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Drei Prozent gibt es beim Tagesgeld häufig nur für Neukunden

Geschrieben

Vor allem Großbanken zögern, höhere Zinsen weiterzugeben - Drei Prozent gibt es beim Tagesgeld häufig nur für Neukunden.

 

Eine drei vor dem Komma ist bei sicheren Geldanlagen wie Tagesgeld nach wie vor selten. Daran hat auch die jüngste Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf 2,75 Prozent wenig geändert. Anleger müssen sich nach wie vor bei zahlreichen Kreditinstituten mit Zinsen begnügen, die zum Teil sogar weit unter 2,75 Prozent liegen.

 

Zwar zeigt eine aktuelle Untersuchung der WELT: Seit der Zinserhöhung am 8. Juni haben 18 der insgesamt 49 untersuchten überregionalen Banken und Direktbanken diese beim Tagesgeld zumindest zum Teil an ihre Kunden weitergegeben. Lediglich neun von 76 Kreditinstituten haben den EZB-Entscheid genutzt, um Dispo- und Überziehungszinsen anzuheben.

 

So offeriert etwa die BMW Bank ihren Kunden inzwischen 2,4 Prozent auf Tagesgeld. Auch die Haspa-Direkt und die Hanseatic Bank haben ihre Zinsen erhöht und offerieren nun 2,10 beziehungsweise 2,20 Prozent Zinsen.

 

Doch selbst mit ihrer jüngsten Zinserhöhung rücken die genannten Institute nicht in die Spitzengruppe der Tagesgeld-Anbieter vor: So bietet die CC-Bank derzeit 2,6 Prozent, die Daimler-Chrysler Bank und der Marktführer in Sachen Tagesgeld, die ING-Diba, warten mit 2,5 Prozent Zinsen auf.

 

Höhere Zinsen und somit eine drei vor dem Komma gibt es auch nach der Zinserhöhung auf dem Tagesgeldmarkt nicht ohne Haken und Ösen. Denn häufig ist das Plus an Zinsen an Bedingungen geknüpft wie etwa Neukunde zu sein oder parallel ein Depot eröffnen zu müssen.

 

Das ist beispielsweise bei Cortal Consors der Fall. Hier erhalten Neukunden, die mindestens 2500 Euro anlegen bis zu einem Betrag von maximal 10 000 Euro 3,3 Prozent Zinsen. Beträge, die darüber hinaus gehen, werden mit 2,6 Prozent verzinst. Mit dem Tagesgeldkonto eröffnet der Kunde automatisch ein Depot. Wer weniger als 2500 Euro im Depot liegen hat und nicht einen Trade pro Quartal oder einen laufenden Sparplan vorweisen kann, muß monatlich eine Leistungspauschale von 1,95 Euro entrichten. "Solche Angebote machen wirklich nur Sinn, wenn jemand ohnehin ein Depot eröffnen möchte", sagt Uwe Döhler, Projektleiter Finanzdienstleistungen bei "Finanztest". Derzeitiger Spitzenreiter auf dem Tagesgeld-Markt, Driver & Bengsch, offeriert vier Prozent bis zu einer Summe von 25 000 Euro lediglich Neukunden. Zudem garantiert das Institut die üppige Zinskost nur für drei Monate. Auch die Angebote von1822-direkt sowie Cosmos Direkt sind ausschließlich Neukunden vorbehalten.

 

In der Spitzengruppe der Tagesgeld-Anbieter mischt häufig eine ganze Reihe an ausländischen Banken mit. So etwa die Advanzia Bank, die 3,25 Prozent Zinsen bietet sowie die Demir Halk Bank und die Deniz Bank, die drei Prozent offerieren. Der Nachteil bei diesen Angeboten: Die Einlagensicherung geht lediglich bis 20 000 Euro pro Person. "Es ist daher nicht sinnvoll, größere Summen bei diesen Banken anzulegen", bemerkt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg.

 

Doch allen Haken und Ösen zum Trotz: "Tagesgeld ist derzeit eine attraktive Alternative zu Festgeld", bemerkt Döhler. Zum einen warten zahlreiche Banken kaum mit höheren Zinsen auf, selbst wenn der Kunde sich über einen längeren Zeitraum bindet. Denn die drei steht bei den Festgeld-Angeboten der meisten Institute erst ab Laufzeiten von einem Jahr vor dem Komma.

 

Ein Beispiel: Wer sein Geld für sechs Monate fest bei der BMW Bank anlegt, bekommt derzeit gerade einmal 2,6 Prozent Zinsen. Bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gibt es immerhin 3,10 Prozent. Die Demir Halk Bank offeriert für einen Sechs-Monats-Zeitraum mit 2,4 Prozent sogar deutlich weniger als für Tagesgeld.

 

Eine kaum attraktive Alternative. Zumal Experten schon bald mit weiteren Zinsschritten der Europäischen Zentralbank rechnen. "Tagesgeld ist zur Zeit durchaus eine Alternative zu Festgeld, da Sparer so zügig von Zinserhöhungen profitieren können", bemerkt Kai Stefani, Volkswirt bei der Fondsgesellschaft dit. "Wir raten Anlegern derzeit davon ab, sich länger als ein Jahr zu binden", sagt Projektleiter Döhler

 

Es ist schließlich nicht ausgeschlossen, daß mit der nächsten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank auch die Spitzenanbieter beim Tagesgeld die Erhöhung an die Kunden weitergeben: Dann dürften Anleger bei einigen Angeboten auch ohne Haken und Ösen eine drei vor dem Komma sehen.

 

Quelle: welt.de

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