[...]Eine Tür öffnet sich und zehn Blondinen mit schwarzen engen Kostümen treten in den Raum: Unsere Ginis, die uns mit einem persönlichen Beratungsgespräch auf die Gewinnerstraße hieven sollen. Meine Blondine heißt Susan und ist sicher nicht älter als 25 Jahre. "Wie kann ich Ihnen helfen?", fragt sie freundlich. Ich erkläre ihr, dass ich seit acht Monaten in London lebe (stimmt), die hohen Mieten mir auf die Nerven gehen (stimmt), ich 50.000 Pfund von Oma geerbt habe (stimmt nicht), 50 000 Pfund pro Jahr verdiene (stimmt auch nicht) und absolut keinen Schimmer von Immobilien habe, aber gern eine kleine Wohnung für mich selber kaufen würde. Susan ist begeistert. Mit 50.000 Pfund Eigenkapital sei ich eine sehr solvente Kundin. "Wir machen Folgendes: Wir suchen Ihnen eine Wohnung für 100.000, die aber 150.000 Pfund wert ist. Sie bezahlen 15 Prozent Einlage, für den Rest besorgen wir eine Hypothek."
Nach sechs Monaten könne ich refinanzieren, also die Wohnung schätzen lassen, und weil sie natürlich mehr wert sein wird, den Hypothekenvertrag ändern. "Da kriegen Sie etwa 32.500 Pfund cash zurück." Dann solle ich zwei weitere Wohnungen kaufen - zum Vermieten. Ebenfalls etwa 100.000 Pfund wert, mit 25.000 Pfund Einlage. "Wir refinanzieren dann wieder, kriegen neues Kapital und zack, kaufen wir Ihnen nächstes Jahr noch zwei weitere Wohnungen." Schon sind die von Anthony erwähnten fünf Wohnungen zusammen und meine Rente sicher. Wenn man mal davon absieht, dass ich nach dieser Rechnung 467.500 Pfund Schulden hätte, die ich in den nächsten 25 Jahren abbezahlen soll.[...]
London kann vom Immobilienrausch nicht lassen