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Der Neue Markt Retro Thread

Geschrieben

... wer hat die Zeit aktiv miterlebt? Wer mag, kein seine Geschichte erzählen.

 

Das Fieber an den Börsen stieg schon seit Wochen und Monaten. Dax, Nemax und Nasdaq kletterten von Rekord zu Rekord. Drei Tage vor dem Börsengang von Infineon hätte wohl niemand geglaubt, dass es nun für lange Zeit an den Börsen nur noch abwärts gehen sollte -

 

Vor zehn Jahren platzte die Dotcom-Blase

Featured Replies

Geschrieben

ich hatte damals meine erste aktienposition 1999 eröffnet. ein freund riet mir zu amd, da der einzige konkurrent von intel und die neuen cpus damals gleichwertig und billiger. gekauft hatte ich die für 20 deutsche mark. glücklicherweise ging der kurs eine woche später auf 25 hoch, sodass ich schon ins schwitzen kam und mir sofort nochmal welche orderte. irgendwann waren die dann bei 32 und ich hatte nicht mehr genügend geld um meine gier zu befriedigen, also kaufte ich mit dem letzten drittel call optionen. der kurs ging dann bis auf über 90,- dm und ich war mächtig stolz, da sich mein konto verfünfacht hatte, und das alles innerhalb eines halben jahres ;-)

 

ist klar, seid dem trade ich ;D

Geschrieben
... wer hat die Zeit aktiv miterlebt? Wer mag, kein seine Geschichte erzählen.

 

Vor zehn Jahren platzte die Dotcom-Blase

 

Ich bin Dezember 1999 aus Fonds ausgestiegen (damals VWL), das war aber wie schon 1997 mehr oder weniger Intuition.

 

Mehr ist dazu nicht zu sagen, mir erschienen die Bewertungen schon im steigen aberwitzig.

 

Lutz

Geschrieben

Ich bin leider 1999 mit einigen Tausenden Mark in Fonds vom DIT eingestiegen.Ich hatte wenig bis keine Ahnung.Irgendwie lags ja in der Luft.Ich weiß auch noch, ich sah so eine Diskussionrunde mit Altmeister Kostolany an(gut sein System klappt heute auch nicht mehr) :news:

 

Er sagte wörtlich, das wird ein Blutbad :news: , der Neue Markt hat keine Substanz.Ich glaub im Sommer wars.Die anderen Teilnehmer lachten ihn aus.Er regte sich richtig auf.Leider konnte er seine Vorhersagung selber nicht mehr erleben.

 

Da merkte ich zum ersten Mal das bestimmte Gurus nicht alle,sehr oft daneben liegen können.

 

60 % meines Einsatzes waren futsch.Ich hab dann verkauft, manche Fonds haben sich bis heute nicht erholt.Ich hab in Deutschland nur noch einmal investiert und wieder verloren. Ich lasse es jetzt.Aller Anfang ist schwer.Hab aber weiter gemacht. :news:

Geschrieben

Also ich kann zur damaligen Blase nicht viel sagen, da mein Interesse nicht so ausgereift war wie heute.

 

Deshalb erzähle ich etwas von einem Verwandten:

 

Er hatte damals einige Familienmitglieder mit dem Börsenfieber angesteckt, nachdem er kurz vorher bei 30DM einige InterShopaktien gekauft hatte und sie später bei 90DM verkaufte.

Zu dem Zeitpunkt wusste aber noch keiner dass die Aktie einige Zeit später um die 600DM lag...

 

Jedenfalls war meine Mutter auch unter den "Angesteckten" und kaufte ein paar Aktien von MicroSystems.

Erst war der Kurs auf ihrer Seite. Doch dann drehte sich das Blatt und es ging den Berg runter.

Hätte ich damals schon das Interesse und das Wissen von heute gehabt, ohne zu wissen, dass alle Kurse in den Keller gehen, dann hätte ich ihr schon früher einen Verkauf geraten...

 

Aber wenn ich von angesteckt rede, dann meine ich nicht überredet, sondern vorgeschwärmt...

Also trifft meinen Verwandten keine Schuld.

Ich schlußfolgere demnach:

Handel nie etwas was Du nicht verstehst...auch wenn es sich noch so gut anhört. :news:

Eigentlich gibt es ja nicht viel zu verstehen...günstig kaufen und teuer verkaufen.

 

Aber warum kaufen wenn kein realer Gegenwert da ist?! Die reine Überbewertung...

 

Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass ein Großteil der Trader, die vor einer Krise angefangen haben und nicht so viel verloren haben, jetzt immer noch dabei sind.

 

Siehe mich: ("Trade"OpenTime()>=Ende 2008 && "Trade"OpenTime()

 

Liebe Grüße

NC

Geschrieben
Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass ein Großteil der Trader, die vor einer Krise angefangen haben und nicht so viel verloren haben, jetzt immer noch dabei sind.

 

 

also verloren habe ich das geld dann auch nachher, nur halt beim konsumieren, aber so ein erlebnis prägt natürlich. :news:

Geschrieben
... wer hat die Zeit aktiv miterlebt? ...

 

N'Abend,

 

also ich war zu der Zeit in der 10. Klasse Gymnasium :blink: ...

 

Somit noch "Quark im Schaufenster" für die Börse...

 

 

Grüße

 

Chriss

Geschrieben

Ich habe dazu eine kurze und knackige Geschichte :)

 

Ich habe kurz nach dem Abitur 1990 Geld geerbt und habe dieses zu unterschiedlichen Teilen angelegt - das meiste in Aktien. Ich hielt mich für den absoluten Checker ... habe innerhalb der ersten zwei Jahre aus 20K ganze 35K gemacht, was mich veranlasste die restlichen Geldanlagen aufzulösen und gleichfalls in Aktien und Optionsscheine zu investieren. Bis zum Jahre 1999 habe ich nicht nur alles verloren, sondern auch noch Schulden gehabt, da ich bei einer Bank in die Nachschusspflicht geriet.

 

Nachdem ich also dann ein Jahr komplett Pause machte war ich zum "Neuen Markt" wieder mit neuem Wissen voll da und habe entschieden nicht mehr zu investieren sondern mit kurzfristigen Trading zu beginnen - ich habe mich derzeit immer nur auf Neuemissionen beschränkt und diese dann nur wenige Tage gehalten - mein erster echter Daytrade war dann ein Telekom-Trade, der mich noch heute schaudern lässt; denn hätte ich ihn damals als Investment gekauft - wäre das wohl mein letzter Versuch an der Börse gewesen.

 

Seit diesen Tagen bin ich quasi Daytrader und bin daher dem neuen Markt recht dankbar. Auch wenn ich damals nicht die Chancen von Leerverkäufen nutzte sind mir durch die hohe Volatilität dieser Tage die Chancen des Daytrading bzw. des kurzfristigen Anlegens bewusst geworden (die Risiken kannte ich ja leider schon). Seit dieser Zeit habe ich nie wieder Geld langfristig investiert (von Lebensversicherungen abgesehen).

 

Der Abverkauf in 2003 hat mich natürlich auch sehr viel Geld gekostet, aber es hat mich nicht ruiniert - die Erfahrung allerdings konnte ich 2008/2009 wertvoll nutzen und hatte dadurch mein mit Abstand bestes Jahr - der Abverkauf war für mich schlicht nicht unvorstellbar, weil schon mal erlebt. Besonders die Medien-Berichterstattung hatte sehr ähnliche Züge und war vom Ablauf nahezu identischer Natur - nur bzgl. des Zeitraums etwas komprimierter.

 

Seit dem habe ich mir den Kontoauszug von 2000 eingerahmt und an die Wand gehängt :)

(Hat so einen kleine Touch von Dagobert Duck - wobei ich vom Geldspeicher noch weit entfernt bin)

 

LG Aurelius

 

trade_db.jpg

Geschrieben

Ohje, seitdem bin ich mal locker doppelt so alt geworden. :full:

 

Da war ich nichtmal 9 und gerade mal in der 3. Klasse ..... aber ich konnte bereits das 1x1 bevor ich ich die 1. Klasse kam, also war schon damals klar: Aus mir muss mal was werden :blink:

 

Mit der Börse gings dann genau an meinem 17. los. Irgendwie bin ich gerade von mir selbst erstaunt weil ich darüber nachdenke was ich in 1,5 Jahren schon alles so mitbekommen habe. :spank:

 

Viele Grüße,

Rumpel

Geschrieben

Ja Rumpel, ich behaupte auch gerne von mir zu den langsam Lernenden zu zählen :)

 

Ich glaube wer heute einsteigt und sich intensiv damit beschäftigt, hat nach 1,5 Jahren das Wissen, für das meine Generation 5 Jahre lesen und handeln musste.

Geschrieben
  • Autor
Ich glaube wer heute einsteigt und sich intensiv damit beschäftigt, hat nach 1,5 Jahren das Wissen, für das meine Generation 5 Jahre lesen

 

Für den theoretischen Part kann ich das unterschreiben :blink:

Es gibt aber Dinge, die muss man "am eigenen Leib" erfahren und erst wenn man diese Erfahrungen gemacht und die richtigen Lehren daraus gezogen hat, erst dann kommt man wirklich voran.

 

 

@all - schöne Stories, danke für die Insights!

 

@Aurelius - meine börsentechnische Biographie sieht nahezu identisch aus.

Mein Investitionen wurden nicht am Neuen Markt vaporisiert sondern primär durch "New Economy Werte" aus den USA.

 

RE: Telekom

Ich besaß einige 10Bagger - die Telekom war aber der einzige Wert, den ich vergoldet habe.

Geschrieben
  • Autor

Bisschen Lesefutter für die Börsen-Youngsters :blink:

 

 

FTD-Serie: 10 Jahre Dotcom-Blase

 

Es gab die Blender und Betrüger, die kleinen Gründer und großen Gurus, die Ideengeber und ihre Investoren. Sie alle hatten den Traum von einer neuen Technologie und einem neuen Unternehmertum. FTD-Redakteure erzählen Geschichten, die für die New Economy in Deutschland typisch waren.

 

 

:spank:

Geschrieben

Als alter Kostolany-Schüler, zu dem ich Anfang der 80-er Jahre geworden bin, habe ich mich vom Neuen Markt komplett ferngehalten und war beim Aufschwung ebenso wenig dabei wie beim anschließenden Zusammenbruch - weder long noch short.

 

Die besagte Talkshow, in der André Kostolany den Neuen Markt als großen Betrug darstellte, habe ich damals auch gesehen. Mit dabei übrigens Gerhard Schmid, der damalige Chef von Mobilcom, der Kostolanys Voraussagen empört zurückwies mit dem Argument, er wolle schließlich Arbeitsplätze schaffen....naja.

 

Ganz spurlos ist der Neue Markt jedoch nicht an mir vorübergegangen. Auch wenn ich dort nichts investiert hatte, so hat die Hysterie auch den "alten Markt" mit erfaßt. Und da war ich investiert, leider auf der falschen Seite. Bei DAX 4400 im Jahre 1997 entschloß ich mich, strategisch short zu gehen. Bei 5500 gab ich auf. Es sollte dann nach zwei kleinen Krisen (Asien und Rußland) ja noch erheblich weiter aufwärts gehen.

 

Was damals am Markt ablief, habe ich nicht verstanden und wollte es wohl auch gar nicht verstehen. Für mich war es eine neue Welt, die mit meinem bisherigen Börsen-Knowhow gar nicht zusammenpaßte. Mein Abenteuer im DAX hat mich eine ordentliche Stange Geld gekostet - sechsstellig auf alle Fälle. Ich habe mich erst einmal ein paar Jahre mit eigenen Investitionen zurückgehalten und gewartet, bis die Welt wieder so tickte, wie ich es gewohnt war.

Geschrieben

Folgender Joke veranschaulicht ganz gut, was damals abging:

 

Drei Bettler sitzen in New York

 

Der erste schreibt auf seine kaputte Blechtasse "Betteln", und nach einem Tag hat er 10 Dollar.

 

Der zweite schreibt "betteln.com" auf seine Tasse, und nach einem Tag hat er 10.000 Dollar. Einer Spender wollte ihn sogar mit zur NASDAQ nehmen.

 

Der dritte schreibt "e-betteln.com" auf seine Blechtasse. IBM und HP sandten Ihre Vizepräsidenten zu ihm, um über eine strategische Allianz zu diskutieren, boten ihm kostenlose Hardware und professionelle Beratung an und Larry Ellison verkündete auf CNBC, daß e-betteln zu 95% mit ORACLE-Technologie arbeite. Unterdessen hat Cisco verkündet, daß so gut wie der komplette e-betteln Datenverkehr über ihre Ausrüstung läuft.

 

 

Ich konnte und wollte nicht begreifen, daß eine Deutsche Telekom, die im Grunde nichts weiter tat, als "Leitungen" zu legen und sich dazu noch im harten Wettbewerb mit ständig sinkenden Preisen befand, plötzlich als Technologie- und Wachstumswert eingestuft wurde. Ich hatte nicht begriffen, daß eine ganz neue Anlegergeneration an den Markt kam, die von Aktien und Börse nichts verstand, aber alles kaufte, was mit Internet irgendwie zu tun hatte, und die ein paar Jahre später genau so verschwand, wie sie gekommen war. Tja, so ist das, wenn man als Dinosaurier unterwegs ist.http://images.paraorkut.com/img/emoticons/images/d/dinosaur-98.gif

Geschrieben

@Mako

 

Schönes Beispiel guter Witz und absolut repräsentativ - etliche Freunde von mir haben derzeit mit den skurrilsten Ideen Firmen gegründet und Venture-Capital eingeheimst - waren alle nach kurzer Zeit wieder pleite - sehr amüsant im Nachhinein.

Geschrieben
Ich glaube wer heute einsteigt und sich intensiv damit beschäftigt, hat nach 1,5 Jahren das Wissen, für das meine Generation 5 Jahre lesen

 

Für den theoretischen Part kann ich das unterschreiben :blink:

Es gibt aber Dinge, die muss man "am eigenen Leib" erfahren ......

 

Dem kann ich auch nur zustimmen. Informationen gibt es viele, einige davon sind auch brauchbar. Das sich entwickelnde Internet hat ja für einen Daytrading-Boom gesorgt.

Aber da gibts ja auch so einen Spruch "Erfahrung lässt sich nur durch mehr Erfahrung ersetzen" - der Spruch wird sicherlich von so einem Obermacker wie Kostolany stammen und die Erfahrung steht halt nicht in einem Buch wo man nachlesen kann.

Ihr wisst ja, so schnell wie man gekommen ist, so schnell kann es passieren das man wieder geht. Das wäre sehr schade, wie ich finde. Deswegen sollte man es nicht zu vorschnell angehen. :full:

 

 

Bisschen Lesefutter für die Börsen-Youngsters :spank:

 

Gut umsorgt wird man ja hier auch .... :news:

Cooler Begriff, den merk ich mir.

 

 

Aber so wie es sich anhört scheine ich ja nicht sehr viel verpasst zu haben damals .... :news:

 

Viele Grüße,

Rumpel

Geschrieben
  • Autor
Gut umsorgt wird man ja hier auch ....

 

Yep, finde ich auch.

 

 

Cooler Begriff, den merk ich mir.

 

Coole Sig :blink:

 

Aber so wie es sich anhört scheine ich ja nicht sehr viel verpasst zu haben damals ...

 

Ich möchte die Zeit nicht missen :spank: , weder die guten Momente noch die, welche Aurelius in so eine tolle Geschichte gepackt hat

Es war so unglaublich, faszinierend und doch fern jedweder Realität. Wahrscheinlich habe ich vieles noch intensiver wahrgenommen, da ich vor, während und nach der 'Bubble' bei einem Wertpapierdienstleister tätig gewesen bin und live den Weg unzähliger Buchgewinn-Millionäre begleiten durfte.

 

Ich war auch bei 911 dabei, als Ausnahmezustand an den Börsen herrschte....

Aber das ist eine andere Story :full:

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