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Nasdaq Global Select Market

Geschrieben

Die Nasdaq geht im Konkurrenzkampf der internationalen Aktienmärkte in die Offensive und buhlt ab dem 1. Juli mit neuen Marktsegmenten um Börsenkandidaten. Mit dem neuen Global Select Market etabliert der US-Anbieter ein Premiumsegment, das vor allem finanzstarke Unternehmen anlocken soll.

 

Nasdaq-Vorstandschef Robert Greifeld startet damit einen direkten Angriff auf den Ortsrivalen New York Stock Exchange (NYSE). Die Nasdaq wirbt für ihr neues Angebot mit dem Versprechen, die "weltweit höchsten Listingstandards" zu bieten. Gleichzeitig sollen die Gebühren für die Unternehmen deutlich unter denen der NYSE liegen. Bisher wählen vor allem etablierte Unternehmen bevorzugt die New York Stock Exchange für ihre Börsennotierung.

 

Die neuen Marktsegmente sind nicht der erste Versuch der Nasdaq, an Attraktivität zu gewinnen. Anfang 2004 startete sie das Angebot für NYSE-notierte Unternehmen, ihre Aktien gleichzeitig an beiden Börsen handeln zu lassen. Bisher hat das so genannte Dual-Listing-Programm allerdings nur elf Unternehmen angezogen, obwohl die Nasdaq die Listinggebühren im ersten Jahr erlässt. Nur in zwei Fällen gelang es der Börse, die doppelt notierten Unternehmen zu einem endgültigen Wechsel zu bewegen. Bekannt ist vor allem der Fall des Discountbrokerhauses Charles Schwab.

 

Für den neuen Global Select Market werden sich nach Schätzungen der Börse etwa ein Drittel der momentan an der Nasdaq gelisteten Unternehmen automatisch qualifizieren. "Wir gehen davon aus, dass die Werte im Nasdaq-100-Index dabei sind", sagte eine Sprecherin. Noch muss allerdings die US-Börsenaufsicht SEC die Einführung absegnen. Mittelständische Nasdaq-Unternehmen sollen sich künftig auf dem Global Market wiederfinden. Für kleinere Unternehmen steht der Capital Market zur Verfügung, der bereits 2005 umbenannt wurde.

 

Dreiteilung vor allem eine Marketingstrategie

 

Beobachter sehen in der neuen Dreiteilung vor allem eine Marketingstrategie. "Das ist der Versuch, das Image abzuschütteln, weiterhin der billige Jakob zu sein", sagte Harrell Smith, Analyst bei der Beraterfirma Celent. Mit dem Premiumsegment kämpft die Nasdaq dagegen an, im weltweiten Wettbewerb um Börsenkandidaten als weniger anspruchsvolle Alternative zur Traditionsinstitution NYSE wahrgenommen zu werden.

 

Das waren zwar einst die Argumente, warum gerade frisch etablierte Technologieunternehmen wie Cisco, Amazon oder Ebay in den 90er Jahren die Nasdaq der NYSE vorzogen. Doch als Börse für Wachstumswerte hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend der Londoner Alternative Investment Market (AIM) etabliert, der zur London Stock Exchange gehört. "AIM hat sich zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz entwickelt", sagte Jay Ritter, Finanzprofessor und Spezialist für Börsengänge an der University of Florida.

 

Während AIM im vergangenen Jahr 335 neue Notierungen registrierte, waren es bei der Nasdaq 126. Neben niedrigeren Gebühren halfen den Briten vor allem geringere bürokratische Hindernisse und einfachere Listingstandards.

 

Nasdaq könnte sich bald selbst Konkurrenz machen

 

Die Regeln zu vereinfachen, liegt allerdings nicht allein in der Hand der Nasdaq. Die US-Börsen leiden unter den verschärften Bilanzierungsregeln des Sarbanes-Oxley-Acts, den der US-Kongress nach dem Enron-Skandal erlassen hatte. "Inzwischen überlegen vor allem US-Unternehmen, aus dem Technologiebereich an den AIM-Markt zu gehen, um dort US-Investoren anzuziehen", berichtete David Gammell von der Anwaltskanzlei Brown Rudnick, die sich auf die Beratung von Technologiefirmen spezialisiert hat.

 

Aber auch russische Unternehmen finden den britischen Standort offenbar attraktiv: Drei der zehn größten ausländischen Neunotierungen seit Anfang 2005 in London stammen aus Russland. Auch deutsche Unternehmen bevorzugen London gegenüber den Vereinigten Staaten, darunter beispielsweise der Immobilieninvestor Puma Brandenberg, der im März am AIM startete.

 

Mit dem neuen Modell könnte sich die Nasdaq aber auch bald selbst Konkurrenz machen. Denn im Wettrennen um die europäischen Börsen haben sich die Amerikaner zu einem hohen Preis bei der LSE eingekauft - nicht zuletzt, um damit einem möglichen Einstieg der NYSE zuvorzukommen. Die Nasdaq hält jetzt 25,1 Prozent.

 

 

Drei Klassen

 

Global Select steht für die Top-Liga der börsennotierten Firmen.

 

Global Market wirbt um Mid Caps und greift direkt das Londoner Einstiegssegment AIM an.

 

Capital Market richtet sich an die Small Caps unter den Börsenaspiranten.

 

Quelle: FTD.de

 

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