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Bookie-Aktien:Analysten trotz Kurssturz eher skeptisch

Geschrieben

Bookie-Aktien: Analysten raten trotz Kurssturz eher nicht zum Einstieg

Aktienkurse bleiben hoch volatil - Updates von UBS, Goldman und Merrill Lynch

 

Hoffnungen auf eine starke Gegenreaktion bei den Aktien von Wettanbietern wurden heute enttäuscht. Dazu dürften auch die Analystenkommentare zu den jüngsten Ereignissen rund um den inhaftierten CEO von betonsports und dem Durchgreifen der US-Behörden gegen Anbieter von Online-Wetten beitragen. Zudem schickt betandwin um die Mittagszeit eine Gewinnwarnung aus: Aufgrund der starken Marketinginvestition sei im zweiten Quartal ein signifikanter EBITDA- Abgang zu erwarten.

 

Zur betonsports-Affäre heisst es seitens UBS: "Der Sektor ist hoch riskant - Partygaming bezieht 80% seiner Einkünfte aus den USA, Sportingbet 70% und betandwin 30%. Solange die Rechtslage rund um die Regulierung nicht klarer wird, dürften die Kurse sehr volatil bleiben. Unserer Meinung nach sind die Risken aktuell zu hoch". Trotz der, nach dem Kurssturz tiefen Bewertung, könnten die Aktien nicht als attraktiv bezeichnet werden, raten die Analysten von einem Einstieg auf diesem Niveau ab.

 

Die Analysten von Merrill Lynch bleiben ebenfalls vorsichtig. Es sei nicht auszuschliessen, dass die US-Behörden ihre Aktivitäten auch auf Sportingbet oder Partygaming ausweiten. Auch bestehe die Gefahr, dass die Kunden der Wett-Anbieter das Vertrauen in die reinen Online-Anbieter verlieren und ihre Einlagen zurück verlangen. Anbieter, die keine Wetten aus den USA akzeptieren, wie etwa Ladbrokes oder William Hill, könnten zwar kurzfristig von der Entwicklung profitieren. Die Tatsache, dass der US-Markt allerdings als potenzielles Expansionsgebiet ausfallen könnte, werfe die Frage auf, woher künftig das hohe Wachstum kommen soll.

 

Die Analysten von Goldman Sachs führen in ihrem Gaming-Update an, dass es auf kurze Sicht nicht unwichtig ist, dass Sportingbet und Partygaming über keine Assets oder Personal in den USA verfügen. Solange sich das Management also nicht entschliesse, in die USA zu reisen, was laut Analysten derzeit "töricht" wäre, dürften die US-Behörden nicht auf die Unternehmen zugreifen können. Anlegern, die trotz der Turbulenzen im Gaming-Sektor (exklusive USA) investiert bleiben wollen, raten sie zu William Hill oder Ladbrokes. Solange die Unklarheiten rund um betandwin andauern, dürften auch die Aktien von betandwin unter Druck bleiben, erwarten sie. (bs)

 

Quelle: wirtschaftsblatt.at

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  • Autor

19. Juli 2006 Wenn so viele schlechte Nachrichten auf einmal eintreffen, ist das einfach zu viel für eine Branche, die vor einigen Monaten noch zu den Überfliegern an der Börse gehörte: Anklage wegen bandenmäßigen Betrugs gegen BetOnSports, eine Gewinnwarnung von Betandwin, Querschüsse aus der Politik in den Vereinigten Staaten und Unterlassungsverfügungen gegen Trikotwerbung in Deutschland - die Internet-Wettanbieter haben derzeit einiges zu schlucken.

 

Die Kursreaktionen vom Dienstag in London zeigen, wie die Börse die Krise sieht: Partygaming (Isin GI000A0ERMF2) minus 17,3 Prozent auf 85,25 Pence, Sportingbet (GB0009516252) minus 35,5 Prozent auf 182 Pence, Leisure & Gaming (GB00B071S784) minus 22,7 Prozent auf 71,5 Pence, 888 Holdings (GI000A0F6407) minus 12,7 Prozent auf 168,5 Pence. BetOnSports (GB00B01CDB60), Auslöser des jüngsten Ausverkaufs, wurde nach einem Minus von 16,7 Prozent auf 122,50 Pence vom Handel ausgesetzt.

 

Betandwin-Aktie stürzt ab

 

Dem Abwärtssog konnten sich auch die deutschen Wettanbieter wie BetOnUSA (DE000A0B9212), Fluxx (DE0005763502), Tipp24 (DE0007847147), Bet-at-home.com (DE000A0DNAY5) und Sportwetten.de (DE0005488514) nicht entziehen. Am Mittwoch konnten sich manche Titel minimal erholen, für andere ging es weiter nach unten.

 

Richtig bergab geht es mit dem in Wien kotierten Sportwetten-Unternehmen Betandwin.com (AT0000767553). Schon am Dienstag verbuchte die Aktie einen Kursverlust von 23,8 Prozent auf 41,42 Euro. Am Mittwoch ging es weitere 18,6 Prozent runter auf 33,71 Euro. Seit ihrem Rekordhoch von Anfang Mai hat die Aktie damit in nur zweieinhalb Monaten zwei Drittel ihres Wertes verloren.

 

Das Unternehmen mußte in einer Pflichtmitteilung verkünden, daß „aufgrund der starken Marketinginvestition ein signifikanter Ebitda-Abgang im zweiten Quartal” zu erwarten sei. Bloomberg meldet gar, daß Betandwin für das zweite Quartal einen Verlust wird vermelden müssen. Dazu kommt das Verbot für 1860 München, für Betandwin oder „bwin.de” zu werben. Der Fußballklub muß das Logo vom Trikot entfernen (siehe auch: „Löwen” müssen Werbung vom Trikot entfernen). Die örtlichen Behörden gehen auch gegen Werder Bremen vor, die den gleichen ihrer Meinung nach illegalen Wettanbieter als Trikotsponsor haben (siehe auch: Trikotwerbung: Illegaler Wettanbieter auf der Brust?).

 

BetOnSports-Chef festgenommen

 

BetOnSports-Chef David Carruthers war am Montag bei der Durchreise am Flughafen Dallas von amerikanischen Bundesbeamten festgenommen worden, wie das Unternehmen mitteilte. Gegen ihn und BetOnSports wurde Anklage wegen bandenmäßigen Betrugs erhoben.

 

Davon unabhängig untersagte ein Gericht BetOnSports in einem Zivilrechtsprozeß, in den Vereinigten Staaten Wetten anzunehmen. Von amerikanischen Kunden eingezahlte Guthaben muß das Glücksspielunternehmen zurückerstatten. Dies entspricht nahezu drei Vierteln der Einzahlungen von 48,3 Millionen Dollar, die Betonsports im ersten Quartal zuflossen.

 

In den Vereinigten Staaten wird Online-Glücksspiel als illegal eingestuft, und die Politik hat damit begonnen, gegen die wachsende Branche durchzugreifen. Inzwischen erzielen Glücksspiel-Seiten weltweit einen Umsatz von zwölf Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) im Jahr.

 

Repräsentantenhaus gegen Internet-Kasinos

 

Das amerikanische Repräsentantenhaus verabschiedete vergangene Woche eine Regelung, die Kreditkartengesellschaften untersagen würde, Kundengelder an Internet-Kasinos weiterzuleiten. Allerdings muß hier noch der Senat zustimmen, und dort waren ähnliche Vorstöße in der Vergangenheit gescheitert.

 

Die Vereinigten Staaten sind für Sportwetten ein riesiger Markt, einige Unternehmen erzielen dort den größten Teil ihres Gewinns. So erwirtschaftet PartyGaming im jüngsten Geschäftsjahr in dem Land über 80 Prozent des Umsatzes. Bei Sportingbet und 888 Holdings, dem größten Online-Casino der Welt, waren es immer noch rund 55 Prozent.

 

„Die Branche war sich der Risiken des Geschäfts bewußt”

 

„Die Online-Glücksspiel-Branche war sich der Risiken des Geschäfts mit amerikanischen Kunden bewußt. Ihr war klar, daß es illegal sein könnte”, sagte Anand Doobay, Partner der Anwaltskanzlei Peters & Peters in London. „Die Unternehmen haben sich bislang aber damit beruhigt, daß die Vereinigten Staaten keine großen Anstalten machten, strafrechtliche Schritte zu unternehmen. Dies ist ein Alarmsignal.”

 

Doobay verwies darauf, daß Internet-Glücksspiel in Großbritannien nicht verboten sei. Nach seiner Ansicht könnten einige Verhaltensweisen der Betroffenen jedoch auch dort als Straftat gewertet werden, beispielsweise als gemeinschaftlicher Betrug.

 

Bleibt die Frage, ob sich auch die Anleger der Risiken bewußt waren. Die Fälle Betandwin und BetOnSports haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, auf den zweiten aber schon: Die Wettanbieter bekommen Ärger mit den Behörden. Für die Aktionäre heißt das: Finger weg! Erst wenn die rechtliche Situation geklärt ist, läßt sich klarer sehen. Im Moment jedenfalls scheinen sich die optimistischen Prognosen der Branche nicht halten zu lassen.

 

Quelle: faz.net

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