Heute Abend werden wir wissen, ob die internationalen Indizes noch eine Ebene tiefer rutschen, oder ob das gerade tatsächlich ein Boden ist. Alles starrt gebannt in Richtung USA.
Gehen wir einmal die möglichen Szenarien durch.
Am wahrscheinlichsten, und damit auf Platz 1
1. Szenario:
Es kommt zu einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte, die Fed verändert das Statement nicht, oder nur marginal.
Ich schätze, dass es kurz zu einem Enttäuschungsverkauf kommen wird, mit anschließender Erholung. Insbesondere dann, wenn das Statement weiterhin auf die Inflationsgefahren und damit auf weitere notwendige Zinsschritte eindringlich hinweist.
2. Szenario: Anhebung um 25 Basispunkte – eine kleine oder bedeutendere Veränderung im Statement lässt erkennen, dass bald Schluss ist mit weiteren Zinserhöhungen, bzw. ein kleine Pause eingelegt wird.
Folge: Die Märkte steigen, je nachdem wie deutlich desto stärker.
3. Szenario: Es kommt zu einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte. Nun kommt es darauf an, was die Fed dazu sagen wird.
Sollte das Statement nahezu unverändert bleiben, dürfte es zu einer crashartigen Bewegung an den Märkten kommen.
Sollte die Fed jedoch andeuten, dass mit diesem „Gewaltschritt“ nun erst einmal Schluss wäre, käme es wahrscheinlich zu einem starken Einbruch mit folgender Rallye.
4. Szenario: Die Fed lässt die Zinsen unverändert. Auch dann käme es auf das Statement an:
Deutet die Fed an, dass nun erst einmal eine Pause ansteht, sollte es zu einer starken Aufwärtsbewegung kommen.
Sagt die Fed hingegen, dass nun erst einmal ein Zinsschritt ausgesetzt wird, aber bei der nächsten Sitzung durchaus mit einer erneuten Anhebung zu rechnen sei, dann wird der Markt wahrscheinlich stark ansteigen, anschließend wieder einbrechen, um dann langsam weiter zu steigen.
Wie gesagt, ich denke, selbst wenn die Fed vorhat, bei der nächsten Zinssitzung die Zinserhöhungen auszusetzen, dass sie das nicht schon jetzt kommuniziert. Ich glaube zudem nicht, dass es zu einem Schritt um 50 Basispunkte kommen wird, das macht keinen Sinn. Ergo bleibt eigentlich nur ein Schritt um 25 Basispunkte, mit kaum verändertem Statement, das dann auf Sicht von mehreren Tagen zu einem kurstechnischen Non-Event wird.
Wie immer kann es an den Börsen immer auch erstens anders und zweitens als man denkt kommen.
Medien hatten Unrecht
Na, gestern stiegen die Amis und heute die europäischen Indizes, sogar deutlich. So was auch, wo doch die Kursverluste vom Dienstag mit der Zinserhöhung zu tun haben sollten... wie ist dann dieser Anstieg nur möglich??? (Sorry, aber hin und wieder darf ein wenig Zynismus angesagt sein.)
Der Anstieg in den USA gestern dürften den Shorties zu verdanken gewesen sein, aber sicherlich spielte auch das Quartalsende eine Rolle. Ein letzter Punkt war, dass einige darauf gesetzt haben, dass es heute zu einem „überraschend guten“ US-BIP/Chain Deflator kommt, dazu später. Nach den großen Verlusten haben auch deswegen bereits gestern einige Investoren, die auf weitere Zinserhöhungen gesetzt hatten, ihre Short-Positionen glattgestellt.
Shorten einmal einfach
Shorten, um das noch einmal auszuführen, funktioniert theoretisch wie folgt: Sie leihen sich eine Aktie von einer großen Bank/Versicherung etc, die auf diese Weise von den Aktien, die sie soweiso besitzen, noch etwas mehr profitieren können, denn sie fordern eine Leihgebühr. Nun verkaufen Sie diese geliehene Aktie zu 100 € im Markt. Sie haben dann 100 € auf Ihrem Konto (theoretisch). Fällt der Kurs der geliehenen Aktie auf 90 Euro, dann können Sie diese zu 90 € zurückkaufen, da Sie jedoch 100 € auf dem Konto haben, sind da wundersamerweise noch 10 € übrig. Sie haben also 10 € verdient. Zumindest, wenn Sie die Aktie nun dem Verleiher zurückgeben und nichts anderes Unsinniges damit machen. Ein Shortie verdient also Geld, wenn Kurse fallen.
Steigt der Kurs der Aktie hingegen um 10 €, wird es bitter, denn dann müssten Sie die Aktie zu 110 € zurückkaufen. Da Sie nur 100 € auf dem Konto haben, müssen Sie von Ihrem sauer verdientem Geld noch 10 € draufzahlen, schließlich müssen Sie ja die geliehene Aktie dem Verleiher zurückgeben.
Hierbei gestaltet sich ein kleines, unbedeutendes Problem: Kurse können zwar nur um 100 % einbrechen, aber unbegrenzt steigen! Das ist der Grund warum shorten „gefährlich“ ist. Theoretisch kann man mehr Geld verlieren, als man hat. Da heute allerdings grundsätzlich eine Margin (Sicherheit) hinterlegt werden muss, wenn man Aktien shorten will, und die Position zwangsliquidiert werden, wenn das Margin aufgebraucht ist, ist das nur auf dem Papier so gefährlich.
Man stelle sich sonst vor, ein überzeugt pessimistischer und technologiefeindlicher Zeitgenosse hätte am Anfang von Microsoft 1000 Microsoft-Aktien geshortet und hätte anschließend diese in stillem, aber weltvergessenem Trotz bis heute gehalten. Er wäre so unendlich arm darüber geworden....
P.S. Holla, 2,5 % im Dax VOR einer Zinsentscheidung, das habe ich auch schon lange nicht mehr erlebt - sehr lange nicht mehr - mit was rechnet der Markt? Ist etwas durchgesickert? Short-Squeeze? Seltsam, seltsam...
Jetzt gilt’s
von Jochen Steffens
Heute Abend werden wir wissen, ob die internationalen Indizes noch eine Ebene tiefer rutschen, oder ob das gerade tatsächlich ein Boden ist. Alles starrt gebannt in Richtung USA.
Gehen wir einmal die möglichen Szenarien durch.
Am wahrscheinlichsten, und damit auf Platz 1
1. Szenario:
Es kommt zu einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte, die Fed verändert das Statement nicht, oder nur marginal.
Ich schätze, dass es kurz zu einem Enttäuschungsverkauf kommen wird, mit anschließender Erholung. Insbesondere dann, wenn das Statement weiterhin auf die Inflationsgefahren und damit auf weitere notwendige Zinsschritte eindringlich hinweist.
2. Szenario: Anhebung um 25 Basispunkte – eine kleine oder bedeutendere Veränderung im Statement lässt erkennen, dass bald Schluss ist mit weiteren Zinserhöhungen, bzw. ein kleine Pause eingelegt wird.
Folge: Die Märkte steigen, je nachdem wie deutlich desto stärker.
3. Szenario: Es kommt zu einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte. Nun kommt es darauf an, was die Fed dazu sagen wird.
Sollte das Statement nahezu unverändert bleiben, dürfte es zu einer crashartigen Bewegung an den Märkten kommen.
Sollte die Fed jedoch andeuten, dass mit diesem „Gewaltschritt“ nun erst einmal Schluss wäre, käme es wahrscheinlich zu einem starken Einbruch mit folgender Rallye.
4. Szenario: Die Fed lässt die Zinsen unverändert. Auch dann käme es auf das Statement an:
Deutet die Fed an, dass nun erst einmal eine Pause ansteht, sollte es zu einer starken Aufwärtsbewegung kommen.
Sagt die Fed hingegen, dass nun erst einmal ein Zinsschritt ausgesetzt wird, aber bei der nächsten Sitzung durchaus mit einer erneuten Anhebung zu rechnen sei, dann wird der Markt wahrscheinlich stark ansteigen, anschließend wieder einbrechen, um dann langsam weiter zu steigen.
Wie gesagt, ich denke, selbst wenn die Fed vorhat, bei der nächsten Zinssitzung die Zinserhöhungen auszusetzen, dass sie das nicht schon jetzt kommuniziert. Ich glaube zudem nicht, dass es zu einem Schritt um 50 Basispunkte kommen wird, das macht keinen Sinn. Ergo bleibt eigentlich nur ein Schritt um 25 Basispunkte, mit kaum verändertem Statement, das dann auf Sicht von mehreren Tagen zu einem kurstechnischen Non-Event wird.
Wie immer kann es an den Börsen immer auch erstens anders und zweitens als man denkt kommen.
Medien hatten Unrecht
Na, gestern stiegen die Amis und heute die europäischen Indizes, sogar deutlich. So was auch, wo doch die Kursverluste vom Dienstag mit der Zinserhöhung zu tun haben sollten... wie ist dann dieser Anstieg nur möglich??? (Sorry, aber hin und wieder darf ein wenig Zynismus angesagt sein.)
Der Anstieg in den USA gestern dürften den Shorties zu verdanken gewesen sein, aber sicherlich spielte auch das Quartalsende eine Rolle. Ein letzter Punkt war, dass einige darauf gesetzt haben, dass es heute zu einem „überraschend guten“ US-BIP/Chain Deflator kommt, dazu später. Nach den großen Verlusten haben auch deswegen bereits gestern einige Investoren, die auf weitere Zinserhöhungen gesetzt hatten, ihre Short-Positionen glattgestellt.
Shorten einmal einfach
Shorten, um das noch einmal auszuführen, funktioniert theoretisch wie folgt: Sie leihen sich eine Aktie von einer großen Bank/Versicherung etc, die auf diese Weise von den Aktien, die sie soweiso besitzen, noch etwas mehr profitieren können, denn sie fordern eine Leihgebühr. Nun verkaufen Sie diese geliehene Aktie zu 100 € im Markt. Sie haben dann 100 € auf Ihrem Konto (theoretisch). Fällt der Kurs der geliehenen Aktie auf 90 Euro, dann können Sie diese zu 90 € zurückkaufen, da Sie jedoch 100 € auf dem Konto haben, sind da wundersamerweise noch 10 € übrig. Sie haben also 10 € verdient. Zumindest, wenn Sie die Aktie nun dem Verleiher zurückgeben und nichts anderes Unsinniges damit machen. Ein Shortie verdient also Geld, wenn Kurse fallen.
Steigt der Kurs der Aktie hingegen um 10 €, wird es bitter, denn dann müssten Sie die Aktie zu 110 € zurückkaufen. Da Sie nur 100 € auf dem Konto haben, müssen Sie von Ihrem sauer verdientem Geld noch 10 € draufzahlen, schließlich müssen Sie ja die geliehene Aktie dem Verleiher zurückgeben.
Hierbei gestaltet sich ein kleines, unbedeutendes Problem: Kurse können zwar nur um 100 % einbrechen, aber unbegrenzt steigen! Das ist der Grund warum shorten „gefährlich“ ist. Theoretisch kann man mehr Geld verlieren, als man hat. Da heute allerdings grundsätzlich eine Margin (Sicherheit) hinterlegt werden muss, wenn man Aktien shorten will, und die Position zwangsliquidiert werden, wenn das Margin aufgebraucht ist, ist das nur auf dem Papier so gefährlich.
Man stelle sich sonst vor, ein überzeugt pessimistischer und technologiefeindlicher Zeitgenosse hätte am Anfang von Microsoft 1000 Microsoft-Aktien geshortet und hätte anschließend diese in stillem, aber weltvergessenem Trotz bis heute gehalten. Er wäre so unendlich arm darüber geworden....
P.S. Holla, 2,5 % im Dax VOR einer Zinsentscheidung, das habe ich auch schon lange nicht mehr erlebt - sehr lange nicht mehr - mit was rechnet der Markt? Ist etwas durchgesickert? Short-Squeeze? Seltsam, seltsam...
Quelle Finanznachrichten.de