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Preis-Zeit-Priorität - Ausführung an der Börse

Geschrieben

Ich start das ganze mal im Chit Chat, da es (wie von mir so oft) ein eher konstruiertes Beispiel/Frage ist, die aber für mich derzeit ziemlich interessant ist:

 

Setting eine "richtige" Börse (EUREX oder so also kein CFD Zeug).

Nehmen wir an es gibt nur 2 Orders im Orderbuch: ein LimitBuy zu 900 und ein LimitSell zu 1000 (beide Größe 1). Jetzt kommt eine LimitBuy mit Limit 1000 und wird natürlich gegen die LimitSell ausgeführt, der letzte Kurs steht damit bei 1000. (korrigiert mich wenn ich wo falsch liege).

Jetzt kommt eine LimitSell herein mit Limit 950, wird nicht ausgeführt (da nächstes LimitBuy bei 900 steht) also ins Orderbuch eingehängt.

 

Also zum mitschreiben

letzter Kurs bei 1000, LimitBuy bei 900, Limit Sell bei 950.

jetzt kommt ein LimitBuy mit Limit 1000 (oder MarketBuy, wie ihr wollt)... wo wird das ausgeführt?

theortisch ist eine Ausführung zwischen 950 und 1000 möglich... was zählt hier? Minimale Bewegung des Kurses (also ausführung bei 1000?) oder "beste ausführung für die neue Order" also 950?

 

weiß jemand wie das in real gehandhabt wird?

Bearbeitet von whipsaw
Titel angepasst - Thema verschoben

Featured Replies

Geschrieben
  • Autor

ok, kanns mir selbst beantworten:

Im Rahmen des Matching-Prozesses haben Limitorders mit den bestmöglichen Preisen (höchstes Preislimit für Kauforders, niedrigstes Preislimit für Verkauforders) stets Vorrang vor anderen Orders mit schlechteren Preisen. Auch bei Limitorders mit demselben Preislimit wird der Zeitstempel der Order als Kriterium zur Festlegung der Matching-Priorität verwendet.

 

Die im Orderbuch bereits vorhandenen Orders werden immer zum jeweils angegebenen Preislimit ausgeführt. Preisverbesserungen für vorhandene Orders sind nur in einem Auktionsverfahren (Eröffnungs- oder Schlussauktion) möglich. In das Orderbuch eingegebene Orders werden stets zu den jeweiligen im Orderbuch verfügbaren Preisen zusammengeführt und zwar bis zum angegebenen Preislimit.

Quelle Eurex

Geschrieben

Die Eurex hat das so geregelt:

Preis-Zeit-Priorität

 

Das Prinzip der Preis-Zeit-Priorität bezieht sich sowohl auf Orders als auch auf Quotes. Bei Eingabe von Orders (oder Quotes) in das Orderbuch werden diese jeweils mit einem Zeitstempel versehen. Dieser Zeitstempel wird zur Priorisierung vorhandener Orders mit demselben Preis verwendet. Dabei werden zuerst eingegebene Orders zu einem bestimmten Preislimit auch zuerst ausgeführt. Bei der Eingabe neuer Orders (oder Quotes) überprüft das Eurex®-System zunächst die Limite aller im zentralen Orderbuch vorhandenen Orders. Ist die eingehende Order sofort ausführbar, lässt sie sich also mit einer oder mehreren bereits erfassten Orders zusammenführen, wird bzw. werden eine oder mehrere Transaktionen generiert. Folgende Orders können direkt ausgeführt werden:

 

* Market Order, für die im zentralen Orderbuch bereits ein Auftrag auf der Gegenseite vorhanden ist;

* Order, Kontrakte zu einem Preis zu kaufen, der mindestens so hoch ist wie der niedrigste im zentralen Orderbuch erfasste Briefpreis;

* Order, Kontrakte zu einem Preis zu verkaufen, der den höchsten im zentralen Orderbuch erfassten Geldpreis nicht übersteigt.

 

Orders müssen nicht unbedingt zu einem einzigen Preis ausgeführt werden; es können mehrere Teiltransaktionen zu verschiedenen Preisen generiert werden. Nach Ausführung einer großen Order gegen das gesamte verfügbare Ordervolumen eines bestimmten Preisniveaus ist das nächste Preisniveau das beste Preisniveau. Dieser Prozess wird fortgesetzt, so lange die eingehende Order ausführbar bleibt. Wenn eine Order nach Eingang nicht ausgeführt werden kann, wird sie im zentralen Orderbuch geführt.

 

Außerdem ist es möglich, dass für eine einzelne Order mehrere Ausführungen zu jeweils verschiedenen Zeitpunkten erfolgen. Beispielsweise kann eine Order nach Eingang teilweise ausgeführt werden; die verbleibende offene Order wird aber weiter im Orderbuch geführt. Dieser noch nicht ausgeführte Teil der Order kann eine Minute, eine Stunde oder sogar einen Tag später ausgeführt werden, wenn die Order auch nach dem aktuellen Handelstag noch gültig ist.

 

Alle Orderausführungen unterliegen den Beschränkungen der Market Order Matching Range.

 

Market Orders genießen bei der Zusammenführung von Aufträgen die höchste Priorität. Da der Zweck einer Market Order die schnellstmögliche Ausführung zum bestmöglichen Preis ist, ist ein solcher Auftrag ohne Ausführungsbeschränkungen einzugeben. Wenn mehrere Market Orders im Orderbuch erfasst sind, wird zur Festlegung der Matching-Priorität der Zeitstempel der Orders im Eurex®-System berücksichtigt. Die zuerst eingegebene Market Order hat die höchste Priorität.

 

Im Rahmen des Matching-Prozesses haben Limitorders mit den bestmöglichen Preisen (höchstes Preislimit für Kauforders, niedrigstes Preislimit für Verkauforders) stets Vorrang vor anderen Orders mit schlechteren Preisen. Auch bei Limitorders mit demselben Preislimit wird der Zeitstempel der Order als Kriterium zur Festlegung der Matching-Priorität verwendet.

 

Die im Orderbuch bereits vorhandenen Orders werden immer zum jeweils angegebenen Preislimit ausgeführt. Preisverbesserungen für vorhandene Orders sind nur in einem Auktionsverfahren (Eröffnungs- oder Schlussauktion) möglich. In das Orderbuch eingegebene Orders werden stets zu den jeweiligen im Orderbuch verfügbaren Preisen zusammengeführt und zwar bis zum angegebenen Preislimit.

 

Quelle:

http://www.eurexchange.com/trading/market_...riority_de.html

 

 

u.a. auch:

http://www.eurexchange.com/download/docume...01052005_de.pdf

http://www.eurexchange.com/documents/regul...ditions_de.html

Geschrieben
ok, kanns mir selbst beantworten:

Oh Menno, Du warst schneller mit Tippen. :wub:

 

Ich lass es trotzdem stehen, denn bei mir sind Links drin :wub:.

Geschrieben
  • Autor

so abstrakt is es gar nicht, bei kiwee kommts regelmäßig vor...

 

Ist ein sehr abstraktes Beispiel, aber eine durchaus gute Frage.

In dieser theoretischen Anordnung sollte der zuerst im Ordersystem eingegangene Auftrag gefillt werden.

gefillt wird auf alle Fälle, und es gibt ja nur ein LimitSell und ein LimitBuy das gefillt werden kann.

 

Wenn es keinen Marketmaker an der Stelle gibt, erhält der Verkäufer der Position 1.000 €.

 

? So wie ich das verstanden habe, würde es an der EUREX anders laufen. Die im Orderbuch stehende Limit Sell wird zum angegeben Preislimit ausgeführt (950). Also kriegt der Verkäufer nur seine mindestens geforderten 950 und der Käufer kommt 50 günstiger weg.

oder irr ich mich.

 

@Krümel: aber danke für die Info, schön das wir das gleiche gefunden haben ;)

Geschrieben
  • Autor
Ich bin der Ansicht gewesen, dass der Zeitpunkt der Ordereinstellung maßgeblich für die Qualität der Aufführung sei.

 

Ich glaub das genau in die Richtung der Frage die ich mir gestellt hab.

Aber bei der EUREX scheint es umgekehrt zu sein. Wenn 2 Orders zum gleichen Preis vorhanden sind, gilt "first come first serve". geht es aber darum wer den "für sich besseren Preis kriegt" wird die neueste (also eben eingestellte) Order bevorzugt.

 

Dieses Verhalten sorgt auf alle fälle für mehr volatilität.

Geschrieben

Ich habe durch die Frage etwas dazugelernt.

Meine Beobachtungen gingen in die Richtung, dass das Kriterium Zeit die höchste Priorität hat.

 

Die Erklärung war für mich auch entsprechend simpel:

Theoretisch hätte der Käufer (in dem Bsp. Limit 1.000 €) die Möglichkeit, die Order im Orderbuch zu sehen - ein Vorteil, den der Verkäufer nicht hat.

Der Käufer hat den Informationsvorteil und trägt kein Risiko.

Geschrieben
  • Autor
Ich habe durch die Frage etwas dazugelernt.

Meine Beobachtungen gingen in die Richtung, dass das Kriterium Zeit die höchste Priorität hat.

 

Die Erklärung war für mich auch entsprechend simpel:

Theoretisch hätte der Käufer (in dem Bsp. Limit 1.000 €) die Möglichkeit, die Order im Orderbuch zu sehen - ein Vorteil, den der Verkäufer nicht hat.

Der Käufer hat den Informationsvorteil und trägt kein Risiko.

So ungefähr (nur nicht so schön formuliert) hätt ich mir das auch gedacht gehabt.

 

hat aber den effekt, das der aktuelle Bid bei 900 steht, der aktuelle Ask bei 950, man aber dennoch bei 1000 ausgeführt wird, und wenn der LimitSell größer war, danach der Ask immer noch bei 950 stehen würde... was von Käuferseite doch auch irgendwie seltsam wäre... vor allem ohne Level2

Geschrieben

Da für den Prozess eine feste Terminologie - Preis-Zeit-Priorität - existiert, will ich mich nicht dagegen auflehnen ;-)

 

 

Und weil wir gerade beim Thema Theorie meets Praxis sind:

 

Weg einer Order - Ablauf des Handels

 

Sie geben bei Ihrem Kundenberater bzw. im Internet Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers in Auftrag. Über kurz oder lang erhalten Sie dann eine Bestätigung, dass der Auftrag Ihrem Depot gut geschrieben worden ist. Soweit kennen Sie den Ablauf. Was passiert jedoch dazwischen? Welche Etappen nimmt die Order einer Aktie, eines börsengehandelten Fonds oder Zertifikats?

 

 

weg.einer.order.zur.boerse.gif

Geschrieben

Im Grunde ist die Antwort ganz einfach: Du mußt Dich immer daran orientieren, was im Orderbuch steht. Auf der Kaufseite steht das höchste Limit ganz vorn, danach nach Höhe gestaffelt die nächsten Kauflimite. Kommt eine Verkaufsorder, die ein oder mehrere Kauflimite matchen kann, wird zuerst das höchste Limit ausgeführt, dann das nächsthöchste usw.

 

Wie sieht es nun zum Beispiel beim Iceberg aus? Folgender Fall:

Kauforder Nr. 1 mit 1000 Stück zu 950, Peak 20 Stück.

Kauforder Nr. 2 mit 1000 Stück zu 940, Peak 25 Stück.

 

Im Orderbuch stehen jetzt:

Kauf 20 Stück mit 950 (der Rest der Order ist ja verborgen)

Kauf 25 Stück mit 940 (der Rest der Order ist ebenfalls verborgen)

 

Kommt jetzt ein Verkauf von 50 Stück mit Limit 935, erhält der Verkäufer folgende Ausführungen:

20 Stück mit 950,

25 Stück mit 940,

5 Stück mit 950.

 

Wie kommt das zustande? Im Orderbuch steht zunächst ein Kauf mit 20 Stück zu 950. Diese Order hat die höchste Priorität. Als nächstes steht eine Kauforder 25 Stück zu 940 drin. Diese Order hat die zweithöchste Priorität. Nun haben wir aber noch den Iceberg der 950er Order. Sobald die ersten 20 Stück dieses Icebergs abgearbeitet sind, rücken weitere 20 Stück mit Limit 950 nach. Doch diese neuen 20 Stück mit 950 liegen zeitlich hinter den ersten 25 Stück mit 940. Deswegen kommen diese 25 Stück mit 940 zuerst zur Ausführung, und erst dann wieder die nächsten 20 Stück der 950er Icebergorder usw.

 

So wird es jedenfalls im XETRA gemacht.

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