BMW-Vorstand Norbert Reithofer peilt eine Eigenkapitalrendite von bis zu 26 Prozent an. Wenn also das Unternehmen eine Million Euro aus Aktionärskapital und eigenen Rücklagen einsetzt, will man 260.000 Euro Gewinn pro Jahr erzielen - eine fantastische Rendite. Ärgert Sie die astronomische Höhe des Gewinnziels?
Der Gesprächspartner
Ulrich Thielemann, geboren 1961 in Remscheid, ist Vizedirektor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen, Schweiz. Einen Namen gemacht hat er sich nicht nur mit einer Vielzahl wissenschaftlicher Publikationen sondern auch mit prononcierter Kritik an liberalen Wirtschaftstheorien.
Sein Buch "System Error - Warum der freie Markt zu Unfreiheit führt" ist kürzlich im Westend-Verlag, Frankfurt/M. erschienen.
Man betätigt sich damit schlichtweg als Totengräber der sozialen Marktwirtschaft. Wer sich solch hohe Gewinnziele steckt, für den sind Mitarbeiter dann keine Mit-Arbeiter mehr, sondern nur noch Erfolgsfaktoren - oder eben Misserfolgsfaktoren. Dass dieser Erfolg bei anderen Leid erzeugt, wird verdrängt und damit noch nicht einmal zu rechtfertigen versucht.