Keine Verlagerung der regulatorischen Zuständigkeit in die USA
hln. London 14. Juni
Eine Übernahme der London Stock Exchange (LSE) durch einen amerikanischen Käufer wird nicht zwangsläufig dazu führen, dass die in London kotierten Unternehmen in den Einflussbereich der US-Regulatoren geraten. Mit dieser Auffassung versucht die britische Finanzaufsichtsbehörde Financial Services Authority (FSA), die Gemüter in der Londoner City zu beruhigen; in Grossbritannien wird einem möglichen Erwerb der LSE durch die amerikanische Technologiebörse Nasdaq mit Skepsis begegnet.
In einer Pressemitteilung bekräftigte die FSA, dass ein reiner Eigentümerwechsel bei der LSE die Zuständigkeiten der FSA für das Kotierungs- Regime und die Überwachung der Kapitalmarkt- Regeln nicht verwässern oder gar ersetzen würde. Anders wäre es allerdings, wenn es zu einer völligen Harmonisierung der Marktregeln käme und die LSE gänzlich aus dem Ausland betrieben würde. Seitdem die Nasdaq sich im April nach einem ersten gescheiterten Übernahmeversuch mit einer Beteiligung von gut 25% bei der LSE einkaufte, beschäftigt man sich in der City mit Szenarien, bei denen ein amerikanischer Eigentümer Kontrolle über die LSE erhält. Dabei gibt es Befürchtungen, dass US-Regulatoren eine für sie charakteristische Einmischungspolitik fahren würden. Die FSA erklärte jedoch, dass sie und die amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) nicht dieser Auffassung seien.
Die FSA konzediert aber, dass eine Konsolidierung und Harmonisierung von Kotierungs- und Mitgliedschaftsregeln, wie sie von einem Käufer wie der Nasdaq langfristig durchaus angestrebt werden könnte, neue regulatorische Fragen aufwerfen dürfte. Würde der Londoner Aktienmarkt in Zukunft gänzlich aus den USA betrieben, müssten auch LSE-Mitglieder und dort kotierte Unternehmen sich bei der SEC registrieren und von ihr kontrollieren lassen. Bisher konzentrierten sich die Befürchtungen der Londoner Marktteilnehmer, die vor allem von der Retailbroker-Vereinigung Apcims ventiliert wurden, auf den Anwendungsbereich der Sarbanes- Oxley-Gesetzgebung, der sich alle ausländischen Unternehmen unterwerfen müssen, die eine Kotierung in den USA aufweisen oder anstreben. Da sich die Erfüllung der Sarbanes-Oxley-Bestimmungen als aufwendig und teuer erweist und ausserdem die Gefahr mit sich bringt, dass sich Führungskräfte bei Vergehen den amerikanischen Gerichten stellen müssen, sind insbesondere auch Unternehmen aus Schwellenländern zurückhaltender mit ihren Plänen, sich in den USA kotieren zu lassen. Dies wiederum hat der Londoner Börse zu einem regelrechten Kotierungs-Boom verholfen, wobei vor allem Unternehmen aus Russland, aber auch indische und chinesische Firmen Interesse zeigen. Ihnen kommt das relativ laxe und kostengünstige Kotierungs-Regime für den Londoner Junior-Markt Alternative Investment Market (AIM) entgegen.
Keine Verlagerung der regulatorischen Zuständigkeit in die USA
hln. London 14. Juni
Eine Übernahme der London Stock Exchange (LSE) durch einen amerikanischen Käufer wird nicht zwangsläufig dazu führen, dass die in London kotierten Unternehmen in den Einflussbereich der US-Regulatoren geraten. Mit dieser Auffassung versucht die britische Finanzaufsichtsbehörde Financial Services Authority (FSA), die Gemüter in der Londoner City zu beruhigen; in Grossbritannien wird einem möglichen Erwerb der LSE durch die amerikanische Technologiebörse Nasdaq mit Skepsis begegnet.
In einer Pressemitteilung bekräftigte die FSA, dass ein reiner Eigentümerwechsel bei der LSE die Zuständigkeiten der FSA für das Kotierungs- Regime und die Überwachung der Kapitalmarkt- Regeln nicht verwässern oder gar ersetzen würde. Anders wäre es allerdings, wenn es zu einer völligen Harmonisierung der Marktregeln käme und die LSE gänzlich aus dem Ausland betrieben würde. Seitdem die Nasdaq sich im April nach einem ersten gescheiterten Übernahmeversuch mit einer Beteiligung von gut 25% bei der LSE einkaufte, beschäftigt man sich in der City mit Szenarien, bei denen ein amerikanischer Eigentümer Kontrolle über die LSE erhält. Dabei gibt es Befürchtungen, dass US-Regulatoren eine für sie charakteristische Einmischungspolitik fahren würden. Die FSA erklärte jedoch, dass sie und die amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) nicht dieser Auffassung seien.
Die FSA konzediert aber, dass eine Konsolidierung und Harmonisierung von Kotierungs- und Mitgliedschaftsregeln, wie sie von einem Käufer wie der Nasdaq langfristig durchaus angestrebt werden könnte, neue regulatorische Fragen aufwerfen dürfte. Würde der Londoner Aktienmarkt in Zukunft gänzlich aus den USA betrieben, müssten auch LSE-Mitglieder und dort kotierte Unternehmen sich bei der SEC registrieren und von ihr kontrollieren lassen. Bisher konzentrierten sich die Befürchtungen der Londoner Marktteilnehmer, die vor allem von der Retailbroker-Vereinigung Apcims ventiliert wurden, auf den Anwendungsbereich der Sarbanes- Oxley-Gesetzgebung, der sich alle ausländischen Unternehmen unterwerfen müssen, die eine Kotierung in den USA aufweisen oder anstreben. Da sich die Erfüllung der Sarbanes-Oxley-Bestimmungen als aufwendig und teuer erweist und ausserdem die Gefahr mit sich bringt, dass sich Führungskräfte bei Vergehen den amerikanischen Gerichten stellen müssen, sind insbesondere auch Unternehmen aus Schwellenländern zurückhaltender mit ihren Plänen, sich in den USA kotieren zu lassen. Dies wiederum hat der Londoner Börse zu einem regelrechten Kotierungs-Boom verholfen, wobei vor allem Unternehmen aus Russland, aber auch indische und chinesische Firmen Interesse zeigen. Ihnen kommt das relativ laxe und kostengünstige Kotierungs-Regime für den Londoner Junior-Markt Alternative Investment Market (AIM) entgegen.
Quelle: NZZ