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Kursrutsch: Das 2000er-Syndrom ist wieder da

Geschrieben

Die Aktienmärkte weltweit kommen nicht zur Ruhe. Seit dem heftigen Mai-Ausverkauf ist eine tragfähige Erholung fehlgeschlagen – es drohen neue Jahrestiefs. Skeptiker sehen bereits Parallelen zum 2000er-Crash.

 

Die Angst war immer in den Köpfen: Drei Jahre der Hausse hatten sie nur verdeckt. Doch wie tief verwurzelt der fast epische Kurssturz der drei Baissejahre zwischen 2000 bis 2003 in einer ganzen Anlegergeneration ist, bewies der reflexartige Ausverkauf ab Mitte Mai: Der Dax verlor in der Spitze 15 Prozent, der MDax 25 Prozent, BRIC-Nationen gar mehr als 30 Prozent - all das ohne bahnbrechende Nachrichten.

 

Obwohl die amerikanischen Aktienmärkte prozentual weniger stark an Wert verloren haben, hat der Ausverkauf hier bereits andere Dimensionen erreicht: Sowohl der US-Leitindex Dow Jones als auch vor allem die Technologiebörse Nasdaq haben am vergangenen Freitag neue Jahrestiefs markiert. Angesichts der verfahrenen geopolitischen Lage, angesichts eines Ölpreisniveaus von fast 80 Dollar je Barrel, angesichts einer restriktiven US-Notenbank und einer offensichtlichen Abschwächung des US-Wirtschaftswachstums sprechen die ersten Superbären bereits über das vor wenigen Monaten noch schier Undenkbare - nämlich: Eine mögliche Wiederholung des 2000er-Dramas.

 

Technologiesektor als Vorbote eines drohenden Absturzes?

 

Rückblick um sechs Jahre: Seinerzeit platzte im Frühjahr 2000 die Internetblase – und mit ihr die astronomische Bewertung vieler Technologieaktien. Die Hightech-Börse Nasdaq stürzte von jenen mittlerweile sagenumwobenen 5000 Zählern in wenigen Wochen auf 3000 Punkte ab und sollte bis Jahresende gar in die 2000er-Region durchgereicht werden. Von diesem Ausverkauf haben sich die Hightechs bis heute nicht erholt.

 

Doch der Absturz der einstigen Highflyer war seinerzeit nur der Vorbote eines globalen Abschwungs an den Aktienmärkten, der im Herbst 2000 den ganzen Markt erwischen sollte. 2001 rutschten die USA in die Rezession ab, die durch den Terrorschock des 11. September bis ins nächste Jahr verlängert wurde. Erst zweieinhalb Jahre später setzte nach Beendigung des Irak-Krieges die Trendwende ein.

 

Erinnerungen an den Sommer 2000 werden wach

 

Verunsicherte Anleger, die diese schwarzen Tage nur in allzu genauer Erinnerung haben, fragen sich nun immer wieder: Ist der jüngste Abschwung Vorbote für einen neuen Bärenmarkt? Zumindest die Anzeichen weisen eine beunruhigende Parallelität auf: Auch im Sommer 2000 drehte die US-Notenbank weiter an der Zinsschraube, obschon viele Marktbeobachter zur Mäßigung mahnten. Das dicke Ende folgte bereits sechs Monate später, als die Fed wieder die Schleusen öffnen musste, die Konjunktur jedoch einfach nicht wieder in Schwung kommen sollte.

 

Ebenfalls im Sommer 2000 funkte Corporate America die ersten Alarmzeichen: Intel, der seinerzeit kurzfristig höchst bewertete Konzern der Welt, veröffentlichte im September eine überraschende Gewinnwarnung. Apple folgte im Oktober mit einem miserablen Quartal und dem unerwarteten Absturz in die Verlustzone. Highflyer wie Nortel und JDSU Uniphase folgten plötzlich mit jähen Verfehlungen, die niemand hatte kommen sehen.

 

Die Crème de la Crème der amerikanischen Technologieunternehmen berichtet in den nächsten Tagen

 

Mit entsprechender Hochspannung geht es ab morgen in die nächste Runde der US-Quartalssaison. Die Crème de la Crème der amerikanischen Technologieunternehmen wird sich in den nächsten Tagen die Klinke in die Hand geben: Yahoo und IBM am Dienstag, Apple, eBay und Intel am Mittwoch, Microsoft, Google und Amgen am Donnerstag.

 

Wie groß die Anspannung der Anleger mittlerweile geworden ist, war in den mitunter drastischen Abschlägen der vergangenen Wochen bereits erkennbar. So büßten die Aktien von Apple und eBay allein im letzten Monat rund 20 Prozent an Wert ein. Die Nervosität kommt nicht von ungefähr: Lucent hatte in der Vorwoche überraschend eine Umsatz- und Gewinnwarnung herausgegeben, während der nach Intel größte Chiphersteller AMD im abgelaufenen Quartal einen überraschenden Umsatzrückgang von neun Prozent ausweisen musste.

 

Andersherum betrachtet könnte sich für risikobereite Anleger aber auch eine interessante Einstiegschance bieten. Können die angeschlagenen Hightechs den Erwartungen entsprechen, könnte es zu einer Erleichterungsrally erster Güte kommen, mutmaßen Marktexperten wie der renommierte Daytrader James DePorre: "Die Gegenreaktion nach oben wartet nur auf einen Katalysator", glaubt DePorre. "Wie lange eine solche Erleichterungsrally laufen kann, ist die Millionen-Dollar-Frage." Die kommenden Tage dürften damit für Börsianer so spannend werden wie lange nicht mehr.

 

Quelle: yeald.de

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