@whipsaw Interessanter Beitrag! 👍 Ich schau mir das auf jeden Fall mal an. Gerade bei dem Mag7, aber auch bei anderen modernen amerikanischen Unternehmen, ist es ja so, dass das Unternehmen das Produkt selbst ist. Wenn BMW ein Auto verkauft gibt es einen Produktlebenszyklus. Auf den ist der Entwicklungszyklus des Folgeproduktes abgestimmt. Aber BMW selbst bleibt relativ stabil BMW. Bei oben genannten ist das Unternehmen als Ganzes das Produkt und unterliegt selbst in wesentlichen Teilen diesen Produkt/Unternehmens-Lebenszyklus. Der Wachstum und Margendruck wirkt dann auf alles. Die Disruption ist radikal bis in die feinste Spitze. Und wenn es sein muss, für mehr Marge die Leute zu verkaspern, wird auch das getan. Vor allem wenn einer damit angefangen hat und "Schayze sein" zum Wettbewerbsvorteil wird, ist Freundlichkeit ein kostspieliger Nachteil. Schnell sind wir wieder bei der Spieltheorie. Dort wurde der Modus erst in der Politik global umgestellt und damit ist der Sprung in die Ökonomie eröffnet worden. Ich hab hier im Forum vor ungefähr 12 Jahren einen Beitrag geschrieben mit genau der Prognose, dass China durch seine Strukturierung und fehlende Liberalität einen Wettbewerbsvorteil hat, den die Konkurrenz nicht ignorieren kann. Besonders dann, wenn man sich in nichts anderem mehr unterscheidet. Dann sind anti- individuelle Werte der letzte Ekel (der ein Burggraben sein kann) den man noch überwinden kann. Im Rückblick erschreckend, wie geradlinig wir auf diesem Pfad vorangeschritten sind. Egal ob Politik, Wirtschaft oder das Soziale in seinen Verästelungen, überall ist dieser Verfall zu sehen. Zu Beginn steht die zunehmende Fokusierung auf das "Ich", die fast schon Auschließlichkeitscharakter hat. Darauf folgt als Weltbild des Zynismus, der die Welt nicht verbessern möchte, sondern sich in seinem Fatalismus der Schlechtigkeit erschöpft(aber leider als solcher ein kriegerischer Wettbewerbsvorteil ist, da er alles mittel- und langfristige an Folgen ignoriert). Ein sehr gutes Buch hierzu: Sloterdijk, "Kritik der Zynischen Vernunft". Sein Standardwerk aus den 80er. Es ist ein Trend der sich erstaunlicherweise relativ gegenläufig zu dem stellt, was man ursprünglich mit der Tradition der christlichen Religion der Liebe bezeichnet hat. Diese sollte das Überspringen der Ökonischen Logik (Krieg) auf die sozialen Gefüge verhindern. Aber jetzt wo das soziale eine Ökonomie an sich geworden ist, ist diese Brandmauer per Definition ein Hindernis für das Kapital. So hält die Logik des Krieges Einzug in das Soziale. Rene Girard's Clausewitz- Aufsatz lässt sich hier gut herunterbrechen. Er hat diesen Prozess auch wohl nicht zufällig mit dem Antichrist gleichgesetzt. Ob China-USA, oder Mensch- Mensch, wenn wir um die gleichen Güter konkurrieren werden wir zu Gegnern. Der Prozess beginnt mit Imitation(Benehmen, Kleidung, Sprachmodelle usw). Darauf folgt ein Kampf mit einer endlosen Schleife an "Steigerungen bis zum Äußersten". Auf dem Weg dahin werden alle herausgeschleudert denen die Kraft zum Halten felht. Da es hier um die globale Vorherrschaft geht fehlt mir gerade die Fantasie, wie aus dem Konflikt kein heißer Krieg werden kann. Am Ende muss man als Individuum zur Kenntnis nehmen, dass totaler Wettbewerb keine Rücksichtnahme, keine Vergebung und keine Liebe kennt. Wenn sich das Individuum dieser Logik im sozialen unterwirft, hört es auf ein Mensch zu sein. Der Mensch passt sich der Maschine an. Weil er künftig mit ihr konkurriert? Und wer glaubt, das Bitterkeit und Zynismus eine Lösung sind um die Umstände zu ertragen, der hat schon begonnen auch mit der Schlechtigkeit in Konkurrenz zu treten, die ihn einst so bitter gemacht hat. Die politische Konsequenz ist der Faschismus (rot oder braun). So witzig es klingen mag, aber im Grunde kann man sich auch auf eine Art Logik gegen die Logik dieses Zeitgeistes stellen. Wie schon im 1. Jahrhundert vor Cristus, kann vlt. wieder die christliche Liebe (nicht die Institution) als subversive Kraft gegen die Verhältnisse gelten. Eine Logik des Daseins, die Platz für Andere und für Anderes lässt. Eine echte Herausforderung, in einer Zeit, in der breitbeiniges Gehabe und Maulheldentum mit Stärke verwechselt werden.