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Mein armes Amerika

Geschrieben

sehr interessanter Artikel,

bestätigt eigentlich meine Vermutung, das die USA mittlerweile Europa in vielen Dingen weit hinterher hinken.

 

Andrea, unsere Verwalterin, fragt immer wieder nach unserer credit history. Wir haben Kontoauszüge, Arbeitsverträge und Gehaltszahlungen vorgelegt, aber wir haben keine Schulden und sind deshalb aus amerikanischer Sicht nicht vertrauenswürdig. Nur diejenigen, die beweisen können, dass sie ihre Schulden regelmäßig abbezahlen, sind gute Mieter. Wir sind schlimmer als schlechte Schuldner. Wir sind nichts, ohne Kredit, unbeschriebene Blätter. Also müssen wir 100 Dollar mehr Miete im Monat zahlen und die höchstmögliche Kaution hinterlegen. Es ist nicht möglich, die Miete zu überweisen. Bar können wir sie aber auch nicht bezahlen, Andrea darf kein Bargeld annehmen. Also müssen wir jeden Monat eine Woche vor dem Stichtag beginnen, Geld aus dem Automaten zu ziehen, bis wir die Summe beisammenhaben, um das Geld dann im nächstgelegenen liquor store in einen money order umzutauschen, eine Art Scheck, den wir Andrea schließlich in einem Umschlag überreichen. Ein ähnliches Problem gibt es bei der Telefon- und der Internetrechnung und den Kindergartengebühren meiner Tochter. Die Energierechnung muss ich alle zwei Monate leibhaftig im Gas and Power Building in der Hope Street begleichen. Dort warte ich mit vielen Latinos in einer Reihe und zahle bar. Ich komme mir vor wie in einem längst vergangenen Jahrhundert. Das viel beschriebene US-Dienstleistungsparadies kann ich nicht finden, im Gegenteil, alles dauert unheimlich lange und ist erstaunlich kompliziert.

 

Zeit.de

Etwas Zeit zum Lesen mitbringen, sind 5 Seiten...

Featured Replies

Geschrieben

Sorry aber warum müssen diese Klischees immer wieder hochkommen? Wenn jemand zu DUMM ist in USA eine Kreditkarte zu bekommen dann verdient er es auch nicht.

Es gibt so viele Ausweichmöglichkeiten ein Bankkonto, Kreditkarten oder sonst was zu erhalten - auch ohne Credithistory.

Diese Pauschalisierung spiegelt doch nicht wirklich die Meinung der Deutschen über USA wieder - ansonsten würde ich mich wirklich schämen hier zu wohnen.

Geschrieben
  • Autor

was für Klischee´s denn ? Sind ja offenbar erlebte Praxiserfahrungen, es geht ja in dem Artikel nicht nur um Zahlungsverkehr.

 

Ich sehe auch keine Pauschalisierung.

 

Ständig hört man auch so von Stromausfällen, Obdachlosenzeltstädte, Essensmarken, schlechte öffentliche Infrastruktur, miserable Wohnqualität wenn man nicht vermögend ist und sich die entsprechende Ecke aussuchen kann, hohe Kosten für die weiterführende Schulausbildung bzw. Studium, kaum Sozialabsicherung, Rentner denen die Pension halbiert werden weil der städtische Pensionsfonds pleite ist, Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst etc.pp.

Geschrieben

Ständig hört man auch so von Stromausfällen, Obdachlosenzeltstädte, Essensmarken, schlechte öffentliche Infrastruktur, miserable Wohnqualität wenn man nicht vermögend ist und sich die entsprechende Ecke aussuchen kann, hohe Kosten für die weiterführende Schulausbildung bzw. Studium, kaum Sozialabsicherung, Rentner denen die Pension halbiert werden weil der städtische Pensionsfonds pleite ist, Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst etc.pp.

 

Ich weiß nicht so recht, in wie fern wir das als Mitteleuropäer nachvollziehen können. Es ist nicht schlechter - es ist anders, denke ich.

 

Man spricht vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Von dem Land welches die Freiheit symbolisiert. Aber dort wo Leute Freiheit wollen verzichten sie ebend auf Sicherheiten. Sie wollen unabhängig sein. Und so führts dann dazu das ebend jeder auf eigene Faust sein Geld verwalten will. Die Leute wollen keine hohen Sozialabgaben. Sie wollen über Geld selbst entscheiden. Hier in Deutschland übernimmt unser Staat eine Erziehungsmaßnahme. Er sagt: Mach mit deinem Geld was vernünftiges - daraus folgt dann Renten-, Kranken-, und Pflegekasse, Arbeitslosenversicherung und so weiter. Das was wir als soziale Absicherung erhalten. Wir müssen zahlen. Ob wir das wollen oder nicht.

 

Die Amerikaner möchten das nicht. Das trifft natürlich die Armen dann hart, so führt es dann zu den Slums und Obdachlosen. Aber es ist doch nicht so das wir nicht auch Obdachlose hätten.

 

Hier in Deutschland schimpfen immer die Menschen und sagen wir bezahlen den Arbeitslosen, obwohl er den ganzen Tag vor dem Fernseher hockt, "Familie im Brennpunkt" und "Frauentausch" auf RTL schaut. Ist das fair dem Arbeitenden gegnüber? Nicht unbedingt, aber der momentan Arbeitende kann sich drauf verlassen das es ihm auch nicht schlecht geht wenn er mal keine Arbeit haben sollte.

Und so gibt es zwei Seiten. Es beschwert sich immer eine Gruppe. Hier die Arbeitenden, dort die Armen.

 

Wir hier in Europa gehen auf Nummer sicher. Wir versichern jeden Scheiss. Man muss doch nur mal zum Versicherungsvertreter seines Misstrauens gehen. Da gibt es Versicherungen für Probleme die kannte ich gar nicht. Aber wenn man gegen wirkliches Risiko eine Versicherung abschliessen möchte, dann winken alle ab. Was kostet die Versicherung eines Hauses gegen Umweltschäden im Rheingebiet?

 

 

Auf der anderen Seite: Bei uns ist alles okay?!

Geschrieben

Ich habe einen entfernten Onkel in nem Vorort von Detroit, er lebt schon seit Jahrzehnten dort. Alles was ich über ihn höre gleicht den gängigen Klischees der Deutschen über Amerika. Er fährt einen riesigen Cadillac, ballert den halben Tag auf dem eigenen zweiten Waldgrundstück herum und hat ein riesen "Papphaus", welches mit Strom (!!!) beheizt wird. Er ist übrigens "Deutsches des Jahres" dort, was auch immer das bedeutet.

Kann aber auch sein, dass er einfach die Klischees auslebt ^^

Geschrieben

Mir gefällt dieser Thread gut und der Post von Rumpel sehr gut .

 

Darf ich bitte noch oben aus #1 zitieren :

 

Wir haben Kontoauszüge, Arbeitsverträge und Gehaltszahlungen vorgelegt, aber wir haben keine Schulden und sind deshalb aus amerikanischer Sicht nicht vertrauenswürdig. Nur diejenigen, die beweisen können, dass sie ihre Schulden regelmäßig abbezahlen, sind gute Mieter. Wir sind schlimmer als schlechte Schuldner.

 

In Bezug auf Rumpel´s Post so wie ich diesen verstanden habe "jeder ist wie er ist, jedes Land für sich ist wie es ist , wir sollten tolerieren ....." so kann ich Euch versichern, dass das was ich hier oben nochmals von #1 zitiert habe, tatsächlich auch amerikanische Kultur in der breiten Masse ist . Und als "breite Masse"reagieren wir ja auch, teils weil wir per Gesetz dazu verpflichtet sind (Sozialversicherungen) , teils weil wir uns unsere Meinung BILDen . Aber da haben wir unsere "Wahrheiten" und darüber hinaus wird es dünn . Dito in USA , siehe Zitat , manches können die Menschen dort sich überhaupt nicht vorstellen "schuldenfrei Menschen gibt es nicht" .

 

Und dazu drucken die Notenbanken in den USA USD ...mehr und immer mehr und ohne jeden Gegenwert . Und wir gucken nach Griechenland, Italien und Spanien ..haben also unsere eigenen Probleme . Und B Obama macht sich Sorgen um uns ...wie nett von ihm . Und wir sind gleichermassen anteilnehmend .

 

Und während wir mit uns selber beschäftigt sind, mit unserer kleinen westlichen Welt .....

 

Im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter .

 

Lobo

 

PS.: Meine "Weisheiten" sind keine, ich habe es mir erlesen (z Bsp CrashKurs) aber ich gucke auch viel nach "Osten"(China, Indien, allgemein Asien). Wo ist das Wachstum , wo entsteht echte wahrhafte Kaufkraft ? Denn eigentlich sollte ich dort Long gehen .

PPS.: Gerade am Freitag berichtete mir ein Freund, der gerade von dort zurück gekommen ist, dass man sich in China darüber erregt, dass wir unsere Märkte für Asien geschlossen haben .

Geschrieben
  • Autor

mir ging es eigentlich eher um das Gesamtbild in Amerika, und das sieht aus meiner Sicht nicht gut aus. Man kann darüber streiten, ob eine Sozialversicherung sein muß oder ob im täglichen Leben der so komfortliebende Amerikaner mehr und mehr aus deutscher Sicht rückständig ist, aber wenn ich wiederrum sowas lese:

 

Die miserable Verfassung der Infrastruktur wurde den Vereinigten Staaten kürzlich in einer Studie des World Economic Forum vor Augen geführt: Demnach ist Amerika bei der Qualität der Infrastruktur unter allen Ländern der Welt nur noch auf Rang 16 zu finden. Vor wenigen Jahren waren die Vereinigten Staaten noch auf dem sechsten Platz. Präsident Barack Obama ist sich dieser Schwäche wohl bewusst: „Amerika hatte einmal von allem immer das Beste: die besten Straßen, die besten Flughäfen, die besten Häfen. Wir fallen zurück, weil wir nicht investieren“, sagte er im August bei einer Rede.

 

FAZ.net

Geschrieben

Ich fand den Artikel aus der 'Zeit' einfach unheimlich gut geschrieben und sehr interessant.

Leider hat er fast haargenau jenes Bild bestätigt, das mir Freunde vermittelt haben, die regelmäßig

in den USA arbeiten.

Am liebsten würde ich natürlich mal selber hinfahren und das Land kreuz und quer bereisen,

etwas Licht auf den Mythos werfen. (also nicht 'den' Mythos, sondern den anderen Mythos :smile: )

Irgendwann klappt das mal.

Geschrieben

Ist der amerikanische Traum nicht Tod?

 

Hier mal ein paar Gedanken:

 

1. http://www.shortnews.de/id/846587/Washington-Der-Untergang-vom-amerikanischen-Traum?offset=26

2. http://www.pascalfischer.de/WP/?p=120

 

Ich denke Amerika wird schneller verarmen als wir Westeuropäer. Wir haben zwar auch unsere Probleme,

aber die sind doch harmlos und werden fokussiert aufgebauscht von den Amerikaner und Japaner.

FatTails von BMT erklärt den Amerikaner ein wenig über Europa in diesem Thread.

Ich denke, dass Amerika in der Not ist ggf. auch die Japaner. Wir, die Eurozone, sind doch nur mit Griechenland, Portugal und Italien gestraft. Das sind aber

kleine Baustellen. Natürlich schlägt sich ein negatives Rating schlecht auf den Euro aus, aber von wo kommt es. Oder sind die Rating Agenturen "unabhängig".

Da lache ich immer, wenn dieses im Fernsehen behauptet wird.

Geschrieben

FatTails von BMT erklärt den Amerikaner ein wenig über Europa in diesem Thread.

Ein sehr guter Post von FT. Danke dir für den Link - wäre aber beim Thread Griechenland besser aufgehoben.

Geschrieben

@ wh

 

Ich glaube jeder bekommt vom jeweils anderen nur den Horror berichtet.

Amerikaner erfahren durch ihre Medien, dass wir im Sozialismus leben und wir bekommen

seit längerem berichtet, dass in den USA, überspitzt gesagt, alle im Karton leben.

So bis vor knapp 20 Jahren war Amerika der Trend und dann gab es einen Knick und Amerika wurde

mehr und mehr zum Antitrend. Zumindest hab ich das irgendwie so erlebt. Schon komisch. :pumpkinsmile:

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