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Mögliche Arena-Kooperation beflügelt Premiere-Aktie

Geschrieben

Frankfurt (Reuters) - Die Aussicht auf eine Kooperation mit dem Rechtevermarkter Arena bei der Übertragung der Fußball-Bundesliga hat die Aktien von Premiere am Donnerstag vorbörslich beflügelt.

 

Auf der elektronischen Handelsplattform Instinet stiegen die Papiere um 27 Prozent. Im Geschäft des Brokerhauses Lang & Schwarz schossen sie sogar um 30 Prozent in die Höhe. Am Mittwoch hatten sie bei 8,25 Euro geschlossen.

 

Einer mit dem Vorgang vertrauten Person zufolge sollen die 800.000 Kunden, die Premiere über das Kabelnetz von Kabel Deutschland (KDG) sehen, das Arena-Fußballangebot über Premiere abonnieren können. In Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sowie über Satellit werde Arena die Übertragungen selbst vermarkten. Monatelange Verhandlungen über die Einspeisung der Arena-Übertragungen in das KDG-Netz waren ohne Ergebnis geblieben.

 

Quelle: reuters

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Geschrieben
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Sprichwörtlich um kurz vor zwölf zauberte Premiere-Chef Georg Kofler heute ein Ass aus seinem Ärmel, das es in sich hat: Der Bezahlsender wird ab der kommenden Saison alle von Arena produzierten Fußballsendungen übertragen. Da der Vertrag mit der Telekom davon unberührt bleibt, verfügt Premiere damit über zwei Vertriebswege.

 

Hamburg – Nun hat es Premiere-Chef Georg Kofler also doch noch geschafft. Am frühen Morgen teilte der Bezahlsender mit, dass Premiere Chart zeigen die Fußball-Bundesliga ab der kommenden Saison wie gewohnt übertragen wird. Und zwar gemeinsam mit seinem Konkurrenten Arena.

 

Premiere ist dabei allerdings nur der Vermarkter: Produziert werden die Sendungen von dem Pay-TV-Anbieter Arena, der im vergangenen Jahr dem Platzhirschen überraschend die Fernsehübertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga weggeschnappt hatte. Der Münchener Bezahlsender strahlt die Berichte genauso aus, wie er sie von dem Rechteinhaber erhält und zwar zu dem gleichen Preis von 14,90 Euro. Empfangen können die Kunden das Arena-Programm dann über ihren Premiere-Decoder.

 

Nach dem Verlust der Fernsehrechte kann Premiere somit wieder etwas aufatmen. Die von allen erwartete massive Kündigungswelle wird ausbleiben, denn viele Kunden hatten bis zuletzt gehofft, dass der Bezahlsender doch noch eine Möglichkeit findet.

 

Premiere verlor weniger Kunden als erwartet

 

So verloren die Münchener im ersten Quartal "nur" 150.000 Kunden, im zweiten Quartal werden es voraussichtlich zwischen 200.000 und 300.000 Abonnenten sein. Dabei wurde schon spekuliert, dass bis zu eine Million Kunden ihr Premiere-Abo kündigen könnten. Es ist somit nicht verwunderlich, dass die Aktien des Bezahlsenders bis zum Nachmittag über 20 Prozent an Wert gewonnen haben.

 

Dennoch ist es nur ein Teilsieg für Premiere. "Von den 14,90 Euro, die der Pay-TV-Sender von seinen Kunden für das Abo erhält, bleiben Premiere vielleicht nur zwei oder drei Euro", so Analystin Iris Schäfer von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Der Rest gehe an Arena. Für nachhaltiges Wachstum sei das zu wenig.

 

Für Arena bedeutet die Einigung mit Premiere einen weiteren Imageverlust. Durch den Vertrag mit dem Platzhirschen wird wieder einmal deutlich, wie wenig Arena auf die Übernahme der Übertragungsrechte vorbereitet und wie überraschend die Entscheidung der Deutschen Fußball Liga für das Unternehmen selbst war.

 

"Mit Arena hätten wir Verluste geschrieben"

 

Bis gestern konnte Arena lediglich den Satellitenzuschauern sowie den Kabelhaushalten in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg die Übertragung der Fußball-Bundesliga anbieten. Eine Einigung mit dem Netzbetreiber Kabel Deutschland (KDG), der die übrigen 13 Bundesländer mit einem Kabelanschluss versorgt, blieb aus.

 

Der Marktführer bemängelte immer wieder, dass Arena keine attraktiven Konditionen geboten hatte. "Mit dem Angebot von Arena hätten wir Verluste geschrieben", so KDG-Sprecher Stefan Schott.

 

Mit der jetzigen Lösung ist der Netzbetreiber deshalb auch sehr zufrieden. "Wir können unseren Kunden die Bundesliga anbieten und sie so von einem Wechsel zum Satelliten- oder Internetfernsehen abhalten, ohne Geld zu verlieren", erklärt Schott. Im Gegenteil: Für jeden Kunden, den Premiere zusätzlich für sein Fußballabo gewinnt, müssen die Münchener – genau wie zuvor – Gebühren an ihren technischen Dienstleister KDG zahlen. Der Marktführer ist somit in einer komfortablen Situation. "Kabel Deutschland muss sich nicht an den Rechtekosten beteiligen und kann trotzdem die Versorgung sicherstellen", so LBBW-Analystin Schäfer.

 

"Eitelkeiten über Bord geworfen"

 

Eine Einigung mit Arena war für KDG somit auch nicht zwingend – ganz im Gegensatz zu Arena. Ohne den Marktführer als Partner fehlten dem Rechteinhaber knapp zehn Millionen Kabelhaushalte als potenzielle Kunden. Deswegen nun der Umweg über Premiere, dessen Haupteinnahmequelle durch den Verlust der Übertragungsrechte ebenfalls bedroht war.

 

Dass die Kooperation mit Premiere ein Eingeständnis dafür sei, dass Arena es nicht allein schafft und auf die Hilfe des großen Konkurrenten angewiesen ist, sieht der Rechteinhaber natürlich nicht so. "Wir haben einen pragmatischen Weg gewählt", so eine Unternehmenssprecherin. Vor einigen Monaten habe der Premiere-Vorstand Arena schließlich noch belächelt. "Die Geschäftsführung hat ihre Eitelkeiten über Bord geworfen und sich für eine Fan-freundliche Lösung entschieden", erklärt die Sprecherin.

 

Telekom und Premiere machen weiter

 

Bei all der Pragmatik bleibt allerdings noch eine Frage offen: Inwiefern beeinträchtigt das Abkommen zwischen Premiere und Arena die Kooperation zwischen Premiere und der Deutschen Telekom Chart zeigen? Schließlich sind Arena und der Ex-Monopolist direkte Konkurrenten im Wettbewerb um die Fußballfans.

 

Premiere und die Telekom hatten im Mai einen Vertrag unterzeichnet, demzufolge die Münchener die Produktion der Bundesliga-Sendungen für den Telekomkonzern übernehmen, der sich die Fußballübertragungsrechte für das Internet gesichert hatte.

 

Kurz zuvor hatte die Telekom beim Sportsender DSF aber auch den Bau eines Sendezentrums in München in Auftrag gegeben, von dem aus das Programm gesendet werden sollte, falls der Vertrag zwischen Premiere und dem Bonner Konzern scheitern sollte. Denn in den vergangenen Monaten mehrten sich die Anzeichen dafür, dass Premiere und KDG fusionieren könnten. Für die Telekom wäre dies ein Grund gewesen, den Vertrag mit Premiere zu kündigen, da der Kabelnetzbetreiber ein direkter Wettbewerber des Konzerns ist.

 

Statt mit KDG kooperiert Premiere aber nun mit dem Pay-TV-Anbieter Arena, der mit der Telekom um die Gunst der Fußballfans buhlt. Doch offensichtlich stört das die Telekom nicht. "Der Vertrag mit der Telekom bleibt von der Kooperation mit Arena unberührt", so Premiere-Sprecher Michael Jachan. Das Unternehmen arbeite mit der gleichen Energie weiter daran, die Sendungen für die Telekom zu produzieren.

 

Auch der Bonner Konzern hält weiter an der Kooperation fest. "An unserer Einstellung zu Premiere ändert die getroffene Vereinbarung nichts", sagte ein Telekom-Sprecher. Zumal das Unternehmen auch nur wegen der Zusammenarbeit mit Premiere keine eigene Sendelizenz benötigt. "Wir haben die Verträge eingesehen und es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Programmverantwortung nicht bei Premiere liegt", sagte Reinhold Albert, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, am Donnerstag im Anschluss an die Beratungen des Gremiums. Denn eine eigene Lizenz würde der Konzern, der zu einem Großteil noch in staatlicher Hand liegt, voraussichtlich nicht bekommen.

 

Letztendlich profitieren also alle beteiligten Unternehmen irgendwie von der neuen Kooperation. Doch am stärksten geht sicherlich Premiere-Chef Kofler aus der Situation hervor: Entgegen allen Erwartungen schaffte es der Unternehmenslenker sozusagen um kurz vor zwölf, seine Haupteinnahmequelle zu erhalten. Ein beträchtlicher Imagegewinn.

 

Quelle: manager-magazin.de

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