Aktienanleihen locken die Anleger mit überdurchschnittlichen Zinsversprechen. Ihre Kupons fallen zur Zeit besonders üppig aus, da die Aktienkurse seit einigen Wochen wieder stärker schwanken. 30 Prozent Ertrag sind möglich. Doch anders als der Name suggeriert, handelt es sich bei diesen Anleihen nicht um festverzinsliche Wertpapiere. Anleger bekommen deswegen nicht deren Sicherheit, sie gehen vielmehr ein Aktienrisiko ein: Denn bei der Fälligkeit der Finanzprodukte zahlt die Bank - abhängig von der Kursentwicklung des Basiswertes - entweder in bar oder überträgt die Aktien selbst, die schlimmstenfalls wertlos sein können.
„Waren bei Aktienanleihen auf Thyssen-Krupp vor rund einem Jahr noch Kupons von 7 Prozent üblich, so sind es nun 15 Prozent“, sagt Christopher Maaß von Sal. Oppenheim. Allein die jüngsten Kursturbulenzen hätten bei den Werten aus dem Deutschen Aktienindex Dax durchschnittlich einen Zinsaufschlag von bis zu 3 Prozentpunkten gebracht, erläutert Michael Lindner von der BHF-Bank. Dabei liegen Aktienanleihe-Klassiker, wie es Produkte auf Allianz, Daimler-Chrysler, die Deutsche Telekom oder Siemens sind, mit Zinsen von gut 10 Prozent am unteren Ende der Skala. Bei riskanteren Werten sind freilich noch höhere Kupons möglich. Einer der Spitzenreiter ist derzeit laut Maaß Premiere mit 30 Prozent. Solch hohen Zinsen finden sich bei Emissionen jüngeren Datums. Ältere Derivate mit niedrigeren Kupons notieren entsprechend unter pari, also unter 100 Prozent.
Manchmal bleibt nur die Hoffnung auf Kurserholung
Das Besondere an Aktienanleihen: Der Emittent entscheidet am Laufzeitende, ob er die Anleihe zum Nennwert - sprich zu 100 Prozent - zurückzahlt oder eine festgelegte Anzahl von Aktien liefert. Letzteres tut er dann, wenn der aktuelle Aktienkurs zu diesem Zeitpunkt unter dem bei der Emission vereinbarten Basispreis liegt. Positive Börsenphasen sind daher eher gut für den Aktienanleihebesitzer. Kursverluste, die meist mit höheren Schwankungen (Volatilitäten) einhergehen, können dagegen gefährlich werden. Je volatiler eine Aktie ist, desto üppiger ist zwar der Zinskupon, desto höher ist aber auch das Risiko für eine Tilgung in Aktien, deren Wert gefallen ist.
In den zurückliegenden zwölf Monaten seien im Durchschnitt rund 88 Prozent der hauseigenen Produkte in bar getilgt worden, sagt Maaß. Der Dax liegt seither gut 20 Prozent im Plus. Anders im Jahr 2002. Damals wurden aufgrund der fortgesetzten Aktienbaisse rund 90 Prozent aller fälligen Aktienanleihen nicht mit Bargeld abgelöst, sondern durch Aktien getilgt, deren Kurs zum Teil stark gefallen war. Bei einer Aktientilgung bleibt dem Anleger freilich noch der Zinskupon. Und erst wenn der Auszahlungswert unter dem Einsatz abzüglich der Zinszahlung liegt, rutscht der Anleger - die Kosten für Wertpapierkauf und Bankdepot nicht eingerechnet - in die Verlustzone (siehe Grafik). Bekommt er also Aktien, dann bleibt ihm nur die Hoffnung auf eine Erholung.
Für seitwärtstendierende Märkte geeignet
„Anleger sollten eine positive Einstellung zu einem Basiswert haben und nicht blind jede Anleihe mit einem hohen Kupon kaufen“, kommentiert Maaß daher die mögliche Aktienlieferung. Allerdings sollte die Erwartung auch nicht zu positiv sein, denn sonst machen andere Derivate-Strukturen oder auch der Aktienkauf selbst mehr Sinn. Denn Aktienanleihen sind vor allem für seitwärtstendierende und leicht positive Märkte geeignet.
Wie bei anderen derivativen Finanzprodukten auch handelt es sich hier um Bankschuldverschreibungen, deren Rückzahlung im Falle einer Insolvenz des Emittenten gefährdet ist. Die Bonität der Bank ist daher wichtig. Auch bei Aktienanleihen entgehen dem Anleger die Dividenden. Käufer sollten bei Aktienanleihen zudem bedenken, daß bei einem Kauf zwischen den Zinsterminen Stückzinsen anfallen, rät Maaß. Die Papiere laufen in der Regel zwölf bis 15 Monate. Aber auch Laufzeiten von drei Jahren könnten in der aktuellen Marktphase wieder mit attraktiven Zinsen von durchschnittlich 8 Prozent versehen werden, meint Lindner. Besonders hohe Kupons finden sich bei Kurzläufern.
Steuerliche Behandlung ein klarer Nachteil
Klarer Nachteil von Aktienanleihen ist ihre steuerliche Behandlung. Während bei anderen Derivaten die Kursgewinne nach Ablauf der bislang geltenden einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei vereinnahmt werden können, ist das bei Aktienanleihen anders. Sie gelten als Finanzinnovationen, daher sind Kurs- und Zinsgewinne stets mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern. Damit ist das Zinspendant zu den beliebten Discount-Zertifikaten, denn nicht anderes sind Aktienanleihen, im Hintertreffen. Es sei denn, es kommt zu Kursverlusten. Diese können bei Aktienanleihen auch nach der Jahresfrist steuerlich geltend gemacht und nicht nur gegen Kapitaleinkünfte, sondern auch gegen andere Einkommensarten wie Gehalt aufgerechnet werden.
Trotz der schmerzvollen Erfahrungen aus den Zeiten der Aktienbaisse, sind Aktienanleihen aufgrund der attraktiven Kupons wieder gefragt. Für viele Anleger bleibt die absolute Höhe der Zinsen und damit das Zinssammeln ein wichtiges Kaufargument, begründet Lindner. Etwa 5.000 Aktienanleihen soll es Schätzungen zufolge in Deutschland derzeit geben. Auch Doppelaktienanleihen finden sich darunter. Hier wird die Rückzahlung an zwei Aktienwerten gemessen. Der in der Kursentwicklung schlechteste Wert fließt dem Anleger zu. Bei Anleihen, die auf Indizes basieren, werden im Fall der Fälle statt der Aktien Indexzertifikate geliefert. Sonderformen bieten einen gewissen Schutz gegen Kursverluste. Allerdings geht dies zu Lasten des Zinskupons. Das Emittentenfeld hat sich auf zehn geweitet: Gemessen an den Anlagevolumina und den Umsätzen ist Sal. Oppenheim marktführend gefolgt von der BHF-Bank.
Aktienanleihen locken die Anleger mit überdurchschnittlichen Zinsversprechen. Ihre Kupons fallen zur Zeit besonders üppig aus, da die Aktienkurse seit einigen Wochen wieder stärker schwanken. 30 Prozent Ertrag sind möglich. Doch anders als der Name suggeriert, handelt es sich bei diesen Anleihen nicht um festverzinsliche Wertpapiere. Anleger bekommen deswegen nicht deren Sicherheit, sie gehen vielmehr ein Aktienrisiko ein: Denn bei der Fälligkeit der Finanzprodukte zahlt die Bank - abhängig von der Kursentwicklung des Basiswertes - entweder in bar oder überträgt die Aktien selbst, die schlimmstenfalls wertlos sein können.
„Waren bei Aktienanleihen auf Thyssen-Krupp vor rund einem Jahr noch Kupons von 7 Prozent üblich, so sind es nun 15 Prozent“, sagt Christopher Maaß von Sal. Oppenheim. Allein die jüngsten Kursturbulenzen hätten bei den Werten aus dem Deutschen Aktienindex Dax durchschnittlich einen Zinsaufschlag von bis zu 3 Prozentpunkten gebracht, erläutert Michael Lindner von der BHF-Bank. Dabei liegen Aktienanleihe-Klassiker, wie es Produkte auf Allianz, Daimler-Chrysler, die Deutsche Telekom oder Siemens sind, mit Zinsen von gut 10 Prozent am unteren Ende der Skala. Bei riskanteren Werten sind freilich noch höhere Kupons möglich. Einer der Spitzenreiter ist derzeit laut Maaß Premiere mit 30 Prozent. Solch hohen Zinsen finden sich bei Emissionen jüngeren Datums. Ältere Derivate mit niedrigeren Kupons notieren entsprechend unter pari, also unter 100 Prozent.
Manchmal bleibt nur die Hoffnung auf Kurserholung
Das Besondere an Aktienanleihen: Der Emittent entscheidet am Laufzeitende, ob er die Anleihe zum Nennwert - sprich zu 100 Prozent - zurückzahlt oder eine festgelegte Anzahl von Aktien liefert. Letzteres tut er dann, wenn der aktuelle Aktienkurs zu diesem Zeitpunkt unter dem bei der Emission vereinbarten Basispreis liegt. Positive Börsenphasen sind daher eher gut für den Aktienanleihebesitzer. Kursverluste, die meist mit höheren Schwankungen (Volatilitäten) einhergehen, können dagegen gefährlich werden. Je volatiler eine Aktie ist, desto üppiger ist zwar der Zinskupon, desto höher ist aber auch das Risiko für eine Tilgung in Aktien, deren Wert gefallen ist.
In den zurückliegenden zwölf Monaten seien im Durchschnitt rund 88 Prozent der hauseigenen Produkte in bar getilgt worden, sagt Maaß. Der Dax liegt seither gut 20 Prozent im Plus. Anders im Jahr 2002. Damals wurden aufgrund der fortgesetzten Aktienbaisse rund 90 Prozent aller fälligen Aktienanleihen nicht mit Bargeld abgelöst, sondern durch Aktien getilgt, deren Kurs zum Teil stark gefallen war. Bei einer Aktientilgung bleibt dem Anleger freilich noch der Zinskupon. Und erst wenn der Auszahlungswert unter dem Einsatz abzüglich der Zinszahlung liegt, rutscht der Anleger - die Kosten für Wertpapierkauf und Bankdepot nicht eingerechnet - in die Verlustzone (siehe Grafik). Bekommt er also Aktien, dann bleibt ihm nur die Hoffnung auf eine Erholung.
Für seitwärtstendierende Märkte geeignet
„Anleger sollten eine positive Einstellung zu einem Basiswert haben und nicht blind jede Anleihe mit einem hohen Kupon kaufen“, kommentiert Maaß daher die mögliche Aktienlieferung. Allerdings sollte die Erwartung auch nicht zu positiv sein, denn sonst machen andere Derivate-Strukturen oder auch der Aktienkauf selbst mehr Sinn. Denn Aktienanleihen sind vor allem für seitwärtstendierende und leicht positive Märkte geeignet.
Wie bei anderen derivativen Finanzprodukten auch handelt es sich hier um Bankschuldverschreibungen, deren Rückzahlung im Falle einer Insolvenz des Emittenten gefährdet ist. Die Bonität der Bank ist daher wichtig. Auch bei Aktienanleihen entgehen dem Anleger die Dividenden. Käufer sollten bei Aktienanleihen zudem bedenken, daß bei einem Kauf zwischen den Zinsterminen Stückzinsen anfallen, rät Maaß. Die Papiere laufen in der Regel zwölf bis 15 Monate. Aber auch Laufzeiten von drei Jahren könnten in der aktuellen Marktphase wieder mit attraktiven Zinsen von durchschnittlich 8 Prozent versehen werden, meint Lindner. Besonders hohe Kupons finden sich bei Kurzläufern.
Steuerliche Behandlung ein klarer Nachteil
Klarer Nachteil von Aktienanleihen ist ihre steuerliche Behandlung. Während bei anderen Derivaten die Kursgewinne nach Ablauf der bislang geltenden einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei vereinnahmt werden können, ist das bei Aktienanleihen anders. Sie gelten als Finanzinnovationen, daher sind Kurs- und Zinsgewinne stets mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern. Damit ist das Zinspendant zu den beliebten Discount-Zertifikaten, denn nicht anderes sind Aktienanleihen, im Hintertreffen. Es sei denn, es kommt zu Kursverlusten. Diese können bei Aktienanleihen auch nach der Jahresfrist steuerlich geltend gemacht und nicht nur gegen Kapitaleinkünfte, sondern auch gegen andere Einkommensarten wie Gehalt aufgerechnet werden.
Trotz der schmerzvollen Erfahrungen aus den Zeiten der Aktienbaisse, sind Aktienanleihen aufgrund der attraktiven Kupons wieder gefragt. Für viele Anleger bleibt die absolute Höhe der Zinsen und damit das Zinssammeln ein wichtiges Kaufargument, begründet Lindner. Etwa 5.000 Aktienanleihen soll es Schätzungen zufolge in Deutschland derzeit geben. Auch Doppelaktienanleihen finden sich darunter. Hier wird die Rückzahlung an zwei Aktienwerten gemessen. Der in der Kursentwicklung schlechteste Wert fließt dem Anleger zu. Bei Anleihen, die auf Indizes basieren, werden im Fall der Fälle statt der Aktien Indexzertifikate geliefert. Sonderformen bieten einen gewissen Schutz gegen Kursverluste. Allerdings geht dies zu Lasten des Zinskupons. Das Emittentenfeld hat sich auf zehn geweitet: Gemessen an den Anlagevolumina und den Umsätzen ist Sal. Oppenheim marktführend gefolgt von der BHF-Bank.
Quelle: faz.net