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Widerstand gegen die Übernahme der Euronext

Geschrieben

Deutsche Börse wittert Morgenluft

 

Neue Gespräche in Brüssel und Paris - In Frankreich wächst der Widerstand gegen die Übernahme der Euronext durch Nyse

 

von Stefan Keidel

 

München - Im Kampf um Euronext hat die Deutsche Börse offenbar wieder bessere Chancen, den Konkurrenten New York Stock Exchange (Nyse) doch noch zu übertrumpfen. Nachdem sowohl Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz als auch der Vorstandsvorsitzende Reto Francioni in der vergangenen Woche in Paris bei politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern sowie Euronext-Aktionären um eine Fusion geworben haben, soll sich angeblich ein Stimmungsumschwung zugunsten einer europäischen Börsenkonsolidierung abzeichnen.

 

Viermetz will nach Informationen der WELT diese neue Chance für Frankfurt nutzen und spricht noch heute in Brüssel mit Wettbewerbshütern und Euronext-Aktionären. Am Donnerstag führt die Frankfurter Börsenleitung dann erneut Gespräche mit Aktionärsgruppen, Politikern und der Börsenaufsicht in Paris. Am kommenden Montag läßt sich der Aufsichtsrat der Deutschen Börse dem Vernehmen nach vom Vorstand über die Situation im Tauziehen um Euronext berichten. Dabei soll die Grenze gezogen werden, wie weit das Management auf Euronext zugehen darf und ob die Fusionsbemühungen gegebenenfalls beendet werden sollen. Auf der Vorstandssitzung am vergangenen Montag hatte Francioni seinen Kollegen über seine Gespräche berichtet. Außerdem diskutierte der Vorstand über das weitere Vorgehen.

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Vor knapp zwei Wochen hatten Euronext-Chef Jean-Francois Théodore und Nyse-Boss John Thain überraschend schnell die Übernahme von Euronext durch die Amerikaner angekündigt. Gleichzeitig wurden die Fusionsgespräche mit Frankfurt für beendet erklärt. Sitz der geplanten transatlantischen Börse "Nyse Euronext" wäre New York, Thain würde Vorstandsvorsitzender. Der Euronext-Verbund besteht bisher aus den Aktienbörsen Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon sowie dem Londoner Terminmarkt Liffe.

 

Seit dem Votum des Euronext-Managements für die Nyse werben sowohl Théodore als auch die Deutsche Börse bei den Aktionären um Zustimmung für ihre Pläne. Mittlerweile sprachen sich die Regierungen in Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien für eine Fusion von Euronext und Deutscher Börse aus. Durch die positive Resonanz seitens der Politik und von einzelnen Euronext-Aktionärsgruppen ermutigt, wollen Viermetz und Francioni in den neuerlichen Gesprächen mit "dem offiziellen Frankreich" unter anderem anbieten, die routinemäßigen Vorstandssitzungen einer fusionierten Europa-Börse nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Paris abzuhalten. Größere Zugeständnisse - auch finanzieller Art - seien aber nicht geplant. Vielleicht sind sie auch nicht notwendig.

 

So soll sich die französische Notenbank nun ebenso für eine Fusion mit Frankfurt aussprechen wie zuvor der Finanzminister und Staatspräsident Jacques Chirac. Dies bedeute aber nicht automatisch Zustimmung für eine Fusion mit Frankfurt, hieß es. Auch in der französischen Wirtschaft formiert sich allmählich Widerstand gegen die Nyse. Unternehmen und Banken stünden den Plänen von Théodore zunehmend kritisch gegenüber. Die Unternehmen fürchten den Einfluß der US-Börsenaufsicht SEC. Die Pariser Banken diskutieren gegenwärtig mögliche Nachteile im Wettbewerb mit US-Instituten, wenn das "Herz ihres Finanzplatzes", Euronext, nur Juniorpartner der USA sei.

 

Quelle: Welt.de

Featured Replies

Geschrieben
  • Autor

„Deutsche Börse kann bei Kampf um Euronext nicht mithalten“

 

Die Deutsche Börse hat nach Ansicht des Chefs der New York Stock Exchange (Nyse) beim Übernahmekampf um die Euronext keine guten Karten.

 

 

HB NEW YORK. Nyse-CEO John Thain sagte am Freitag dem Fernsehsender CNN: „Ich glaube nicht, dass die Deutsche Börse von einem strategischen Gesichtspunkt her mithalten kann, da es keinen Weg gibt, wie die Kombination von Euronext und Deutsche Börse jemals so wettbewerbsfähig oder stark und mächtig sein kann, wie die Kombination von Nyse und Euronext es sein wird.“

 

Zudem glaube er nicht, dass die Deutsche Börse finanziell mithalten könne.

 

Die Euronext und die Nyse wollen sich zur weltgrößten und ersten transatlantischen Börse zusammenschließen. Auch die Deutsche Börse interessiert sich für die Euronext.

 

 

Quelle: Handelsblatt

  • 4 Wochen später...
Geschrieben
  • Autor

Nyse und Euronext treiben Verhandlungen voran - Mehrländerbörse macht Entscheidung über Fusion aber vom Votum der Regulierer abhängig

 

Von Stefan Keidel, Karsten Seibel und Gesche Wüpper

 

Paris/Frankfurt/München - Im weltweiten Wettstreit um eine Börsenkonsolidierung sieht sich Euronext bei seinen Fusionsplänen mit der New York Stock Exchange (Nyse) immer größeren Widerständen gegenüber. Neben der französischen Politik sprächen sich auch immer mehr Unternehmen und Finanzplatzakteure gegen die geplante transatlantische Super-Börse aus, erfuhr die WELT aus Paris. Dies bedeute aber nicht automatisch, daß die Deutsche Börse zum Zuge komme, die ebenfalls ein Übernahmeangebot für die von Paris dominierte Mehrländerbörse abgegeben hat. Eine endgültige Entscheidung müßten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Euronext-Aktionäre treffen. Diese wurde bisher nicht einberufen.

 

Ein Nyse-Sprecher betonte auf Anfrage, die Fusion läge im Zeitplan. Aus Fusionskreisen verlautete, Top-Manager von Nyse und Euronext hätten am Dienstag auf einem "Integrations-Treffen" die Umsetzung der Übernahme vorangetrieben. Auch Euronext äußerte sich positiv zum Stand der Verhandlungen. "Das Fusionsprojekt kommt gut voran", so eine Euronext-Sprecherin. Es gebe einen regelmäßigen Austausch zwischen New York und Euronext. Sie machte aber noch einmal deutlich, daß vor einem Zusammenschluß zwei Bedingungen erfüllt sein müßten. Erstens müßten die Regulierer grünes Licht geben, zweitens die Aktionäre. So bald sich die zuständigen Börsenaufsichten geäußert hätten, werde Euronext eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Dies wird frühestens zum Jahresende erwartet.

 

Mit Spannung warten die Akteure auf das Votum von Henri Lachmann. Dem Ex-Chef von Schneider Electric wird im Börsenpoker eine Schlüsselstellung eingeräumt, wurde er doch von der einflußreichen Finanzplatz-Paris-Vereinigung Europlace beauftragt, die beiden Übernahmeangebote von Nyse und der Deutschen Börse auf Auswirkungen auf den eigenen Finanzplatz abzuklopfen. Das Ergebnis gilt als Vorentscheidung, für welches Angebot sich die Pariser Politik und die Marktteilnehmer aussprechen werden. Ohne eine Zustimmung von Paris gilt eine Übernahme durch die Nyse als nicht machbar. Bis Freitag müssen die Kontrahenten im Ringen um Euronext einen von Lachmann verschickten Fragebogen beantworten.

 

Aus dem Umfeld von Lachmann selbst heißt es, eine transatlantische Börse dürfte langfristig die Bedeutung von Paris in dem Maße schmälern, wie New York als Sitz einer Superbörse an Einfluß gewinne. Zudem bestünde bei einer echten Integration die Gefahr, daß die US-Aufsicht SEC Einfluß auf Europas Unternehmen und aufs Regelwerk nehme, was nicht im Interesse von Paris sei. Lachmann will Ende Juli sein Ergebnis mitteilen.

 

Ob sich Lachmann für eine Übernahme von Euronext durch Frankfurt aussprechen werde, gilt als offen. Die Hängepartie könnte noch andauern, wenn er sich nicht eindeutig für eine europäische Lösung ausspreche. Für diesen Fall erwarten Finanzkreise einen Eil-Antrag von Euronext-Aktionären zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, um möglichst schnell eine Entscheidung herbeizuführen. Dafür sind zehn Prozent notwendig.

 

Quelle: welt.de

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