Die Private-Equity-Branche hat angesichts zweistelliger Renditen und gigantischer Zuflüsse super Laune. Doch stellt sich die Frage, wie lange die Fete andauert - hier ein Fragenkatalog für Stimmungstöter.
Die Party läuft auf Hochtouren, die Stimmung ist grandios, die Gäste werden übermütig, lassen alle Hemmungen fallen. Und die Folgen kann sich jeder ausrechnen: Die Kopfschmerzen am Tag danach werden fürchterlich sein.
Heute fetet die Private-Equity-Branche. Sie kann sich vor Geld kaum retten. Ein günstiges Zinsumfeld, super Renditen in der Vergangenheit und ein Mangel an Alternativen treiben die Anleger förmlich in die Arme der Buy-out-Fonds. Allen voran institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds und - keine Überraschung - Hedge-Funds, die im Arbitrage-Geschäft allein keine Zukunft sehen und nach einer hohen Verzinsung ihres Kapitals gieren. Alle sind sich einig: Wir sind die Größten. Das Partymotto lautet bescheiden: "Sky is the limit."
Die nackten Zahlen sind jedenfalls Beleg für den außerordentlichen Erfolg. Laut dem Branchendienst Private Equity Intelligence haben allein in Europa im vergangenen Jahr 42 neue Buy-out-Fonds insgesamt 45 Mrd. Euro aufgesogen. Die Performance ist zwar aufgrund der Illiquidität der Anteile und dem mehrjährigen Anlagehorizont schwer zu berechnen. Doch Schätzung des internen Zinssatzes - das ist die gängige Bewertungsmethode für langfristige Investitionen - liegen für die drei vergangenen Jahre bei deutlich über 20 Prozent.
Gute Laune dank Rekordrenditen
Es ist deshalb nicht überraschend, dass auch dieses Jahr neue Größenrekorde erwartet werden. 26 Fonds haben bisher 23 Mrd. Euro eingesammelt. Und die wirklichen Schwergewichte sind da noch gar nicht mitgerechnet: Die britische Beteiligungsgesellschaft Permira hat einen Fonds mit einem Volumen von 11 Mrd. Euro aufgelegt. "Wir gehören jetzt zu den vier größten Fonds auf globaler Basis", freut sich Permira-Deutschlandchef Thomas Krenz. Gute Laune, Prösterchen auf uns alle!
Wer jetzt Partyschreck spielen und die Gäste vor einem schweren Kater am nächsten Morgen bewahren möchte, hat natürlich einen schweren Stand und wird wahrscheinlich anfangs gar nicht ernst genommen Deshalb ist die erste Frage auch noch total harmlos.
Frage 1: "Was macht Sie eigentlich mit der ganzen Kohle?"
Klar, darauf sind ihre Gesprächspartner natürlich vorbereitet. Schließlich sind ja erstmals auch börsennotierte Schwergewichte in Reichweite. Bestes Beispiel für solch eine Mega-Transaktion ist der dänische Telekomkonzern TDC. Dann ist da der ganze Mittelstand, wo viele Nachfolgeregelungen noch nicht getroffen worden sind und das Management über eine Übernahme nachdenkt. Potenzial, wohin man blickt. Trotzdem ist die Frage nicht blöd. Das viele Geld will investiert sein. Und da ja viele auf den Private-Equity-Zug aufspringen - Investmentbanken und Hedge-Funds - wird der Markt hektisch nach Übernahmezielen abgegrast. Nicht jeder Börsenkonzern ist wirklich zu haben, nicht jeder Mittelständler aus dem Fränkischen will unbedingt verkaufen, und die großen Unternehmen gehen nach jahrelanger Zurückhaltung auch wieder in den Übernahmemodus. Schon lassen Marktbeobachter das alte Bonmot fallen, dass immer kommt, wenn eine Überhitzung droht: "There's too much money chasing too few deals." Wenn das so ist, droht die Gefahr, dass sich alle einen Preiskampf liefern und riskante Transaktionen durchführen.
Das führt direkt zu Frage 2: "Was ist da eigentlich bei Kiekert passiert?"
Das ist schon ein wenig unfair. Der Konter wird lauten, dass der Fall des hoch verschuldeten Automobilzulieferers Kiekert eine Ausnahme ist. Stimmt, doch das Problem dahinter reicht ein wenig tiefer. Im Kern geht es darum, dass die Buy-out-Fonds ihre Übernahmen größtenteils mit Schulden finanzieren, die sie dem gekauften Unternehmen aufbürden. Das geht natürlich dann umso besser, je tiefer die Schuldenquote und je höher der Cashflow des Kaufobjekts ist. Sonst droht der Kollaps, so zu beobachten bei Kiekert, wo die Gläubiger die Private-Equity-Eigner herausdrängen. Wenn die Beteiligungsgesellschaften nicht mehr ganz so wählerisch sein können, könnte sich solch ein Desaster wiederholen.
Die ersten Anzeichen dafür sind jedenfalls schon erkennbar. Laut Standard & Poor's LCD verschlechtern sich die Kennzahlen der gekauften Unternehmen zusehends. Einmal steigt der durchschnittliche Anteil kurzfristiger unbesicherter Verbindlichkeiten an den Gesamtschulden. Zum zweiten nimmt deren Rückzahlungsfähigkeit ab. Lag der EBITDA anno 2002 gemessen an den zu leistenden Zinszahlungen beim Faktor 4,25, so ist er im ersten Quartal 2006 deutlich auf 3,56 abgerutscht.
Daraus folgt Frage 3: "Was geschieht eigentlich, wenn Ihre Kreditgeber nicht mehr ganz so großzügig sind?"
Spätestens jetzt haben sie die angenehme Plauderatmosphäre erfrischend vergiftet. Denn in der Tat herrschen für den ambitionierten Schuldner momentan paradiesische Zustände. Die Preise sind günstig wie nie, zu sehen an den niedrigen Zinsdifferenzen auf dem Leveraged-Loan-Markt. Und das Tollste kommt noch: Von Kreditauflagen will eh keiner etwas wissen. Forderten Gläubiger vor drei Jahren noch eine Zinsdeckung von 2,96 - das bedeutet, dass das Unternehmen mit seinem operativen Ergebnis dreimal seine Zinslast stemmen kann -, so reichen heute schon 2,38. Sollten die Zügel wieder angezogen werden, sinken erstens die Renditen für die Investoren. Zweitens kann weniger Fremdkapital aufgenommen werden, um sich aus dem Erlös eine fette Dividende zu genehmigen. Mehr Eigenkapital muss also her. Und drittens wird früher der Stecker gezogen, wenn die Partymusik zu laut wird. Zum Schluss können sie wieder versöhnlich werden.
Frage 4: "Nervt Sie eigentlich das Wort Heuschrecke?"
Tobias Bayer: Der Buy-out-Partyschreck
Die Private-Equity-Branche hat angesichts zweistelliger Renditen und gigantischer Zuflüsse super Laune. Doch stellt sich die Frage, wie lange die Fete andauert - hier ein Fragenkatalog für Stimmungstöter.
Die Party läuft auf Hochtouren, die Stimmung ist grandios, die Gäste werden übermütig, lassen alle Hemmungen fallen. Und die Folgen kann sich jeder ausrechnen: Die Kopfschmerzen am Tag danach werden fürchterlich sein.
Heute fetet die Private-Equity-Branche. Sie kann sich vor Geld kaum retten. Ein günstiges Zinsumfeld, super Renditen in der Vergangenheit und ein Mangel an Alternativen treiben die Anleger förmlich in die Arme der Buy-out-Fonds. Allen voran institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds und - keine Überraschung - Hedge-Funds, die im Arbitrage-Geschäft allein keine Zukunft sehen und nach einer hohen Verzinsung ihres Kapitals gieren. Alle sind sich einig: Wir sind die Größten. Das Partymotto lautet bescheiden: "Sky is the limit."
Die nackten Zahlen sind jedenfalls Beleg für den außerordentlichen Erfolg. Laut dem Branchendienst Private Equity Intelligence haben allein in Europa im vergangenen Jahr 42 neue Buy-out-Fonds insgesamt 45 Mrd. Euro aufgesogen. Die Performance ist zwar aufgrund der Illiquidität der Anteile und dem mehrjährigen Anlagehorizont schwer zu berechnen. Doch Schätzung des internen Zinssatzes - das ist die gängige Bewertungsmethode für langfristige Investitionen - liegen für die drei vergangenen Jahre bei deutlich über 20 Prozent.
Gute Laune dank Rekordrenditen
Es ist deshalb nicht überraschend, dass auch dieses Jahr neue Größenrekorde erwartet werden. 26 Fonds haben bisher 23 Mrd. Euro eingesammelt. Und die wirklichen Schwergewichte sind da noch gar nicht mitgerechnet: Die britische Beteiligungsgesellschaft Permira hat einen Fonds mit einem Volumen von 11 Mrd. Euro aufgelegt. "Wir gehören jetzt zu den vier größten Fonds auf globaler Basis", freut sich Permira-Deutschlandchef Thomas Krenz. Gute Laune, Prösterchen auf uns alle!
Wer jetzt Partyschreck spielen und die Gäste vor einem schweren Kater am nächsten Morgen bewahren möchte, hat natürlich einen schweren Stand und wird wahrscheinlich anfangs gar nicht ernst genommen Deshalb ist die erste Frage auch noch total harmlos.
Frage 1: "Was macht Sie eigentlich mit der ganzen Kohle?"
Klar, darauf sind ihre Gesprächspartner natürlich vorbereitet. Schließlich sind ja erstmals auch börsennotierte Schwergewichte in Reichweite. Bestes Beispiel für solch eine Mega-Transaktion ist der dänische Telekomkonzern TDC. Dann ist da der ganze Mittelstand, wo viele Nachfolgeregelungen noch nicht getroffen worden sind und das Management über eine Übernahme nachdenkt. Potenzial, wohin man blickt. Trotzdem ist die Frage nicht blöd. Das viele Geld will investiert sein. Und da ja viele auf den Private-Equity-Zug aufspringen - Investmentbanken und Hedge-Funds - wird der Markt hektisch nach Übernahmezielen abgegrast. Nicht jeder Börsenkonzern ist wirklich zu haben, nicht jeder Mittelständler aus dem Fränkischen will unbedingt verkaufen, und die großen Unternehmen gehen nach jahrelanger Zurückhaltung auch wieder in den Übernahmemodus. Schon lassen Marktbeobachter das alte Bonmot fallen, dass immer kommt, wenn eine Überhitzung droht: "There's too much money chasing too few deals." Wenn das so ist, droht die Gefahr, dass sich alle einen Preiskampf liefern und riskante Transaktionen durchführen.
Das führt direkt zu Frage 2: "Was ist da eigentlich bei Kiekert passiert?"
Das ist schon ein wenig unfair. Der Konter wird lauten, dass der Fall des hoch verschuldeten Automobilzulieferers Kiekert eine Ausnahme ist. Stimmt, doch das Problem dahinter reicht ein wenig tiefer. Im Kern geht es darum, dass die Buy-out-Fonds ihre Übernahmen größtenteils mit Schulden finanzieren, die sie dem gekauften Unternehmen aufbürden. Das geht natürlich dann umso besser, je tiefer die Schuldenquote und je höher der Cashflow des Kaufobjekts ist. Sonst droht der Kollaps, so zu beobachten bei Kiekert, wo die Gläubiger die Private-Equity-Eigner herausdrängen. Wenn die Beteiligungsgesellschaften nicht mehr ganz so wählerisch sein können, könnte sich solch ein Desaster wiederholen.
Die ersten Anzeichen dafür sind jedenfalls schon erkennbar. Laut Standard & Poor's LCD verschlechtern sich die Kennzahlen der gekauften Unternehmen zusehends. Einmal steigt der durchschnittliche Anteil kurzfristiger unbesicherter Verbindlichkeiten an den Gesamtschulden. Zum zweiten nimmt deren Rückzahlungsfähigkeit ab. Lag der EBITDA anno 2002 gemessen an den zu leistenden Zinszahlungen beim Faktor 4,25, so ist er im ersten Quartal 2006 deutlich auf 3,56 abgerutscht.
Daraus folgt Frage 3: "Was geschieht eigentlich, wenn Ihre Kreditgeber nicht mehr ganz so großzügig sind?"
Spätestens jetzt haben sie die angenehme Plauderatmosphäre erfrischend vergiftet. Denn in der Tat herrschen für den ambitionierten Schuldner momentan paradiesische Zustände. Die Preise sind günstig wie nie, zu sehen an den niedrigen Zinsdifferenzen auf dem Leveraged-Loan-Markt. Und das Tollste kommt noch: Von Kreditauflagen will eh keiner etwas wissen. Forderten Gläubiger vor drei Jahren noch eine Zinsdeckung von 2,96 - das bedeutet, dass das Unternehmen mit seinem operativen Ergebnis dreimal seine Zinslast stemmen kann -, so reichen heute schon 2,38. Sollten die Zügel wieder angezogen werden, sinken erstens die Renditen für die Investoren. Zweitens kann weniger Fremdkapital aufgenommen werden, um sich aus dem Erlös eine fette Dividende zu genehmigen. Mehr Eigenkapital muss also her. Und drittens wird früher der Stecker gezogen, wenn die Partymusik zu laut wird. Zum Schluss können sie wieder versöhnlich werden.
Frage 4: "Nervt Sie eigentlich das Wort Heuschrecke?"
Quelle: ftd.de