Geschrieben 16. Oktober 200817 Jr. comment_42044 Axel Troost 17.10.08 Erpresserischer Gesellschaftsraub Die Menschen sind zu Recht hin und hergerissen. Einerseits haben sie Angst, dass einebreite Bankenkrise ihr Erspartes und auf dem Umweg über die Realwirtschaft auch ihreArbeitsplätze bedroht. Von daher erwarten sie ein entschlossenes Handeln der Politik gegendie Bankenkrise.Andererseits sind sie aber zutiefst erbost über die Dreistigkeit und scheinbare Selbstverständlichkeit,mit der die Banken der Politik bzw. den SteuerzahlerInnen den schwarzenPeter zuschieben. So im Sinne von: "Wir haben es zwar im Wesentlichen ausgefressen,aber wenn ihr nicht die Zeche zahlt, geht ihr mit uns unter." Ihres Erpressungspotentials sind sich die Banker nur allzu bewusst. Das Finanzsystem istdas vielleicht zentralste Element einer modernen Wirtschaft. Von daher ist es richtig, dassein zusammenbrechendes Finanzsystem zu einer Bombe für die ganze Ökonomie wird.Aber: Banker sind keine Selbstmord-Attentäter, sie wollen die Krise überleben. Von daher hat die Bundesregierung völlig unnötigerweise mit ihrem Rettungspaket vor denBanken kapituliert. Das mindeste eines Finanzmarktstabilisierungsgesetzes wäre einePräambel, in dem der Gesetzgeber Rache schwört: „Wir leisten euch jetzt Erste Hilfe, weilEuer Überleben auch unser Überleben ist, aber nach Entlassung aus dem Krankenhausholen wir holen uns jeden Cent davon zurück, sobald Ihr wieder Geld verdient.“ Dieser Meinung sind im Übrigen nicht nur die Mehrheit der Mensch in diesem Land, sondernauch bemerkenswert viele der Parlamentarier. Wie in einer gemeinsamen Beratungvon Haushalts- und Finanzausschuss deutlich wurde, stellen auch Koalitionsabgeordneteihrer Regierung die bohrende Frage, warum sich der Rettungsfonds eventuelle Verlustenicht in ein paar Jahren bei den Banken in Form einer Sonderabgabe zurückholen soll.Zumindest eine Absichtserklärung in diesem Sinne solle das Gesetz enthalten. Auch BundesbankpräsidentAxel Weber hielt das durchaus für einen gangbaren Ansatz. Der lapidareKommentar des Finanzministeriums: „Wir haben das kurz besprochen, dann abergrundsätzlich verworfen.“ Der Finanzausschuss hat in seiner Beschlussempfehlung am Mittwochabend explizit aufVeränderungen in diesem Sinne gedrungen und die „Aufforderung an die Bundesregierung(gerichtet), einen Weg zu suchen, um mögliche Verluste aus Rettungsmaßnahmenauf die gesamte Finanzbranche oder auf die Institute zu verteilen, die Leistungen desFonds in Anspruch genommen haben.“ Am Schluss knickten die Abgeordneten der großen Koalition dann doch wieder vor demDruck des Bundesfinanzministers ein und ließen sämtliche weitergehenden Forderungenunter den Tisch fallen. Damit sind wir so weit wie vorher: Die Bundesregierung bekommtden gewünschten Blankoscheck über 500 Mrd. Euro und die Privatbankiers lachen sichins Fäustchen. Auf die angeblich so schmerzlichen Bedingungen, die die Bundesregierungden in Not geratenen Banken angedroht hatte, hat das Parlament jedenfalls keinerlei Einflussmehr und man darf gespannt sein, ob sie überhaupt jemandem wehtun werden.Alles in Allem stehen wir am Ende einer Woche, in der die Demokratie in diesem Landerneut an Boden verloren hat: Die Banken haben sich einmal mehr durchgesetzt, die öffentlichenKassen wurden einmal mehr geplündert. Vielleicht muss man aber das Bild der Erpressung noch etwas verfeinern: das Gemeinwesenwurde von den Banken als Geisel genommen und erfolgreich erpresst. Aber die Bundesregierung,allen voran der Bundesfinanzminister, war keineswegs wehrlose Geisel,sondern willfähriger Komplize. Melden
Axel Troost 17.10.08
Erpresserischer Gesellschaftsraub
Die Menschen sind zu Recht hin und hergerissen. Einerseits haben sie Angst, dass eine
breite Bankenkrise ihr Erspartes und auf dem Umweg über die Realwirtschaft auch ihre
Arbeitsplätze bedroht. Von daher erwarten sie ein entschlossenes Handeln der Politik gegen
die Bankenkrise.
Andererseits sind sie aber zutiefst erbost über die Dreistigkeit und scheinbare Selbstverständlichkeit,
mit der die Banken der Politik bzw. den SteuerzahlerInnen den schwarzen
Peter zuschieben. So im Sinne von: "Wir haben es zwar im Wesentlichen ausgefressen,
aber wenn ihr nicht die Zeche zahlt, geht ihr mit uns unter."
Ihres Erpressungspotentials sind sich die Banker nur allzu bewusst. Das Finanzsystem ist
das vielleicht zentralste Element einer modernen Wirtschaft. Von daher ist es richtig, dass
ein zusammenbrechendes Finanzsystem zu einer Bombe für die ganze Ökonomie wird.
Aber: Banker sind keine Selbstmord-Attentäter, sie wollen die Krise überleben.
Von daher hat die Bundesregierung völlig unnötigerweise mit ihrem Rettungspaket vor den
Banken kapituliert. Das mindeste eines Finanzmarktstabilisierungsgesetzes wäre eine
Präambel, in dem der Gesetzgeber Rache schwört: „Wir leisten euch jetzt Erste Hilfe, weil
Euer Überleben auch unser Überleben ist, aber nach Entlassung aus dem Krankenhaus
holen wir holen uns jeden Cent davon zurück, sobald Ihr wieder Geld verdient.“
Dieser Meinung sind im Übrigen nicht nur die Mehrheit der Mensch in diesem Land, sondern
auch bemerkenswert viele der Parlamentarier. Wie in einer gemeinsamen Beratung
von Haushalts- und Finanzausschuss deutlich wurde, stellen auch Koalitionsabgeordnete
ihrer Regierung die bohrende Frage, warum sich der Rettungsfonds eventuelle Verluste
nicht in ein paar Jahren bei den Banken in Form einer Sonderabgabe zurückholen soll.
Zumindest eine Absichtserklärung in diesem Sinne solle das Gesetz enthalten. Auch Bundesbankpräsident
Axel Weber hielt das durchaus für einen gangbaren Ansatz. Der lapidare
Kommentar des Finanzministeriums: „Wir haben das kurz besprochen, dann aber
grundsätzlich verworfen.“
Der Finanzausschuss hat in seiner Beschlussempfehlung am Mittwochabend explizit auf
Veränderungen in diesem Sinne gedrungen und die „Aufforderung an die Bundesregierung
(gerichtet), einen Weg zu suchen, um mögliche Verluste aus Rettungsmaßnahmen
auf die gesamte Finanzbranche oder auf die Institute zu verteilen, die Leistungen des
Fonds in Anspruch genommen haben.“
Am Schluss knickten die Abgeordneten der großen Koalition dann doch wieder vor dem
Druck des Bundesfinanzministers ein und ließen sämtliche weitergehenden Forderungen
unter den Tisch fallen. Damit sind wir so weit wie vorher: Die Bundesregierung bekommt
den gewünschten Blankoscheck über 500 Mrd. Euro und die Privatbankiers lachen sich
ins Fäustchen. Auf die angeblich so schmerzlichen Bedingungen, die die Bundesregierung
den in Not geratenen Banken angedroht hatte, hat das Parlament jedenfalls keinerlei Einfluss
mehr und man darf gespannt sein, ob sie überhaupt jemandem wehtun werden.
Alles in Allem stehen wir am Ende einer Woche, in der die Demokratie in diesem Land
erneut an Boden verloren hat: Die Banken haben sich einmal mehr durchgesetzt, die öffentlichen
Kassen wurden einmal mehr geplündert.
Vielleicht muss man aber das Bild der Erpressung noch etwas verfeinern: das Gemeinwesen
wurde von den Banken als Geisel genommen und erfolgreich erpresst. Aber die Bundesregierung,
allen voran der Bundesfinanzminister, war keineswegs wehrlose Geisel,
sondern willfähriger Komplize.