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Heftige Rückschläge für Hedge-Fonds

Geschrieben

Lange Gesichter bei Anlegern: Ausgerechnet Hedge-Fonds, die Sicherheit gegen Marktturbulenzen bieten sollen, haben erheblich unter den Turbulenzen der letzten Wochen gelitten.

 

„Die ersten viereinhalb Monate des Jahres liefen sehr gut, aber seit Mitte Mai ist es schrecklich“, sagte ein Vermögensverwalter. Nicht wenige Hedge-Fonds haben dem Vernehmen nach Verluste von mehr als zehn Prozent hinnehmen müssen; bei etlichen Hedge-Fonds habe die Marktentwicklung der letzten Wochen alle Gewinne der ersten vier Monate ausradiert.

 

Gebeutelt wurden vor allem Fonds, deren Anlageschwerpunkt in Fernost und auf Schwellenländern liegt.

 

Der Index von Credit Suisse und Tremont, der die Wertentwicklung in der Branche insgesamt widerspiegeln soll, hat im Mai 1,3 Prozent verloren, obwohl die ersten beiden Wochen des Monats noch positiv waren.

 

Aktuellere Branchen-Zahlen gibt es noch nicht, und viele Hedge-Fonds zeigen Außenstehenden ihren Anlage-Erfolg überhaupt nicht oder nur monatlich. Doch diverse Einzelwerte lassen darauf schließen, dass zahlreiche Hedge-Fonds im Juni neuerlich Einbußen hinnehmen mussten.

 

Der Fonds „Penta Japan“ etwa verbuchte in den vier Wochen bis zum 21. Juni ein Minus von gut 16 Prozent. Bei der Fondsgesellschaft RMF, die wöchentliche Schätzungen veröffentlicht, sind die jüngsten Zahlen über die ganze Tabelle hinweg rot.

 

Ihr RMF Global Hedge Funds etwa weist für die ersten drei Wochen des Juni ein Minus von 1,3 Prozent aus. Dabei ist RMF keineswegs ein Negativ-Beispiel. Sie gehört zur Londoner Man Group, dem größten börsennotierten Hedge-Fonds-Manager der Welt, und es geht bei ihr nur transparenter zu als bei vielen anderen Hedge-Fonds.

 

Hedge-Fonds haben auf Grund ihrer teilweise spektakulären Anlage-Erfolge in den vergangenen Jahren Unmengen an Geld angezogen. Die Branche besteht mittlerweile aus schätzungsweise 8500 Fonds, die zusammen 1,3 Milliarden Dollar verwalten.

 

Das Geld stammt in vielen Fällen von wenigen Großanlegern, und deshalb haben solche Fonds keine Publizitätspflichten und jede Freiheit bei ihren Anlageentscheidungen.

 

Sie können beispielsweise auch Aktien, Anleihen oder Devisen auf Termin verkaufen und damit – in der Theorie – auch bei fallenden Kursen gute Gewinne machen.

 

Hoffnung nicht erfüllt

 

In der Praxis hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Zwar weisen diverse Fonds auch für das laufende Jahr noch zweistellige Renditen auf. Doch im Durchschnitt lagen offenbar die Profis mit ihren Prognosen ähnlich daneben wie Privatanleger.

 

„Bei einer abrupten Trendumkehr an den Börsen leiden die Hedge-Fonds immer stark“, sagte ein Vermögensverwalter. „Diese Fonds brauchen Schwankungen und einen Trend“, argumentiert auch Thomas Della Casa von RMF.

 

An den Schwankungen mangelt es mittlerweile nicht mehr, aber der Trend hat sich bei Aktien und Anleihen eben geändert. „Viele haben schon Wochen vorher von der Korrektur gesprochen, aber als sie dann kam, hat das eben doch niemand erwartet“, erzählt Della Casa. Aber immerhin hätten sich die Hedge-Fonds meist besser entwickelt als die Börsen-Indizes.

 

Die Stabilität der Branche sieht Della Casa nicht gefährdet. „Ein Fall wie LTCM (ein Hedge-Fonds, der Ende der neunziger Jahre in eine Milliarden-Schieflage schlitterte) kann natürlich immer wieder einmal vorkommen.“ Aber insgesamt hätten die Hedge-Fonds schon seit Frühjahr ihre Risiken reduziert.

 

Dass die Anleger ihre Gelder abzögen, sei nicht zu beobachten, auch habe sich das Risikomanagement verbessert. Mittlerweile sehe die Branche auch wieder Trends, speziell eine weitere Aufwärtsbewegung bei den weltweiten Zinsen. Dies und die stärkeren Börsenschwankungen, so hofft Della Casa, würden am Ende 2006 noch zu einem guten Jahr für die Hedge-Fonds machen.

 

Müller fordert Regulierung

 

Notenbankern und Finanzaufsichtsbehörden fürchten dagegen, Probleme bei Hedge-Fonds könnten das gesamte Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen, wenn viele Spekulanten gleichzeitig ihr Geld aus illiquiden Märkten abziehen.

 

Beispielsweise hatten Hedge-Fonds in den vergangenen Jahren viel in Schwellenländer, Rohstoffe und Hochzinsanleihen investiert, um höhere Renditen zu erreichen. Angesichts steigender Zinsen in den Industriestaaten steigen sie jetzt aus diesen riskanteren Märkten wieder aus.

 

Für Banken besteht noch auf anderem Wege Ansteckungsgefahr. Sie versorgen Hedge-Fonds mit Krediten und geben im großen Stil Derivate aus, etwa Optionen und Futures, mit denen Hedge-Fonds auf künftige Kursentwicklungen spekulieren. Verlieren die Spekulanten ihre Wette und können sie nicht einlösen, drohen den Banken Zahlungsausfälle.

 

Zwar sichern sie sich gegen solche Risiken teils ab. Doch weil niemand überblickt, welche Hedge-Fonds in welchen Märkten welche Risiken eingehen, sind Wechselwirkungen und das Gesamtrisiko schwer einzuschätzen.

 

„Es lässt sich mangels Information eben nicht abschätzen, wie hoch Korrelations- und Systemrisiken inzwischen sind“, sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller am Mittwochabend in Frankfurt. Müller fordert daher eine bessere Aufsicht über die Branche.

 

„Langfristig kommen wir um eine direkte Regulierung und Kontrolle der Hedge-Fonds nicht herum.“ Der Commerzbankchef plädierte für ein abgestimmtes Vorgehen der amerikanischen und europäischen Aufsichtsbehörden.

 

Quelle:sueddeutsche.de

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