Globale Ungleichgewichte: Tickende Zeitbombe oder Dunkle Materie?
Die Weltwirtschaft wächst stark – aber in den USA steigen die Defizite und in Asien türmen sich die Devisenreserven. Wie löst man diese Ungleichgewichte auf, ohne daß die Märkte einen Schock erleiden? Eine Analyse.
Wachsendes Mißverhältnis zwischen Gläubigern und Schuldnern
"Niemand weiß, ob sich diese Ungleichgewichte geräuschlos auflösen oder mit einem Riesenknall enden. Aber die Lage ist ernst." Cathy Minehan, Präsidentin der Federal Reserve Bank in Boston, rätselte kürzlich darüber, ob die riesigen Leistungsbilanzdefizite der USA einerseits und die hohen Handelsbilanzüberschüsse Asiens anderseits auf Dauer tragbar seien oder möglichst geschickt abgebaut werden müßten.
Und immer mehr Experten zerbrechen sich den Kopf darüber, ob die jüngste Korrektur an den weltweiten Kapitalmärkten etwas mit den Global Imbalances zu tun hat. Einer, der es schon immer gewußt hat, ist Stephen Roach, Chef-Ökonom von Morgan Stanley in New York. Für ihn ist das wachsende Mißverhältnis zwischen Gläubigern und Schuldnern der "Anker" seiner Prognosen über die Kapitalmärkte.
Ist das US-Leistungsbilanzdefizit eine tickende Zeitbombe?
Die Frage ist, ob das Defizit der US-Leistungsbilanz eine tickende Zeitbombe für die Finanzmärkte ist oder nicht: Von 1980 bis 2004 hatten die USA schon Defizite von 4,4 Billionen Dollar angehäuft. Die US-Leistungsbilanz schloß 2005 mit einem Rekordminus von 805 Milliarden Dollar, das entspricht 6,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA. Zur Verschuldung beigetragen hat die massiv ausgeweitete Verschuldung der öffentlichen Hand, die etwa vier Prozent des BIP beträgt.
Dem stehen Leistungsbilanzüberschüsse von 166 Milliarden Dollar in Japan, 116 Milliarden Dollar in China und 78 Milliarden Dollar in anderen asiatischen Schwellenländern gegenüber. Hinzu kommen die Überschüsse der arabischen Ölförderländer.
Alles hängt am Vertrauen in die USA
Länder mit einem Defizit in der Leistungsbilanz finanzieren dieses mit Ersparnissen aus dem Ausland. Länder mit einem Sparüberschuß transferieren Ressourcen ins Ausland. Tatsächlich schlucken die Bürger der USA 70 Prozent der Ersparnisse der restlichen Welt. Jeden Tag zwei Milliarden Dollar.
Wie lange kann das gutgehen? Sehr lange. 30 Jahre sind kein Problem. Australien wirtschaftete von 1974 bis 2003 mit einem Defizit von durchschnittlich 4,1 Prozent des BIP. Ähnliche Zahlen und Zeiträume gelten für Kanada und Großbritannien.
Alles hängt davon ab, ob Investoren glauben, daß das betreffende Land mit den geliehenen Mitteln so wirtschaftet, daß sie mit der erwarteten Rendite zurückgezahlt werden können. Ulrich Kater, Chef-Ökonom der Deka Bank: "Solange das Vertrauen der Weltwirtschaft in das US-Wachstum vorhanden ist, wird dieses Defizit auch finanziert: Die US-Wirtschaft erhält einen Kredit von den Welt-Finanzmärkten."
"Der Turm der asiatischen Währungsreserven ist mittlerweile höher als das Himalaya-Gebirge"
Ökonomen weisen darauf hin, dass ein wichtiger Grund für die grenzenlose Bereitschaft der Asiaten, die USA mit Krediten zu versorgen, deren ureigenste Absatzinteressen sind: Die asiatischen Zentralbanken kauften US-Dollar, um so den Kurs der US-Währung zu stützen und den der eigenen Währung zu drücken. Mit den so künstlich verbilligten Waren überschwemmen sie den amerikanischen Markt. Das Leistungsbilanzdefizit steigt, weitere Dollar-Käufe werden getätigt. Kater: "Der Turm der asiatischen Währungsreserven ist mittlerweile höher als das Himalaya-Gebirge."
Tatsächlich ist die Größenordnung, in der die USA als Schuldner Geld aufsaugen, neu. Neu ist auch die Geschwindigkeit, mit der Schwellenländer wie China zum Großgläubiger geworden sind. China hat ausländische Devisenreserven im Wert von 900 Milliarden Dollar, das meiste in Form von Schuldtiteln der USA, angehäuft. Insgesamt betragen die Devisenreserven der Welt laut Internationalem Währungsfonds 4170 Milliarden Dollar, 66,5 Prozent davon in der Währung der USA.
"Eine Flucht aus dem Dollar könnte schnell und schrecklich sein"
Doch kein Land bekommt unendliche Kredite. In der Regel wird das Ende zu hoher Leistungsbilanzdefizite auf den Währungsmärkten eingeläutet. Nach einer Untersuchung der Royal Bank of Scotland fällt die Währung des betroffenen Landes im Durchschnitt im Jahr des höchsten Defizitstands um 20 Prozent.
Bei Ländern wie Australien ließe ein Währungsabsturz die Weltwirtschaft relativ kalt. Im Fall USA wäre ein schneller Absturz gefährlich für die gesamte Weltwirtschaft: "Eine Flucht aus dem Dollar könnte schnell und schrecklich sein", warnt Stephen Roach. Daß die Lage ernst ist, findet auch der Direktor des Internationalen Währungsfonds, denn der hat die Frage der Global Imbalances in der vergangenen Woche zur eigentlichen Bedrohung für die Weltkonjunktur und die Kapitalmärkte erklärt. Dies gelte um so mehr, als steigende Ölpreise und Inflationsgefahrendie Weltkonjunktur derzeit einem Stresstest unterziehen
IWF will den Big Bang vermeiden
Wachsendes Mißverhältnis zwischen Gläubigern und Schuldnern
"Niemand weiß, ob sich diese Ungleichgewichte geräuschlos auflösen oder mit einem Riesenknall enden. Aber die Lage ist ernst." Cathy Minehan, Präsidentin der Federal Reserve Bank in Boston, rätselte kürzlich darüber, ob die riesigen Leistungsbilanzdefizite der USA einerseits und die hohen Handelsbilanzüberschüsse Asiens anderseits auf Dauer tragbar seien oder möglichst geschickt abgebaut werden müßten.
Und immer mehr Experten zerbrechen sich den Kopf darüber, ob die jüngste Korrektur an den weltweiten Kapitalmärkten etwas mit den Global Imbalances zu tun hat. Einer, der es schon immer gewußt hat, ist Stephen Roach, Chef-Ökonom von Morgan Stanley in New York. Für ihn ist das wachsende Mißverhältnis zwischen Gläubigern und Schuldnern der "Anker" seiner Prognosen über die Kapitalmärkte.
Ist das US-Leistungsbilanzdefizit eine tickende Zeitbombe?
Die Frage ist, ob das Defizit der US-Leistungsbilanz eine tickende Zeitbombe für die Finanzmärkte ist oder nicht: Von 1980 bis 2004 hatten die USA schon Defizite von 4,4 Billionen Dollar angehäuft. Die US-Leistungsbilanz schloß 2005 mit einem Rekordminus von 805 Milliarden Dollar, das entspricht 6,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA. Zur Verschuldung beigetragen hat die massiv ausgeweitete Verschuldung der öffentlichen Hand, die etwa vier Prozent des BIP beträgt.
Dem stehen Leistungsbilanzüberschüsse von 166 Milliarden Dollar in Japan, 116 Milliarden Dollar in China und 78 Milliarden Dollar in anderen asiatischen Schwellenländern gegenüber. Hinzu kommen die Überschüsse der arabischen Ölförderländer.
Alles hängt am Vertrauen in die USA
Länder mit einem Defizit in der Leistungsbilanz finanzieren dieses mit Ersparnissen aus dem Ausland. Länder mit einem Sparüberschuß transferieren Ressourcen ins Ausland. Tatsächlich schlucken die Bürger der USA 70 Prozent der Ersparnisse der restlichen Welt. Jeden Tag zwei Milliarden Dollar.
Wie lange kann das gutgehen? Sehr lange. 30 Jahre sind kein Problem. Australien wirtschaftete von 1974 bis 2003 mit einem Defizit von durchschnittlich 4,1 Prozent des BIP. Ähnliche Zahlen und Zeiträume gelten für Kanada und Großbritannien.
Alles hängt davon ab, ob Investoren glauben, daß das betreffende Land mit den geliehenen Mitteln so wirtschaftet, daß sie mit der erwarteten Rendite zurückgezahlt werden können. Ulrich Kater, Chef-Ökonom der Deka Bank: "Solange das Vertrauen der Weltwirtschaft in das US-Wachstum vorhanden ist, wird dieses Defizit auch finanziert: Die US-Wirtschaft erhält einen Kredit von den Welt-Finanzmärkten."
"Der Turm der asiatischen Währungsreserven ist mittlerweile höher als das Himalaya-Gebirge"
Ökonomen weisen darauf hin, dass ein wichtiger Grund für die grenzenlose Bereitschaft der Asiaten, die USA mit Krediten zu versorgen, deren ureigenste Absatzinteressen sind: Die asiatischen Zentralbanken kauften US-Dollar, um so den Kurs der US-Währung zu stützen und den der eigenen Währung zu drücken. Mit den so künstlich verbilligten Waren überschwemmen sie den amerikanischen Markt. Das Leistungsbilanzdefizit steigt, weitere Dollar-Käufe werden getätigt. Kater: "Der Turm der asiatischen Währungsreserven ist mittlerweile höher als das Himalaya-Gebirge."
Tatsächlich ist die Größenordnung, in der die USA als Schuldner Geld aufsaugen, neu. Neu ist auch die Geschwindigkeit, mit der Schwellenländer wie China zum Großgläubiger geworden sind. China hat ausländische Devisenreserven im Wert von 900 Milliarden Dollar, das meiste in Form von Schuldtiteln der USA, angehäuft. Insgesamt betragen die Devisenreserven der Welt laut Internationalem Währungsfonds 4170 Milliarden Dollar, 66,5 Prozent davon in der Währung der USA.
"Eine Flucht aus dem Dollar könnte schnell und schrecklich sein"
Doch kein Land bekommt unendliche Kredite. In der Regel wird das Ende zu hoher Leistungsbilanzdefizite auf den Währungsmärkten eingeläutet. Nach einer Untersuchung der Royal Bank of Scotland fällt die Währung des betroffenen Landes im Durchschnitt im Jahr des höchsten Defizitstands um 20 Prozent.
Bei Ländern wie Australien ließe ein Währungsabsturz die Weltwirtschaft relativ kalt. Im Fall USA wäre ein schneller Absturz gefährlich für die gesamte Weltwirtschaft: "Eine Flucht aus dem Dollar könnte schnell und schrecklich sein", warnt Stephen Roach. Daß die Lage ernst ist, findet auch der Direktor des Internationalen Währungsfonds, denn der hat die Frage der Global Imbalances in der vergangenen Woche zur eigentlichen Bedrohung für die Weltkonjunktur und die Kapitalmärkte erklärt. Dies gelte um so mehr, als steigende Ölpreise und Inflationsgefahrendie Weltkonjunktur derzeit einem Stresstest unterziehen.
IWF will den Big Bang vermeiden
Rodrigo de Rato fürchtet, daß Defizite und Überschüsse gerade vor diesem Hintergrund mit einem Knall abgebaut werden könnten: Das hieße Absturz des Dollar, Rezession, Protektionismus, Einbruch an den Börsen und alles was man sich sonst noch an üblen Dingen vorstellen kann.
Um den Big Bang zu vermeiden, hat de Rato für den Herbst zu einem Supergipfel geladen. Er will die Vertreter der entscheidenden fünf großen Akteure an einen Tisch bringen. Die USA, Japan, die Euro-Zone, China und Saudi-Arabien sollen gemeinsam Mittel und Wege finden, die Ungleichgewichte zu managen, abrupte Reaktionen zu verhindern und das starke Wachstum der Weltwirtschaft beizubehalten, ohne die Defizite und Überschüsse weiter ausufern zu lassen.
"Die Märkte realisieren die Wichtigkeit der Abwärtsrisiken"
Die aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten scheinen de Rato recht zu geben: "Was wir in den vergangenen Wochen an den Finanzmärkten gesehen haben, zeigt, daß die Märkte langsam realisieren, welche Wichtigkeit diese Abwärtsrisiken tatsächlich haben", sagte de Rato.
Zins-, Inflations- und Rezessionsängste werden tatsächlich an den Märkten immer häufiger gehandelt. Der steile Abschwung seit Mitte Mai spricht schon für eine hektische Auflösung von Positionen. Die meisten Märkte sind unter ihre langfristigen Durchschnittslinien gefallen.
Eine schwächere US-Wirtschaft scheint das zu sein, was der IWF für die USA im Auge hat, um abrupte Abstürze an den Weltmärkten zu vermeiden, um andererseits aber Chinesen und Amerikaner dazu zu bringen, ihr Verhalten zu ändern. Im April stieg das Leistungsbilanzdefizit der USA im Handelsverkehr mit China auf 17 Milliarden Dollar. 1,4 Milliarden mehr als im März.
Asien kauft US-Titel
Die asiatischen Zentralbanken und sonstigen öffentlichen Institute kaufen den Löwenanteil der langfristigen US-Staatsanleihen. Sie sind damit die entscheidenden Finanziers des hohen US-Haushaltsdefizits. Diese gegenseitige Fixierung ist volkswirtschaftlich jedoch kein Pakt für die Ewigkeit. Eine Auflösung hätte erheblichen Anpassungsdruck zur Folge, insbesondere in den USA.
Asiaten sparen für Job und Rente
Die hohen Sparraten von über 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den asiatischen Ländern ermöglichen erst die Finanzierung des US-Leistungsbilanzdefizits. Die Asiaten sichern so den Absatz ihrer Waren in den USA. Daß die Sparquote in China weiter zunimmt, erklären Ökonomen mit der fast völligen Abwesenheit staatlicher Umlagesysteme zu Lasten späterer Generationen in der Altersvorsorge.
USA schlucken Überschüsse
Im gleichen Maße, wie sich die Leistungsbilanzüberschüsse im asiatischen Raum und in den arabischen Golfstaaten erhöht haben, ist umgekehrt das Defizit der USA massiv angestiegen. Die Vereinigten Staaten schlucken derzeit 70 Prozent aller Leistungsbilanzüberschüsse der Welt. Den jüngsten Zuwachs haben die USA vorwiegend mit den Überschüssen aus China und den arabischen Staaten finanziert.
Dunkle Materie?
Die US-Ökonomen Ricardo Hausmann und Federico Sturzenegger sagen, die offizielle Rechnung stimme nicht. Es gebe nicht erfaßbare US-Vermögenswerte im Ausland, die sogenannte Dunkle Materie, und die sei Billionen wert. Die USA liefere Liquidität, Know-how und Sicherheit und erziele damit hohe Renditen. Das erkläre, warum die USA 2004 einen Positivsaldo von 35 Milliarden Dollar bei den Vermögenseinkommen im Verkehr mit dem Ausland hatten.
Globale Ungleichgewichte: Tickende Zeitbombe oder Dunkle Materie?
Die Weltwirtschaft wächst stark – aber in den USA steigen die Defizite und in Asien türmen sich die Devisenreserven. Wie löst man diese Ungleichgewichte auf, ohne daß die Märkte einen Schock erleiden? Eine Analyse.
Wachsendes Mißverhältnis zwischen Gläubigern und Schuldnern
"Niemand weiß, ob sich diese Ungleichgewichte geräuschlos auflösen oder mit einem Riesenknall enden. Aber die Lage ist ernst." Cathy Minehan, Präsidentin der Federal Reserve Bank in Boston, rätselte kürzlich darüber, ob die riesigen Leistungsbilanzdefizite der USA einerseits und die hohen Handelsbilanzüberschüsse Asiens anderseits auf Dauer tragbar seien oder möglichst geschickt abgebaut werden müßten.
Und immer mehr Experten zerbrechen sich den Kopf darüber, ob die jüngste Korrektur an den weltweiten Kapitalmärkten etwas mit den Global Imbalances zu tun hat. Einer, der es schon immer gewußt hat, ist Stephen Roach, Chef-Ökonom von Morgan Stanley in New York. Für ihn ist das wachsende Mißverhältnis zwischen Gläubigern und Schuldnern der "Anker" seiner Prognosen über die Kapitalmärkte.
Ist das US-Leistungsbilanzdefizit eine tickende Zeitbombe?
Die Frage ist, ob das Defizit der US-Leistungsbilanz eine tickende Zeitbombe für die Finanzmärkte ist oder nicht: Von 1980 bis 2004 hatten die USA schon Defizite von 4,4 Billionen Dollar angehäuft. Die US-Leistungsbilanz schloß 2005 mit einem Rekordminus von 805 Milliarden Dollar, das entspricht 6,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA. Zur Verschuldung beigetragen hat die massiv ausgeweitete Verschuldung der öffentlichen Hand, die etwa vier Prozent des BIP beträgt.
Dem stehen Leistungsbilanzüberschüsse von 166 Milliarden Dollar in Japan, 116 Milliarden Dollar in China und 78 Milliarden Dollar in anderen asiatischen Schwellenländern gegenüber. Hinzu kommen die Überschüsse der arabischen Ölförderländer.
Alles hängt am Vertrauen in die USA
Länder mit einem Defizit in der Leistungsbilanz finanzieren dieses mit Ersparnissen aus dem Ausland. Länder mit einem Sparüberschuß transferieren Ressourcen ins Ausland. Tatsächlich schlucken die Bürger der USA 70 Prozent der Ersparnisse der restlichen Welt. Jeden Tag zwei Milliarden Dollar.
Wie lange kann das gutgehen? Sehr lange. 30 Jahre sind kein Problem. Australien wirtschaftete von 1974 bis 2003 mit einem Defizit von durchschnittlich 4,1 Prozent des BIP. Ähnliche Zahlen und Zeiträume gelten für Kanada und Großbritannien.
Alles hängt davon ab, ob Investoren glauben, daß das betreffende Land mit den geliehenen Mitteln so wirtschaftet, daß sie mit der erwarteten Rendite zurückgezahlt werden können. Ulrich Kater, Chef-Ökonom der Deka Bank: "Solange das Vertrauen der Weltwirtschaft in das US-Wachstum vorhanden ist, wird dieses Defizit auch finanziert: Die US-Wirtschaft erhält einen Kredit von den Welt-Finanzmärkten."
"Der Turm der asiatischen Währungsreserven ist mittlerweile höher als das Himalaya-Gebirge"
Ökonomen weisen darauf hin, dass ein wichtiger Grund für die grenzenlose Bereitschaft der Asiaten, die USA mit Krediten zu versorgen, deren ureigenste Absatzinteressen sind: Die asiatischen Zentralbanken kauften US-Dollar, um so den Kurs der US-Währung zu stützen und den der eigenen Währung zu drücken. Mit den so künstlich verbilligten Waren überschwemmen sie den amerikanischen Markt. Das Leistungsbilanzdefizit steigt, weitere Dollar-Käufe werden getätigt. Kater: "Der Turm der asiatischen Währungsreserven ist mittlerweile höher als das Himalaya-Gebirge."
Tatsächlich ist die Größenordnung, in der die USA als Schuldner Geld aufsaugen, neu. Neu ist auch die Geschwindigkeit, mit der Schwellenländer wie China zum Großgläubiger geworden sind. China hat ausländische Devisenreserven im Wert von 900 Milliarden Dollar, das meiste in Form von Schuldtiteln der USA, angehäuft. Insgesamt betragen die Devisenreserven der Welt laut Internationalem Währungsfonds 4170 Milliarden Dollar, 66,5 Prozent davon in der Währung der USA.
"Eine Flucht aus dem Dollar könnte schnell und schrecklich sein"
Doch kein Land bekommt unendliche Kredite. In der Regel wird das Ende zu hoher Leistungsbilanzdefizite auf den Währungsmärkten eingeläutet. Nach einer Untersuchung der Royal Bank of Scotland fällt die Währung des betroffenen Landes im Durchschnitt im Jahr des höchsten Defizitstands um 20 Prozent.
Bei Ländern wie Australien ließe ein Währungsabsturz die Weltwirtschaft relativ kalt. Im Fall USA wäre ein schneller Absturz gefährlich für die gesamte Weltwirtschaft: "Eine Flucht aus dem Dollar könnte schnell und schrecklich sein", warnt Stephen Roach. Daß die Lage ernst ist, findet auch der Direktor des Internationalen Währungsfonds, denn der hat die Frage der Global Imbalances in der vergangenen Woche zur eigentlichen Bedrohung für die Weltkonjunktur und die Kapitalmärkte erklärt. Dies gelte um so mehr, als steigende Ölpreise und Inflationsgefahrendie Weltkonjunktur derzeit einem Stresstest unterziehen
IWF will den Big Bang vermeiden
Wachsendes Mißverhältnis zwischen Gläubigern und Schuldnern
"Niemand weiß, ob sich diese Ungleichgewichte geräuschlos auflösen oder mit einem Riesenknall enden. Aber die Lage ist ernst." Cathy Minehan, Präsidentin der Federal Reserve Bank in Boston, rätselte kürzlich darüber, ob die riesigen Leistungsbilanzdefizite der USA einerseits und die hohen Handelsbilanzüberschüsse Asiens anderseits auf Dauer tragbar seien oder möglichst geschickt abgebaut werden müßten.
Und immer mehr Experten zerbrechen sich den Kopf darüber, ob die jüngste Korrektur an den weltweiten Kapitalmärkten etwas mit den Global Imbalances zu tun hat. Einer, der es schon immer gewußt hat, ist Stephen Roach, Chef-Ökonom von Morgan Stanley in New York. Für ihn ist das wachsende Mißverhältnis zwischen Gläubigern und Schuldnern der "Anker" seiner Prognosen über die Kapitalmärkte.
Ist das US-Leistungsbilanzdefizit eine tickende Zeitbombe?
Die Frage ist, ob das Defizit der US-Leistungsbilanz eine tickende Zeitbombe für die Finanzmärkte ist oder nicht: Von 1980 bis 2004 hatten die USA schon Defizite von 4,4 Billionen Dollar angehäuft. Die US-Leistungsbilanz schloß 2005 mit einem Rekordminus von 805 Milliarden Dollar, das entspricht 6,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA. Zur Verschuldung beigetragen hat die massiv ausgeweitete Verschuldung der öffentlichen Hand, die etwa vier Prozent des BIP beträgt.
Dem stehen Leistungsbilanzüberschüsse von 166 Milliarden Dollar in Japan, 116 Milliarden Dollar in China und 78 Milliarden Dollar in anderen asiatischen Schwellenländern gegenüber. Hinzu kommen die Überschüsse der arabischen Ölförderländer.
Alles hängt am Vertrauen in die USA
Länder mit einem Defizit in der Leistungsbilanz finanzieren dieses mit Ersparnissen aus dem Ausland. Länder mit einem Sparüberschuß transferieren Ressourcen ins Ausland. Tatsächlich schlucken die Bürger der USA 70 Prozent der Ersparnisse der restlichen Welt. Jeden Tag zwei Milliarden Dollar.
Wie lange kann das gutgehen? Sehr lange. 30 Jahre sind kein Problem. Australien wirtschaftete von 1974 bis 2003 mit einem Defizit von durchschnittlich 4,1 Prozent des BIP. Ähnliche Zahlen und Zeiträume gelten für Kanada und Großbritannien.
Alles hängt davon ab, ob Investoren glauben, daß das betreffende Land mit den geliehenen Mitteln so wirtschaftet, daß sie mit der erwarteten Rendite zurückgezahlt werden können. Ulrich Kater, Chef-Ökonom der Deka Bank: "Solange das Vertrauen der Weltwirtschaft in das US-Wachstum vorhanden ist, wird dieses Defizit auch finanziert: Die US-Wirtschaft erhält einen Kredit von den Welt-Finanzmärkten."
"Der Turm der asiatischen Währungsreserven ist mittlerweile höher als das Himalaya-Gebirge"
Ökonomen weisen darauf hin, dass ein wichtiger Grund für die grenzenlose Bereitschaft der Asiaten, die USA mit Krediten zu versorgen, deren ureigenste Absatzinteressen sind: Die asiatischen Zentralbanken kauften US-Dollar, um so den Kurs der US-Währung zu stützen und den der eigenen Währung zu drücken. Mit den so künstlich verbilligten Waren überschwemmen sie den amerikanischen Markt. Das Leistungsbilanzdefizit steigt, weitere Dollar-Käufe werden getätigt. Kater: "Der Turm der asiatischen Währungsreserven ist mittlerweile höher als das Himalaya-Gebirge."
Tatsächlich ist die Größenordnung, in der die USA als Schuldner Geld aufsaugen, neu. Neu ist auch die Geschwindigkeit, mit der Schwellenländer wie China zum Großgläubiger geworden sind. China hat ausländische Devisenreserven im Wert von 900 Milliarden Dollar, das meiste in Form von Schuldtiteln der USA, angehäuft. Insgesamt betragen die Devisenreserven der Welt laut Internationalem Währungsfonds 4170 Milliarden Dollar, 66,5 Prozent davon in der Währung der USA.
"Eine Flucht aus dem Dollar könnte schnell und schrecklich sein"
Doch kein Land bekommt unendliche Kredite. In der Regel wird das Ende zu hoher Leistungsbilanzdefizite auf den Währungsmärkten eingeläutet. Nach einer Untersuchung der Royal Bank of Scotland fällt die Währung des betroffenen Landes im Durchschnitt im Jahr des höchsten Defizitstands um 20 Prozent.
Bei Ländern wie Australien ließe ein Währungsabsturz die Weltwirtschaft relativ kalt. Im Fall USA wäre ein schneller Absturz gefährlich für die gesamte Weltwirtschaft: "Eine Flucht aus dem Dollar könnte schnell und schrecklich sein", warnt Stephen Roach. Daß die Lage ernst ist, findet auch der Direktor des Internationalen Währungsfonds, denn der hat die Frage der Global Imbalances in der vergangenen Woche zur eigentlichen Bedrohung für die Weltkonjunktur und die Kapitalmärkte erklärt. Dies gelte um so mehr, als steigende Ölpreise und Inflationsgefahrendie Weltkonjunktur derzeit einem Stresstest unterziehen.
IWF will den Big Bang vermeiden
Rodrigo de Rato fürchtet, daß Defizite und Überschüsse gerade vor diesem Hintergrund mit einem Knall abgebaut werden könnten: Das hieße Absturz des Dollar, Rezession, Protektionismus, Einbruch an den Börsen und alles was man sich sonst noch an üblen Dingen vorstellen kann.
Um den Big Bang zu vermeiden, hat de Rato für den Herbst zu einem Supergipfel geladen. Er will die Vertreter der entscheidenden fünf großen Akteure an einen Tisch bringen. Die USA, Japan, die Euro-Zone, China und Saudi-Arabien sollen gemeinsam Mittel und Wege finden, die Ungleichgewichte zu managen, abrupte Reaktionen zu verhindern und das starke Wachstum der Weltwirtschaft beizubehalten, ohne die Defizite und Überschüsse weiter ausufern zu lassen.
"Die Märkte realisieren die Wichtigkeit der Abwärtsrisiken"
Die aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten scheinen de Rato recht zu geben: "Was wir in den vergangenen Wochen an den Finanzmärkten gesehen haben, zeigt, daß die Märkte langsam realisieren, welche Wichtigkeit diese Abwärtsrisiken tatsächlich haben", sagte de Rato.
Zins-, Inflations- und Rezessionsängste werden tatsächlich an den Märkten immer häufiger gehandelt. Der steile Abschwung seit Mitte Mai spricht schon für eine hektische Auflösung von Positionen. Die meisten Märkte sind unter ihre langfristigen Durchschnittslinien gefallen.
Eine schwächere US-Wirtschaft scheint das zu sein, was der IWF für die USA im Auge hat, um abrupte Abstürze an den Weltmärkten zu vermeiden, um andererseits aber Chinesen und Amerikaner dazu zu bringen, ihr Verhalten zu ändern. Im April stieg das Leistungsbilanzdefizit der USA im Handelsverkehr mit China auf 17 Milliarden Dollar. 1,4 Milliarden mehr als im März.
Asien kauft US-Titel
Die asiatischen Zentralbanken und sonstigen öffentlichen Institute kaufen den Löwenanteil der langfristigen US-Staatsanleihen. Sie sind damit die entscheidenden Finanziers des hohen US-Haushaltsdefizits. Diese gegenseitige Fixierung ist volkswirtschaftlich jedoch kein Pakt für die Ewigkeit. Eine Auflösung hätte erheblichen Anpassungsdruck zur Folge, insbesondere in den USA.
Asiaten sparen für Job und Rente
Die hohen Sparraten von über 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den asiatischen Ländern ermöglichen erst die Finanzierung des US-Leistungsbilanzdefizits. Die Asiaten sichern so den Absatz ihrer Waren in den USA. Daß die Sparquote in China weiter zunimmt, erklären Ökonomen mit der fast völligen Abwesenheit staatlicher Umlagesysteme zu Lasten späterer Generationen in der Altersvorsorge.
USA schlucken Überschüsse
Im gleichen Maße, wie sich die Leistungsbilanzüberschüsse im asiatischen Raum und in den arabischen Golfstaaten erhöht haben, ist umgekehrt das Defizit der USA massiv angestiegen. Die Vereinigten Staaten schlucken derzeit 70 Prozent aller Leistungsbilanzüberschüsse der Welt. Den jüngsten Zuwachs haben die USA vorwiegend mit den Überschüssen aus China und den arabischen Staaten finanziert.
Dunkle Materie?
Die US-Ökonomen Ricardo Hausmann und Federico Sturzenegger sagen, die offizielle Rechnung stimme nicht. Es gebe nicht erfaßbare US-Vermögenswerte im Ausland, die sogenannte Dunkle Materie, und die sei Billionen wert. Die USA liefere Liquidität, Know-how und Sicherheit und erziele damit hohe Renditen. Das erkläre, warum die USA 2004 einen Positivsaldo von 35 Milliarden Dollar bei den Vermögenseinkommen im Verkehr mit dem Ausland hatten.
Quelle: fundresearch.de