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Don’t be evil

Geschrieben

Mit „es war einmal“ beginnt fast jedes Märchen. Märchen sind zumeist nicht real, manchmal aber werden sie wahr. So auch der märchenhafte Aufstieg von Google. Binnen acht Jahren entstand der größte Suchmaschinenbetreiber der Welt.

 

1998 gründeten Larry Page und Sergey Brin Google unter der Devise „don´t be evil“ (sei nicht böse) und schienen die IT-Branche wie ein edler Rittersmann zu betreten, um sie von allen bösen Ausuferungen zu befreien. Was so edelmütig klingt, könnte als ein Schlachtruf gegen den Softwaregiganten Microsoft gewertet werden, dessen monopolartige Vormachtstellung zu diesem Zeitpunkt als so sicher galt wie Fort Knox.

 

Das ist jedoch Geschichte. Denn mittlerweile sieht die Rollenverteilung ganz anders aus. Microsoft ist zwar mit einem Umsatz von gut 40 Milliarden Dollar pro Jahr noch immer rund fünfmal so groß wie Google, jedoch lehrt der Suchmaschinen-Betreiber der Konkurrenz das Fürchten. Im Reich der Suchmaschinen hat sich Google bereits ein Imperium aufgebaut und ist der unangefochtene Herrscher. Dies belegen auch die Zahlen. In den USA hat Google einen Marktanteil bei Suchanfragen von 44,1 Prozent, Tendenz steigend. Renommierte Firmen wie MSN oder Yahoo hingegen verlieren an Boden. Yahoo musste sich schon mit Platz zwei begnügen.

 

Sein Anteil sank von 30,1 auf 27,9 Prozent. Abgeschlagen auf Platz drei folgt der Microsoft-Ableger MSN, dessen Marktanteil von 15,2 Prozent auf 12,9 Prozent fiel. In Deutschland beispielsweise steht Google gar noch glänzender dar. Mit 84,7 Prozent der Suchanfragen spielt der Konzern hierzulande in einer eigenen Liga. Die 4,3 Prozent Marktanteil von Yahoo, beziehungsweise 4,1 Prozent von MSN erscheinen da kaum der Erwähnung wert.

 

Blamage für die Konkurrenz

 

Der Stachel muss bei Unternehmen wie Microsoft recht tief sitzen, denn nahezu teilnahmslos muss man dort zusehen, wie Google seine Macht ausbaut. Eine kuriose Meldung des Studenten Andrew Hitchcock dürfte die Sorgen noch vergrößert haben. Angesichts einer Analyse des Internetverkehrs seiner Homepage wurde erkenntlich, dass 80 Prozent der Microsoft Mitarbeiter durch eine Google-Anfrage auf der Homepage von Hitchcock landeten. Google Mitarbeiter fanden hingegen zu 100 Prozent über die eigene Seite dorthin. Zwar sind die Daten durch wenige hundert Besuche empirisch kaum haltbar, ein peinlicher Zwischenfall dürfte es dennoch für die Google-Konkurrenz gewesen sein.

 

Mehr als nur eine Suchmaschine

 

Aufgrund weiterer Aktivitäten über die Suchmaschinenbetreibung hinaus ist derzeit kaum vorstellbar wo und wann der Triumphmarsch von Google zu Ende geht. Der Anspruch lautet heute wohl: Weltherrschaft. Auf nahezu allen Gebieten übt man Druck auf die Konkurrenz aus, hinzu kommen innovative Entwicklungen, die zu absoluten Highlights bei den Usern avancieren.

 

So auch Google Earth. Nach dem Kauf der 3D Firma Sketch Up im Jahr 2006 startete Google seinen Satelliteninformationsdienst, mit dem nahezu jeder Winkel der Erde betrachtet werden kann. Was zur Popularität der Google-Produkte beiträgt, ist die funktionale Kombination der Services. Über die Subdomain calendar.google.com kann man so mit zwei Clicks auf den WM-Kalender gelangen.

 

Clickt man hier nun wieder auf einen Spielort, berechnet Google automatisch die Route, Google Earth zeigt dann noch satellitengenau den Standort des Stadions in detailgetreuer 3D-Aufnahme. Technik die fasziniert. Es gibt noch mehr zu erleben. Ende Juni will das Unternehmen einen Internetbezahlservice anbieten, der in Konkurrenz mit Ebays Paypal treten soll.

 

Der Service soll Gerüchten nach Gbuy heißen und könnte Googles Kleinanzeigenmarkt Base mit einem bequemen Abrechnungsverfahren erweitern. Mit Google stehen alle Möglichkeiten offen. Googlen ist nicht nur im Sprachgebrauch etabliert, sondern schon nahezu Volkssport. Wer seinen Namen bei Google findet ist wer, meint auch Nic Ulmi in der Schweizer Zeitung „La Tribune de Genève“.

 

Ulmis Meinung nach ist Google „ein erstaunliches Duplikat der Welt, ein Laboratorium, in dem man seine Möglichkeiten ausprobieren kann.“ Und darin dürfte auch der Reiz von Google liegen. Eine unglaubliche Palette von Möglichkeiten gilt es zu erkunden. Eine personalisierte Google-Startseite macht die Entdeckungsreise in die Welt noch praktikabler.

 

Angriff an allen Fronten

 

Google zeigt sich aber noch angriffslustiger und bietet mittlerweile Konkurrenzprodukte in allen Bereichen. Nach dem Kauf des Online-Textverarbeitungsprogramms „Writely“ und dem Tabellenkalkulator „Spreadsheets“ wird wieder einmal Microsoft mit seinem weit etablierten Office-Programmen attackiert.

 

Auch wenn man bei Google von einer Koexistenz bei Office-Anwendungen spricht, bleibt festzuhalten, das Google mit „Writely“ und „Spreadsheets“ eine kostenlose Alternative zu MS-Office Programmen zu bieten hat. Der Leiter des Suchmaschinenlabors an der Universität Hannover, Wolfgang Sander-Beuermann, gibt aufgrund solcher Fakten in der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' folgendes Fazit ab: „Google ist dabei, sich zu einem Online-Monopol schlechthin zu entwickeln.“

 

Recht könnte er haben. Aus dem einst edlen Ritter wäre also selbst ein profitgieriger Monopolist geworden, der keine Konkurrenz neben sich duldet. Google selbst wiegelt dies selbst mit drei Worten ab: „Don´t be evil.“ Zunehmend schließt sich daher die Konkurrenz nun auch gegen Google zusammen. Getreu dem Motto „gemeinsam sind wir stärker.“

 

So wird Yahoo und Ebay Interesse an einer Zusammenarbeit nachgesagt. Auch Microsoft streckt die Fühler aus, hat sich angeblich aber einen Korb bei Ebay geholt. Auch der Softwaregigant fürchtet zunehmend die Konkurrenz, spätestens seitdem sich Google einen fünf Prozent Anteil an der Time Warner Internetsparte AOL gesichert hat, an dem man auch selbst interessiert war.

 

Das neue Zentrum der Macht

 

Google selbst untermauert seine Herrschaft über das Internet mit einem angemessenen Gemäuer. Wie zu Zeiten feudaler Prunkherrschaft entsteht in The Dalles, nahe des Columbia River, ein zwei Fußballfelder großes Rechenzentrum. Das hier das Zentrum der Macht entsteht ist kaum fraglich.

 

Im ganzen Ort spricht keiner über das Großprojekt. „ Google hat den größten Computer der Welt konstruiert. Es ist ein verstecktes Vermögen“, sagt Danny Hillis von der Google-Konkurrenz Applied Minds. An Vermögen fehlt es bei Google wahrlich nicht. Googles Marktwert beläuft sich auf über 110 Milliarden Dollar und ist damit höher als der von Coca-Cola.

 

Diese Macht wird nun mit dem neuen Zentrum in Dalles der Welt vorgeführt. Rund um das neue Superrechenzentrum herrschen Sicherheitsmaßnahmen wie bei geheimen Regierungsorganisationen. Doch wer ausgezogen ist, um das Böse zu besiegen, muss seine Macht nun mal mit allen Mitteln erhalten und ausbauen. Ein Märchen, das eben doch wahr wurde – und noch lange nicht zu Ende ist. Bleibt zu hoffen, dass es nicht zum Alptraum mutiert.

 

Quelle: europolitan.de

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