen mehr werden als Spekulationsobjekt gepriesen - nur die Tulpen, die vor mehr als 300 Jahren Börsen ins Wanken und die Spekulation in Verruf brachten, sind noch nicht wieder aufgetaucht.
Die Triebfeder hinter der Spekulation ist die Gier der Menschen, schnell und ohne Arbeit viel Geld zu machen.
André Kostolany hat uns diese Weisheit hinterlassen. Öl, Gold, Silber - all diese Rohstoffe sind in den letzten Jahren deutlich teurer geworden: Der Preis für die US-Ölsorte WTI lag 2004 im Durchschnitt bei 40 US-Dollar, in 2006 schon über 70 Dollar. Der Preis für eine Unze Gold lag 2004 noch bei 400 Dollar, in diesem Jahr ging es schon mal über die 700 Dollar-Grenze. Auch die Preise für Silber und Kupfer haben sich in zwei Jahren ungefähr verdoppelt. Erst in den letzten Wochen waren nach dem mehrjährigen Aufwärtstrend bei vielen Metallpreisen auch wieder mal größere Preisrückgänge zu beobachten - doch das Preisniveau ist immer noch sehr hoch. Preise sind in einer Marktwirtschaft wichtige Signale: Steigende Preise signalisieren Knappheit. Aber gilt das auch für die gewaltigen Preissprünge bei Öl, Gold und Co, die an den Rohstoffbörsen in London und New York ermittelt werden? Oder sind diese Preissignale in manchen Zeiten verzerrt? Professor Claudia Kemfert, Energiefachfrau am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin:
Der Ölpreis von 60 Dollar pro Barrel, den wir im Jahr 2005 gesehen haben, ist kein fairer Marktpreis, denn Angebot an Öl ist genügend vorhanden auf dem Weltmarkt, wir haben zwar Nachfragesteigerungen speziell im asiatischen Raum beobachtet, nichts desto trotz ist der Preis viel zu hoch, wir könnten einen Marktpreis von 30 Dollar pro Barrel erwirken, hier spielen Spekulationen eine große Rolle.
Ähnlich argumentiert auch Karin Kneissl. Sie hat in ihrem Buch "Der Energiepoker" die Hintergründe des Ölgeschäftes analysiert:
Die Tatsache, dass genügend Rohöl auf dem Weltmarkt sei, würde ich unterschreiben. Aber Faktum ist, dass ab dem Moment, ab dem sich Termingeschäfte vom Produktbereich in den Rohölbereich hineinbewegt haben, Öl einfach immer stärker zum Spekulationsobjekt geworden ist, das heißt die Preise steigen auch dann, wenn sich physisch am Markt nichts wesentlich geändert hat.
Fragt sich nur, warum Öl und viele andere Rohstoffe in den letzten Jahren zum Spekulationsobjekt geworden sind. Denn Anleger und Spekulanten schließen ja nicht aus Jux und Tollerei riskante Wetten auf Rohstoffpreise ab. Ihr Kalkül lautet:
Spekulieren ist experimentieren mit dem Zufall.
Michael Heise, Chefvolkswirt des Allianz-Konzerns, sieht eine Ursache der Rohstoffrallye im billigen Geld, mit dem viele Notenbanken die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren geflutet haben, bis sie langsam begannen, die überflüssige Geldmenge wieder abzuschöpfen:
Die amerikanische Zinspolitik hat ja auch auf andere Notenbanken gewirkt, und eben in Asien dazu beigetragen, dass die Notenbanken genau so expansiv gefahren sind, auch die europäische Zentralbank ist viele Jahre expansiv gewesen jetzt, im Endeffekt sind sehr große Finanzmittel in die Märkte hineingeschwemmt worden, die ihre Anlage gesucht haben in verschiedenen Marktsegmenten, überall stellen wir diese kräftigen Preissteigerungen fest, die eben mit dieser hohen Liquidität zusammen hängen.
So meldete die Süddeutsche Zeitung noch am 13.Mai 2006:
Allein die Vereinigten Staaten, Herausgeber der Weltreservewährung Nummer Eins, haben seit den Terroranschlägen im September 2001 die Dollar-Geldmenge um knapp 40 Prozent auf gute 10 Billionen Dollar erhöht - eine Steigerungsrate, die etwa doppelt so hoch ist wie das ausgewiesen Wirtschaftswachstum in dieser Zeit.
Geld ist weltweit immer noch überreichlich vorhanden, das bestätigt auch Jochen Hitzfeld. Er verfasst für die HVB Gruppe in München seit eineinhalb Jahren regelmäßig einen Rohstoffreport namens "Commodity Outlook":
Die Liquidität international ist sehr hoch einzuschätzen. Wir haben 7, 8 Jahre hinter uns, in denen die Liquidität sehr viel stärker gewachsen ist als das Bruttoinlandsprodukt. Die internationalen Zentralbanken haben den Markt mit sehr viel Liquidität versorgt. . Sie müssen hier an die Krisensituationen denken, 1987 der Börsenkrach, 1990 der Irak-Kuwait-Krieg, 1994 der Bond-Market-Crash und zuletzt das Platzen der Aktienblase. In all diesen Fällen hat die Zentralbank die Liquidität erhöht und die Zinsen gesenkt. Und diese Überliquidität schwappt eben nun je nach Möglichkeit in die verschiedenen Asset-Märkte.
Auf der Suche nach lukrativen Geldanlagen - neudeutsch "Assets" - entdeckten die Manager der großen Geldtöpfe auch den Rohstoff Öl als potentielle Goldader. Denn mit dem globalen Wirtschaftsaufschwung schrumpften die Möglichkeiten, bei Versorgungsengpässen rasch zusätzliches Rohöl in den Markt zu pumpen - und enge Märkte bieten Anlegern große Gewinnchancen. Hitzfeld:
Die Nachfrage der Schwellenländer, und hier ist insbesondere China und Indien zu nennen, steigt seit Jahren mit sehr großen Zuwachsraten. Wir hatten 2004 eine Zuwachsrate, die war so stark wie 1976 nicht mehr, also seit fast 30 Jahren, und hier waren die Kapazitäten nicht darauf eingestellt, das heißt die freien Kapazitäten sind sehr stark gesunken, und das macht den Preis anfällig für Förderausfälle.
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Quelle: Deutschlandradio.de