Arte.tv - Filmtipp
Wann f?llt das Dax All-Time High 21 Benutzer abgestimmt
-
1.
-
Juli28%2
-
August0%0
-
September14%1
-
Oktober14%1
-
November0%0
-
Dezember14%1
-
nicht in 200728%2
-
Bitte melde Dich an oder registriere Dich, um an dieser Umfrage teilzunehmen.
Montag, 16. Februar 2009 um 21.00 Uhr
Wiederholungen:
24.02.2009 um 14:45
04.03.2009 um 14:45
05.03.2009 um 00:30
Die Offizierskammer
(Frankreich, 2001, 128mn)
ARTE F
Regie: Francois Dupeyron
Kamera: Tetsuo Nagata
Musik: Jean-Michel Bernard
Schnitt: Dominique Faysse
Darsteller: Andre Dussolier (Arzt), Denis Podalydes (Henri), Eric Caravaca (Adrien), Grégori Derangère (Pierre), Géraldine Pailhas (Clémence), Isabelle Renauld (Marguerite), Jean-Michel Portal (Alain), Sabine Azéma (Anaïs)
Autor: François Dupeyron, nach dem Roman von Marc Dugain
Produktion: ARP Sélection, France 2 Cinéma
Produzent: Laurent Pétin, Michèle Pétin
August 1914: Der junge Leutnant Adrien wird beim Eintreffen der deutschen Truppen in Frankreich von einer Granate im Gesicht schwer verletzt. Fortan verbringt er den Krieg in einem Militärkrankenhaus, in einem Zimmer, das speziell für Offiziere vorgesehen ist. Dort findet er langsam wieder zum Leben zurück.
August 1914: Der junge Leutnant Adrien wird von einer Granate schwer im Gesicht verletzt. Zutiefst verängstigt und der Fähigkeit zu sprechen beraubt, findet er sich in einem Krankenzimmer für Offiziere im Militärkrankenhaus Val de Grâce in Paris wieder. Dort verbringt er Kriegszeit, in einem Raum, in dem es keine Spiegel gibt. Hier wird er gesund gepflegt, stets begleitet von der angstvollen Ahnung, dass sein Gesicht schwer entstellt sein muss. Allein in den schockierten Blicken der Besucher, Krankenschwestern und Ärzte spiegelt sich eine Vermutung dessen wieder, was er befürchtet. Die Anblicke seiner Mitpatienten, die das Offizierszimmer fast als Gruselkabinett erscheinen lassen, beflügeln seine Fantasie zusätzlich.
Langsam kommt Adrien wieder zu Kräften und wagt eines Tages den mutigen Schritt: Er betrachtet sich in einer Fensterscheibe. Der Schock ist groß, denn seine rechte Gesichtshälfte wurde komplett zerstört, sein Mund ähnelt einer klaffenden Höhle. Voller Verzweiflung will Adrien sich umbringen, doch er bricht weinend, mit der Pistole in der Hand, zusammen.
Erst durch die liebevolle Pflege der Krankenschwestern und Ärzte und vermöge der Anwesenheit der anderen Patienten, lernt er nach und nach, sich zu akzeptieren. In der wohlbehüteten Welt des Offizierszimmers, in der alle Männer das gleiche Schicksal teilen, kommt Adrien wieder zu sich selbst. Doch auch die Welt außerhalb gilt es, eines Tages wieder zu betreten. Und dort, wo er nicht mehr nur einer unter seinesgleichen ist, sondern als entstellt und hässlich auffällt, muss Adrien die Herausforderung annehmen, wieder in ein normales Leben zurückzufinden ...
François Dupeyrons "Die Offizierskammer" zeigt in stimmungsvollen und ruhigen Bildern den Kampf eines Mannes mit der bitteren Wirklichkeit. Schonungslos und realistisch führt uns der Regisseur dabei die furchtbaren Entstellungen, die Kriegsverletzungen mit sich bringen können, vor Augen. In einem Zimmer, das den eigentlichen Krieg ausschließt, ficht Adrien seinen eigenen Krieg aus: für ein neues Leben, für die Akzeptanz seines Äußeren und gegen seine Scham vor anderen, besonders vor Frauen. Doch Adriens Verzweiflung über sein neues Aussehen und seine Angst davor, nie wieder eine Frau zu finden, wird relativiert durch die anderen Patienten, die wie er durch den Krieg entstellt wurden und dasselbe Schicksal teilen. In der Welt des Offizierszimmers gibt es kein Ekel, keine Abscheu voreinander. Dort fühlt jeder das Gleiche, dort sieht jeder gleich aus.
Die langsame Regenerierung Adriens wird dabei von der ruhigen und detailhaften Kameraführung Tetsuo Nagatas gezeichnet, die dem Zuschauer Adriens Anblick, genauso wie dem Verletzten selbst, erst im Moment seines Blickes in die Fensterscheibe offenbart. Und wenn die Kamera beispielsweise langsam über Adriens Körper fährt, während dessen angstvolle Gedanken zu hören sind, baut sich eine unglaubliche Spannung auf, die gerade dadurch gesteigert wird, dass Adriens Gesicht nicht zu sehen ist. Tetsuo Nagata wurde für die beste Kameraführung 2002 mit dem César ausgezeichnet.
Regisseur François Dupeyron ("Die Maschine" 1994, "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran", 2003) gelingt mit diesem Film, der dem gleichnamigen Roman von Marc Dugain nachempfunden ist, eine unvergleichliche Ode an die Fähigkeiten und Stärken der menschlichen Psyche, die schrecklichsten Erlebnisse und Verletzungen zu überstehen und trotz allem wieder zu einem normalen und glücklichen Leben zurückzufinden.
Seit die Menschheit existiert, führt sie Kriege. Seit das Kino existiert, gibt es Filme darüber. ARTE setzt mit seinem Schwerpunkt "Kino an der Front" auf sechs große Kriegsfilme, die aus den verschiedensten Blickwinkeln die Thematik des Krieges beleuchten. Neben Deutschen und Franzosen stehen sich Nordkoreaner und Südkoreaner, Franzosen und Algerier und sogar Amerikaner und Aliens an der Front gegenüber. In "La chambre des officiers" ficht ein junger Lieutnant seinen eigenen Krieg, während "Brotherhood" die Geschichte von zwei Brüdern erzählt, die in Korea zwangsrekrutiert werden. "Der Verrat" thematisiert die Frage nach Vertrauen im Algerienkrieg und in "Mars Attacks!" wollen schrille Aliens die Erde unter ihre Gewalt bringen.
Empfohlene Kommentare