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Der Coup der Allianz.

Geschrieben

Drei Bemerkungen zur Fusion zwischen Commerzbank und Dresdner Bank

von Jörg Huffschmid, 2.September 2008

 

1. Wer hat hier eigentlich wen gekauft?

 

Offiziell hat die Commerzbank die Dresdner Bank übernommen, und sie zahlt der Allianz

dafür knapp 10 Mrd. Euro. In Wirklichkeit aber hat die Allianz die Commerzbank gekauft:

Sie wird im ersten Schritt mit 18% größter und im zweiten Schritt mit knapp 30% mit großem

Abstand noch größerer Aktionär der Commerzbank und dadurch in der Lage sein, dieses

Institut zu dominieren. Ein ziemliches Meisterstück in vier Teilen. Die Allianz wird erstens

eine marode Bank los, die ihr immer wieder die Bilanz verhagelt hat. Sie erhält zweitens beherrschenden

Einfluss auf eine sehr viel größere (und vielleicht effizientere) Bank - die sie

aber nicht in ihrer Bilanz konsolidieren muss. Die Erklärung, dass diese Beteiligung als reine

Finanzbeteiligung betrachtet werde, also keinen Einfluss auf die Unternehmensführung der

neuen Commerzbank genommen werden soll, dient der Beruhigung des aktuellen Commerzbank-

Managements, kann aber nicht ernst genommen werden. Der Grössaktionär wäre verrückt,

wenn er die mit dieser Position verbundenen Einflussmöglichkeiten nicht zumindest

mittelfristig kräftig nutzen würde. Drittens stärkt die Allianz ihr Investment-Geschäft durch

die Übernahme und Eingliederung der Cominvest. Viertens beendet sie zum einen das Kuddelmuddel

der Allfinanzstrategie, die nie funktioniert hat, weitet zum anderen gleichzeitig ihr

Vertriebsnetz für Versicherungen aus und wird überdies in Kürze einen Konkurrenten auf

dem deutschen Markt los, Wenn 2010 der Kooperationsvertrag zwischen Commerzbank und

der italienischen GMB Generali ausläuft und die Commerzbank dann nur noch Allianz-

Policen vertreibt. Chapeau, Mr. Diekmann.

 

2. Wer hat sonst noch Vorteile von der Fusion?

 

Niemand.

Die ArbeitnehmerInnen ohnehin nicht. Der engere Zweck der Fusion ist Kostensenkung durch

Arbeitsplatzabbau. Insgesamt werden 9.000, in Deutschland 6500 Stellen fortfallen, das sind

insgesamt gut 13%, in Deutschland gut 14% aller Stellen. Wie das ohne betriebsbedingte

Kündigungen geschehen soll (zumindest drei Jahre lang) ist einigermaßen rätselhaft. Ohne

große Härten für die weiterhin Beschäftigten wird es jedenfalls nicht abgehen, und die 9500

Arbeitsplätze sind auf jeden Fall weg.

Aber auch die KundInnen der neuen Bank werden keine Vorteile, sondern nur Nachteile von

der Fusion haben. Insgesamt wird es weniger Bankfilialen, weniger KundenberaterInnen, also

weniger Wahlmöglichkeiten geben. Der Konzentrationsgrad auf dem deutschen Bankenmarkt

nimmt zu, die Wettbewerbsintensität nimmt ab. Das wird zu einer schlechteren und teureren

Versorgung mit Bankdienstleistungen führen.

Nicht einmal der Finanzplatz Deutschland wird gestärkt. Zum einen werden die beiden Banken

in den nächsten Jahren mit ihrer Integration beschäftigt sein und für eine Positionierung

der neuen Großbank als relevanten global player weder Zeit noch Mittel haben. Ob die Integration

gelingt, ist keinesfalls sicher; es gibt jedenfalls mehr Beispiele für gescheiterte als für

erfolgreiche Großfusionen. Selbst bei gelingender Integration wäre die neue Commerzbank

aber immer noch zu klein, um sich aus eigener Kraft im globalen Bankenmarkt durchzusetzen.

Das gelingt sogar der Deutschen Bank nur sehr begrenzt, und die ist immer noch mehr

als doppelt so groß wie die um die Dresdner Bank vergrößerte Commerzbank.

 

3. Hätte es Alternativen zu dieser Fusion gegeben?

 

Sogar zwei.

Die erste hätte darin bestanden, dass die Allianz der Dresdner Bank richtig unter die Arme

gegriffen und geholfen hätte, eine attraktive Bank auf dem deutschen Massenmarkt zu werden:

durch den Ausbau der Dienstleistungen und Beratungstätigkeit, durch Personalaufbau

statt -abbau, bessere Konditionen etc. Das hätte die Allianz Geld gekostet, aber am Ende hätte

sich eine solche Politik sogar auch wirtschaftlich auszahlen können, jedenfalls eher als die

Politik des Verhungernlassens am ausgesteckten Arm. Diese Alternative ist zugegebenermaßen

sehr unrealistisch, weil sie ein geradezu heroisches Maß an Verantwortung und langfristigem

strategischen Denken erfordert hätte.

Die zweite Alternative hätte darin bestanden, den chinesischen Bewerber, die China Development

Bank (CDB) zum Zuge kommen zu lassen. Der hätte nicht nur noch mehr gezahlt, er

hätte auch weniger Arbeitsplätze gekostet, wäre für die KundInnen besser gewesen und hätte

den Finanzplatz Deutschland gestärkt. Für die Arbeitnehmer wäre diese Lösung besser gewesen,

weil die CDB nach der Übernahme der Dreba keine Doppelkapazitäten bei Zweigstellen

und Beschäftigung zu bereinigen hätte, weil sie keine hat. Sie würde erstmals in den deutschen

Markt einsteigen und natürlich auf Expansion schalten. Die alte Filiale der Dresdner

Bank am Platz gegenüber der Commerzbank würde nicht geschlossen, sondern als Dresdner-

CDB Bank weiterbestehen. Die KundInnen hätten mehr Wahlmöglichkeiten gehabt, der

Wettbewerb hätte zu- und der Monopolgrad abgenommen. Und der Finanzplatz Deutschland

wäre dadurch gestärkt worden, dass die Dreba-CDB über ihren Eigentümer aus dem Stand

exzellente internationale Verbindungen gehabt hätte. Die in vielen anderen Fällen berechtigte

Furcht vor der Unkalkulierbarkeit ausländischer Investoren hätte hier keine Grundlage gehabt:

Das Interesse der CDB bestand im Einstieg in den deutschen Massenmarkt und in der Schaffung

eines Ausgangspunktes für weitere Expansionen in Europa. Verlagerungsgefahr bestand

– anders als dies oft beim Einstieg in Technologiefirmen der Fall ist – in diesem Fall nicht,

denn es ging der CDB um Fußfassen. Insofern hat die Allianz – die natürlich an der Commerzbank-

Lösung ein massives Interesse hatte – erfolgreich auf dem Klavier einer dumpfen

und rational nicht begründbaren Ausländerfurcht in der Öffentlichkeit und bei den Beteiligten

gespielt.

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