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Aktien, Öl oder gar Schweinebäuche - die Terminbörsen boomen

Geschrieben

Aktien, Öl oder gar Schweinebäuche - die Terminbörsen boomen. Zwar beherrschen Profis den Handel. Pfiffige Privatanleger können aber durchaus mitmischen.

 

Viermal im Jahr steht an den Terminmärkten der dreifache Hexensabbat an. Am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember endet gleichzeitig die Laufzeit von Optionen und Futures. Das Geschrei der Future-Händler in Chicago legt dann noch um einige Dezibel zu. Und die wild gestikulierenden, bunt bekleideten Gestalten erinnern an eine karibische Sekte.

 

Ganz anders an der Eurex. Alles läuft lautlos ab – wie bei einer Geheimloge. Die deutsch-schweizerische Terminbörse arbeitet jedoch keineswegs im Dunkeln. Im Gegenteil: Ihr Erfolgsrezept ist hohe Transparenz und konsequenter Einsatz von Computern. Sämtliche Orders laufen über Datenleitungen, das Parkett ist abgeschafft.

 

Privatanleger schauen seit jeher mit Faszination und Misstrauen auf den Handel mit Futures und Optionen. „Ihr Wissen zu Terminmärkten erschöpft sich meist in nebulösen Vorstellungen“, sagt Markus Ross, Chef der Frankfurter Vermögensverwaltung Ceros. Mit kleinen Einsätzen ein riesiges Rad drehen, gigantische Gewinne einfahren oder durch Verluste Pleite machen. Die Königsklasse der Finanzmärkte eben. Und deshalb nur für Profis geeignet?

 

Keineswegs, denn die Einsatzmöglichkeiten der Derivate sind vielfältig. Nicht immer stehen riskante Spekulationen im Vordergrund. „Anleger können ihre Portfolios absichern oder mit überschaubarem Risiko Zusatzerträge generieren“, erklärt Ross. Zwar werden die Wenigsten selbst aktiv in das Termingeschehen eingreifen. Den Einsatz der modernen Finanzinstrumente mit dem Vermögensverwalter oder Bankberater zu besprechen, lohnt aber allemal. Das grundsätzliche Verständnis dieser Märkte hilft bei der Planung der eigenen Strategie.

 

Wachstum. Die Bedeutung der Terminbörsen zeigt sich vor allem in dem enormen Anstieg ihrer Umsätze. Die Zahl der beim Weltmarktführer Eurex gehandelten Kontrakte legte seit Ende der 90er Jahre rasant zu. Jagten Händler 1998 noch 248 Millionen Kontrakte durch die Computer, waren es 2005 rund 1250 Millionen. Die Eurex konzentriert sich dabei auf Produkte, die sich auf Aktien, Indizes und Zinssätze beziehen. Umsatzrenner ist der Bund-Future.

 

Terminprodukte auf Rohstoffe und weltweite Aktien können Anleger dagegen an den Börsen in Chicago, New York oder Tokio handeln. Ein internationales Engagement erfordert jedoch viel Erfahrung und entsprechendes Kapital. „Für deutsche Privatanleger dürfte das Eurex-Angebot erste Wahl sein, besonders bei den ersten Schritten an einer Terminbörse“, sagt Thomas Bauer, Terminmarktspezialist bei der DAB Bank.

 

Produkte. Beim Handel stehen zwei Typen von Kontrakten zur Auswahl: Futures und Optionen. Beides sind Derivate – Finanzprodukte, die sich auf einen bestimmten Basiswert beziehen. Das kann eine Aktie, ein Index, ein Zinssatz, ein Devisenkurs oder ein Rohstoff sein. Der Erfindungsreichtum kennt dabei kaum Grenzen: Inzwischen handeln Anleger in den USA sogar Produkte auf die Wetterlage oder die Entwicklung von Immobilienpreisen.

 

Futures und Optionen sind allerdings keine Wertpapiere, sondern Verträge, die Käufer und Verkäufer bestimmte Rechte und Pflichten geben. Diese Kontrakte handeln Profis nicht nur an Terminbörsen. „Individuell vereinbarte Produkte sind bei den institutionellen Investoren gang und gäbe“, sagt Martin Schüssel, Leiter des Terminhandels für Privatanleger bei der Hypovereinsbank. Bei solchen Over-the-Counter-Geschäften (OTC) werden die Bedingungen frei ausgehandelt.

 

Das große Plus der Terminbörsen ist dagegen die Standardisierung und die Liquidität. „Wer sich hier engagiert, kann auch kurzfristig ein- und aussteigen, da reger Handel besteht“, erklärt Schüssel. „Auch die Preisbildung ist an den regulierten Märkten transparenter als im OTC-Geschäft.“

 

Zu Letzterem zählen auch Optionsscheine und Zertifikate. Hier verpacken die Banken Futures und Optionen sowie Strategien mit diesen Produkten in Wertpapiere. Obwohl sie ebenfalls an der Börse notieren, sind Anleger bei der Preisstellung auf den Emittenten angewiesen. Ein Handel zwischen den Anlegern findet praktisch nicht statt. Profis legen aber Wert auf hohe Transparenz und faire Preise. Sie tummeln sich daher an den regulierten Terminbörsen.

 

Risiko. „Ein wichtiger Unterschied zwischen Spekulationen an den Aktien- und Terminmärkten ist der Zeitfaktor“, betont Ingo Hillen, Vorstand des Online-Brokers Sino. Wer auf eine Aktie setzt, kann meist verschmerzen, wenn sich das Papier zunächst schlechter entwickelt als erwartet. Sofern er das Kapital nicht dringend braucht, sitzt er diese Phase einfach aus. Anders am Terminmarkt: Futures und Optionen besitzen eine begrenzte Laufzeit. „Sollte sich beim Future der Markt während der Laufzeit negativ entwickeln, entstehen reale Verluste“, warnt Vorstand Hillen.

 

Ihre Höhe hängt vom gewählten Derivatetyp und der Strategie ab. „Besonders bei Futures sollten Investoren das Risiko nicht unterschätzen“, warnt Stefan Müller, Terminmarktspezialist bei Cortal Consors. Denn hier sind Anleger in der Pflicht: Bei einem Future muss der Verkäufer zu einem festen Preis an einem fixen Zeitpunkt eine bestimmte Menge des Basiswerts liefern. Der Käufer hat die Pflicht, die Aktie oder Anleihe zu diesem Zeitpunkt zu übernehmen – zum vereinbarten Festpreis.

 

 

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Chancen. Beim Abschluss des Geschäfts hinterlegen die Investoren lediglich eine Sicherheit – die so genannte Margin. Beispiel Euro-Stoxx-Future: Einen Indexpunkt bewertet die Eurex mit zehn Euro. Bei einem Stand von 3600 Punkten entspricht der Kontraktwert daher 36000 Euro. Als Margin müssen Investoren 265 Punkte – also 2650 Euro – hinterlegen. Steigt der Euro Stoxx um 100 Punkte, legt der Future-Kurs ebenfalls um 100 Punkte zu. Bezogen auf den Einsatz von 2650 Euro entspricht der Gewinn von 1000 Euro einem Plus von rund 38 Prozent – obwohl der Index nur um 2,8 Prozent zugelegt hat. Anleger handeln also mit einer Hebelwirkung von rund 14.

 

„Das gilt natürlich auch bei einem Absturz des Basiswerts“, warnt DAB-Händler Bauer. Die Margin deckt zwar erste Verluste. Sobald sie aufgebraucht ist, fordert die Eurex jedoch frisches Kapital. Andernfalls wird die Position sofort geschlossen. Banken und Broker verlangen von den Kunden daher meist das 1,5-fache der Eurex-Margin oder sogar noch mehr. Anleger können bei Future-Spekulationen also mehr als ihren Einsatz verlieren.

 

Weniger riskant ist das Geschäft mit Optionen. Zumindest für den Käufer: Bei der Call-Option zahlt er dafür, dass er den Basiswert zu einem bestimmten Zeitpunkt kaufen darf, und zwar zu einem vorher festgelegten Preis. Umgekehrt beim Put: Der Optionskäufer hat das Recht, zum vereinbarten Preis zu verkaufen. Beide verlieren im schlimmsten Fall allerdings ihren Einsatz.

 

© 2006 capital.de, © Illustration: capital.de, © Foto: dpa

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