Seit 2002 ging es am tschechischen Aktienmarkt jedes Jahr mit den Kursen nur stramm nach oben. Doch in diesem Jahr droht ein Ende dieser Erfolgsserie. Zumindest liegt der neun Standardwerte umfassende PX-Index seit Jahresbeginn mit rund zehn Prozent im Minus.
Verantwortlich für die Kursschwäche sind dabei vor allem externe Gründe. Die Pattsituation, die sich bei den Parlamentswahlen Anfang Juni ergab und die bisher die Bildung einer neuen Regierung verhinderte, stellt zwar auch einen hausgemachten Belastungsfaktor dar. Wesentlich stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden die Notierungen aber durch die zuletzt allgemein gesunkene Risikobereitschaft der Anleger. Diese bedingt durch Zins- und Inflationsängste veränderte Grundhaltung traf besonders die Börsen der Schwellenländer hart. Und trotz EU-Mitgliedschaft wird Tschechien noch immer zu dieser Kategorie gezählt.
„Langfristig hat der Markt sicherlich Potential“
Wird dieses Manko ausgeklammert, finden sich im hausinternen Umfeld auch etliche Punkte, die für ein freundlicheres Börsenklima sprechen. So dürfte der im Juni wieder auf 2,8 Prozent gesunkene Anstieg der Lebenshaltungskosten eine Beibehaltung der niedrigen Leitzinsen erlauben. Mit zwei Prozent liegt der Repo-Zinssatz um 75 Basispunkte unter dem in der Euro-Zone gültigen Niveau.
Zuversicht schöpfen die Optimisten unter den Marktteilnehmern zudem aus dem hohen Wirtschaftswachstum. Im ersten Quartal kletterte das Bruttoinlandsprodukt um 7,4 Prozent. Mit diesem Tempo dürfte es zwar nicht weitergehen, ansehnlich dürften die Zuwachsraten aber bis auf weiteres bleiben. Darauf aufbauend, gibt sich Radek Neumann von der Komercni Banka optimistisch: „Was wir zuletzt gesehen haben, war nur eine Kurskorrektur. Langfristig hat der Markt dank des hohen Wirtschaftswachstums und der attraktiven Bewertungen sicherlich Potential.“
Energieversorger CEZ unter den Favoriten
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis des Gesamtmarktes, das von der österreichischen Raiffeisenbank für 2006 auf 16,4 und für 2007 auf 14,0 beziffert wird, läßt sich das von Neumann abgegebene Bewertungsurteil auf den ersten Blick zwar nicht sofort nachvollziehen. Doch das Bild relativiert sich schnell, wenn die erwarteten hohen Gewinnzuwächse berücksichtigt werden. So traut die Raiffeisenbank den Unternehmen in diesem Jahr ein Gewinnplus von im Schnitt 28,0 Prozent zu, und 2007 sollen die Ergebnisse dann immerhin auch noch um 17,3 Prozent steigen. Außerdem wies der tschechische Aktienmarkt in früheren Jahren noch höhere Bewertungskennziffern als derzeit auf.
Ob die Anleger demnächst wieder an die Prager Börse zurückkehren, hängt letztlich aber ohnehin davon ab, ob sich die weltweit kursierenden Zins- und Inflationsängste wieder legen. Sollten sich die Bedenken verflüchtigen, fallen bei der Frage nach den Favoriten häufig die gleichen Namen. Auf den meisten Kauflisten zu finden ist etwa der Energieversorger CEZ (Isin CZ0005112300), der im PX-Index ein Gewicht von mehr als 26 Prozent einnimmt und im ersten Halbjahr gut 40 Prozent aller Börsenumsätze ausmachte. Als Kaufargument wird bei CEZ neben der eingeleiteten Expansion auf dem Balkan auf die Aussicht auf in den kommenden Jahren weiter steigende Strompreise verwiesen.
Chancen auf Börsengang von OKD stehen gut
Gute Kurschancen bekommt von etlichen Analysten auch der Pharmaproduzent Zentiva zugestanden. Kurzfristig leide dieser Wert zwar noch unter den negativen Effekten der tschechischen Gesundheitsreform, langfristig habe das Unternehmen bei einer erfolgreichen Integration des 2005 übernommenen rumänischen Konkurrenten Sicomed aber gute Wachstumsaussichten. Das von den Analysten der Ersten Bank vorgegebene Kursziel liegt bei diesem Wert rund 40 Prozent über den derzeitig gültigen Kursen.
Erschwert wird die Suche nach weiteren interessanten Titeln durch die geringe Anzahl an gelisteten Unternehmen. Neuemissionen haben an der Prager Börse leider Seltenheitswert, und mit einer generellen Trendwende ist hier auch nicht zu rechnen. Ein wenig Leben könnte demnächst aber doch in das Geschäft mit Börsengängen kommen. Laut Lukas Dufek, Analyst bei der Komercni Banka, stehen Ende 2006 oder Anfang 2007 die Chancen gut auf einen Börsengang des Minenkonzerns OKD. Denkbar sei zudem das Listing des Prager Flughafens. Den potentiellen Börsenwert veranschlagt Dufek für diese beiden Gesellschaften auf jeweils rund zwei Milliarden Euro. Für den tschechischen Aktienmarkt, der, gemessen am PX-Index, nur auf eine Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden Euro kommt, wäre die Emission der beiden Titel eine willkommene Belebung.
Seit 2002 ging es am tschechischen Aktienmarkt jedes Jahr mit den Kursen nur stramm nach oben. Doch in diesem Jahr droht ein Ende dieser Erfolgsserie. Zumindest liegt der neun Standardwerte umfassende PX-Index seit Jahresbeginn mit rund zehn Prozent im Minus.
Verantwortlich für die Kursschwäche sind dabei vor allem externe Gründe. Die Pattsituation, die sich bei den Parlamentswahlen Anfang Juni ergab und die bisher die Bildung einer neuen Regierung verhinderte, stellt zwar auch einen hausgemachten Belastungsfaktor dar. Wesentlich stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden die Notierungen aber durch die zuletzt allgemein gesunkene Risikobereitschaft der Anleger. Diese bedingt durch Zins- und Inflationsängste veränderte Grundhaltung traf besonders die Börsen der Schwellenländer hart. Und trotz EU-Mitgliedschaft wird Tschechien noch immer zu dieser Kategorie gezählt.
„Langfristig hat der Markt sicherlich Potential“
Wird dieses Manko ausgeklammert, finden sich im hausinternen Umfeld auch etliche Punkte, die für ein freundlicheres Börsenklima sprechen. So dürfte der im Juni wieder auf 2,8 Prozent gesunkene Anstieg der Lebenshaltungskosten eine Beibehaltung der niedrigen Leitzinsen erlauben. Mit zwei Prozent liegt der Repo-Zinssatz um 75 Basispunkte unter dem in der Euro-Zone gültigen Niveau.
Zuversicht schöpfen die Optimisten unter den Marktteilnehmern zudem aus dem hohen Wirtschaftswachstum. Im ersten Quartal kletterte das Bruttoinlandsprodukt um 7,4 Prozent. Mit diesem Tempo dürfte es zwar nicht weitergehen, ansehnlich dürften die Zuwachsraten aber bis auf weiteres bleiben. Darauf aufbauend, gibt sich Radek Neumann von der Komercni Banka optimistisch: „Was wir zuletzt gesehen haben, war nur eine Kurskorrektur. Langfristig hat der Markt dank des hohen Wirtschaftswachstums und der attraktiven Bewertungen sicherlich Potential.“
Energieversorger CEZ unter den Favoriten
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis des Gesamtmarktes, das von der österreichischen Raiffeisenbank für 2006 auf 16,4 und für 2007 auf 14,0 beziffert wird, läßt sich das von Neumann abgegebene Bewertungsurteil auf den ersten Blick zwar nicht sofort nachvollziehen. Doch das Bild relativiert sich schnell, wenn die erwarteten hohen Gewinnzuwächse berücksichtigt werden. So traut die Raiffeisenbank den Unternehmen in diesem Jahr ein Gewinnplus von im Schnitt 28,0 Prozent zu, und 2007 sollen die Ergebnisse dann immerhin auch noch um 17,3 Prozent steigen. Außerdem wies der tschechische Aktienmarkt in früheren Jahren noch höhere Bewertungskennziffern als derzeit auf.
Ob die Anleger demnächst wieder an die Prager Börse zurückkehren, hängt letztlich aber ohnehin davon ab, ob sich die weltweit kursierenden Zins- und Inflationsängste wieder legen. Sollten sich die Bedenken verflüchtigen, fallen bei der Frage nach den Favoriten häufig die gleichen Namen. Auf den meisten Kauflisten zu finden ist etwa der Energieversorger CEZ (Isin CZ0005112300), der im PX-Index ein Gewicht von mehr als 26 Prozent einnimmt und im ersten Halbjahr gut 40 Prozent aller Börsenumsätze ausmachte. Als Kaufargument wird bei CEZ neben der eingeleiteten Expansion auf dem Balkan auf die Aussicht auf in den kommenden Jahren weiter steigende Strompreise verwiesen.
Chancen auf Börsengang von OKD stehen gut
Gute Kurschancen bekommt von etlichen Analysten auch der Pharmaproduzent Zentiva zugestanden. Kurzfristig leide dieser Wert zwar noch unter den negativen Effekten der tschechischen Gesundheitsreform, langfristig habe das Unternehmen bei einer erfolgreichen Integration des 2005 übernommenen rumänischen Konkurrenten Sicomed aber gute Wachstumsaussichten. Das von den Analysten der Ersten Bank vorgegebene Kursziel liegt bei diesem Wert rund 40 Prozent über den derzeitig gültigen Kursen.
Erschwert wird die Suche nach weiteren interessanten Titeln durch die geringe Anzahl an gelisteten Unternehmen. Neuemissionen haben an der Prager Börse leider Seltenheitswert, und mit einer generellen Trendwende ist hier auch nicht zu rechnen. Ein wenig Leben könnte demnächst aber doch in das Geschäft mit Börsengängen kommen. Laut Lukas Dufek, Analyst bei der Komercni Banka, stehen Ende 2006 oder Anfang 2007 die Chancen gut auf einen Börsengang des Minenkonzerns OKD. Denkbar sei zudem das Listing des Prager Flughafens. Den potentiellen Börsenwert veranschlagt Dufek für diese beiden Gesellschaften auf jeweils rund zwei Milliarden Euro. Für den tschechischen Aktienmarkt, der, gemessen am PX-Index, nur auf eine Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden Euro kommt, wäre die Emission der beiden Titel eine willkommene Belebung.
Quelle: faz.net