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Trading Software - die Werkzeuge der Institutionellen

Geschrieben

So, der Reihe nach:

 

Man muss unterscheiden zwischen Informatios- und Researchtools, Datenfeed, Chartingtool und Handelsplattform, eine All in One Lösung ist auch im Propbereich eher selten zu finden. Viele Softwarepakete erfüllen mehrere der vorgeannten Aufgaben, teils aber mit lästigen Funktionseinschräkungen.

 

Welche Software zum Einsatz kommt lässt sich nicht pauschal beantworten, das hängt einerseits mit der gehandelten Assetklasse zusammen und ist andererseits teils auch "Firmenpolitik".

 

Bloomberg Professional dürfte meiner Schätzung nach das aktuell weitverbreitetste Informationstool sein, es gibt derartig viele Informationen, dass selbst Proptrader immer nur einen kleinen Teil davon nutzen können, die Optik und auch die Bedienung sind schauderhaft -ohne Bloomberg Keyboard oder modularem Keyboard mit diversen Sonderfunktionstasten tippt man sich die Finger wund-, aber es gibt eben Infos bzw. Tools, die man im Propbereich durchaus braucht. Das Charting ist nicht so berauschend, daher werden von Technischen Analysten oft zusatztools verwendet, die auf Bloomi aufsetzen, Aspen Graphics, Updata und Tradesignal Enterprise Edition. Theoretisch kann man Bloomberg Professional auch als privater Trader nutzen, die entscheidende Frage ist ob man sich dieses Tool leisten will, monatliche Kosten bei einer Einzellizenz irgendwo bei EUR 1.500, 2 Jahresvertrag ist Standard, wenn man dann noch eines der erwähnten Chartsoftwaretools dazu will kommen diese Kosten noch dazu, bei Aspen Graphics und Tradesignal ist das nicht gerade billig, bei Updata in einem Bereich, der zumindest noch einigermassen "normal" ist.

 

Ähnlich ist Reuters Thomson Xtra 3000, von der Bedienung her angenehmer, allerdings in der "Normalversion" für private Trader eher unbrauchbar, dieses Produkt setzt voraus, dass man einen 24/7 Kursdatenserver in Betrieb hat, ein Ausweg ist die Hosted Version, da läuft die SW auf einem Citrix Server bei Reuters direkt und man loggt sich übers Web ein, soweit ich weiss gibt es in der Zwischenzeit eine abgespeckte Version von Metastock serienmässig, weil das Charten grundsätzlich auch eher nur rudimentär möglich ist. Ausserdem gibt es von Reuters Thomson noch jede Menge "Sonderversionen", was es da genau gibt und welchen Funktionsumfang man erhält müsste bei Interesse aber mit einem Reuters Sales Mitarbeiter geklärt werden, ich habe schon einige Jahre mit Reuters keine praktische Erfahrung mehr.

 

 

So, das war die Welt der "eierlegenden Wollmilchsäue", jetzt geht es zu den Tools, die weniger Funktionen bieten.

 

Gerade an Futuretradingdesks (und auch bei Optionshändlern) ist häufig CQG zu finden, grundsätzlich eine gute Chartsoftware mit hervorragendem Kursdatenfeed, es gibt auch eine integrierte Tradingfunktion, allerdings ist der Preis für Privattrader auch eher unangenehm, mit diversen Realtimegühren und kostenpflichtigen Add Ons sind da auch schnell + EUR 1.000/Monat fällig.

 

Als Handelsplattform bei Futuretradern findet man häufig X Trader von Trading Technologies, wenn ich bekannten Futurehändlern Glauben schenke, dann eine der Besten Handelsplattformen für den Futurehandel, es gibt auch eine Chartingfunktion, die aber angeblich nicht so berauschend ist, daher findet man auf Rechnern mancher Futurehändler CQG zum Charten und X Trader zum Handeln.

 

Ein interesantes Produkt ist SOL 3, ich habe SOL 3 aber noch nie im praktischen Einsatz gesehen, ein befreundeter Händler hat aber bei seinem Ex Arbeitgeber damit gearbeitet und ist hochgradig begeistert.

 

Es gibt aber noch jede Menge anderer Softwarepakete, (Progress Apama, RTS, aegisoft und noch viele mehr, diese Aufzählung ist sicher nicht ansatzweise vollzählig), die im Proptrading zum Einsatz kommen, im Regelfall sind die aber für private Trader aus verschiedenen Gründen ungeeignet, das trifft auch auf SOL 3 zu.

 

 

Ohne die entsprechenden Skills wird man aber selbst bei absoluten Profitools nicht profitabel handeln können, denn "a fool with a tool is still a fool" gilt auch in unserem Metier.

 

Welche Lösungen man als privater Trader braucht hängt von vielen Umständen ab, Assetklasse, persönliche Bedürnisse und Vorlieben, welche Funktionen sind schon über die Brokersoftware abgedeckt.

 

Wenn es ein konkretes "Lastenheft" gibt kann ich eventuell den einen oder anderen Ratschlag geben, aber der Weg zum profitablen Handel führt nicht über "Aufrüstung", ein Bekannter von mir handelt sehr erfolgreich FX in sehr kleinen Zeitfenstern, sein gesamtes "Werkzeug" ist die Handelsplattform von oanda.

Featured Replies

Geschrieben
die ganz großen Jungs traden mit Murex.

Was sind denn deiner IMHO nach ganz große Jungs, und kannst du zu der Software mehr erläutern, eigene Erfahrungen, gehörtes,

Bekannte die diese Software nutzen ?

Geschrieben

leider findet man darüber nur recht wenige Informationen über Murex.

 

insbesondere Großbanken verwenden aber wohl diese Software.

 

dieses Tool geht weit über die Standard-Trading Funktionen hinaus, hat auch sehr viele Verwaltungsfunktionen. aber ich kann da leider auch nichts weiter zu beitragen, denn ich habe es auch nur ein paar mal gehört.

 

evtl. weiß jemand anderes darüber mehr, ich wollte es nur zur Vollständigkeit eingebracht haben.

Geschrieben

Kann mich da whipsaw nur anschliessen. Meines Wissens nach ist spielt Murex im Daytrading überhaupt keine Rolle sondern hat eine stärkere Ausrichtung im statistischen Analysebereich und Portofliomanagement; größere Vermögensverwalter und Hedgefonds nutzen die Software. Aber wenn es tatsächlich die "SAP"-Variante des Tradings sein sollte kann sie natürlich alles :) ... aber dann wohl auch zu ihrem "SAP"-Preis! Dort muss vermutlich jede Indikatorprogrammierung beauftragt werden.

Vielleicht weiss ja hier jemand noch mehr darüber - wäre zumindest interessant; denn ich habe erst mal keine Vorstellung was "geht weit über die Standard-Trading Funktionen hinaus" bedeuten könnte.

(Nachtrag: habe die gerade mal angeschrieben und Infos angefordert ... werde berichten)

 

@Vola

Was Du suchst hört sich für mich allerdings klar nach NinjaTrader an. Im Grunde kann man mit NinjaTrader die Kosten sehr gut eingrenzen. Mit IB, MBTrading und Mirus und zusätzlich Google- und Yahoo-Feed ist das eine verhältnismäßig günstige Alternative. Backtester, Scanner, Charting, etc. alles drin :). Was hält Dich zurück?

Geschrieben
  • Autor
Wenn Qualität, modernes feature-set und guter Support die einzigen Kriterien wären, wäre eine Sch..-Firma wie reuters schon 10x den Bach runtergegangen. Da gibts einige Dinosaurier, die sehr sehr viel Geld mit sehr bescheidener Leistung verdienen.

 

sign, auf die Liste gehört auch Bloomberg, der Krempel ist von Look&Feel und der Bedienung her 80er Jahre Standard, schon alleine wegen der mühsamen Navigation würde im Privatkundenbereich kein Mensch dieses Produkt bestellen, im Probereich spielt das anscheinend keine Rolle, ich bin immer wieder entsetzt mit welcher Selbstverständlichkeit der ganze Schwachsinn hingenommen wird. Bei mir entsteht immer mehr der Eindruck, dass Bloomberg nur deswegen gekauft/gemietet wird, weil die Sales Representatives ausschliesslich weiblich, gutaussehend und eloquent sind.

 

Wenn man von Ansätzen mit hohem Ausführungsrisiko absieht (marketmaking, HFT, arb usw.) glaube ich nicht, dass ein Privatanwender gravierende Nachteile in Punkto Software gegenüber Institutionellen hat (sowohl Analytik wie auch OMS). Das war vor 10 Jahren sicher noch anders. Eventuell besteht sogar ein Vorteil, da es keine bastard-admins-from-hell, keine IT-Politik und firmen-immanente Trägheit gibt.

 

Sehe ich ebenso, das war 1996 -Beginn meiner Daytradertätigkeit- noch anders bzw. nur mit sehr viel Geld änderbar, wir haben uns damals zu dritt ein Büro gemietet und uns die Kosten für Internetstandleitung, Reuters Server + Clients etc. geteilt, trotzdem musste jeder der Beteiligten rund EUR 2k im Monat für die Infrastruktur ablegen. Den erwähnten Vorteil sehe ich ebenso, manche Dinge sind bei grossen Desks einfach so wie sie sind und wenn man da mit Änderungswünschen ankommt wird es unheimlich kompliziert, weil alle irgendwie Betroffenen -und natürlich die ganzen Obermacher- dann zu diskutieren beginnen, da sind dann die BAFH, die grundsätzlich jede Änderung -und sei es nur das Öffnen eines Ports am Router- als möglicherweise sicherheitsrelevant einstufen (da muss dann evaluiert, diskutiert und getestet werden), die Erbsenzähler, die zuerst eine Kosten/Nutzenrechnung erstellen müssen, die diversen Heads, die sich vermutlich überlegen ob die Aktion gut in ihrem Lebenslauf vermarktbar ist, die reichlich vorhandenen Ziergegenstände aka Assistentinnen, die sich Sorgen darüber machen wie sich diese Sache mit ihrem Styling verträgt und letztendlich auch noch das Reinigungspersonal, das darüber nachdenken muss ob die ganze Sache nicht auch ihren Arbeitsbereich betrifft.

 

 

Natürlich haben Institutionen viele Vorteile gegenüber einem Privattrader (Kapital, Ressourcen, Marktzugang, Ausbildung der Mitarbeiter, tw. Informationsvorsprung usw.), aber die Software würde ich da nicht umbedingt nennen. Wenn man zB Redi+ oder KnightDirect hernimmt, Platformen über die täglich substantielle Summen abgewickelt werden, können aber in Wahrheit von der Funktionalität mit einem interactive brokers Konto nie mithalten.

 

 

Die erwähnten Vorteile sind zumindest teilweise kompensierbar, in letzter Konsequenz kochen die Props auch nur mit Wasser (und verschütten jede Menge dabei), bei den Handelsplattformen gibt es im Propbereich Dinge, mit denen kein Retailbroker oder -marketmaker auch nur einen Kunden bekommen würde, EBS nur als Beispiel.

Geschrieben

Kommt mir auch so vor dass die meisten mit "normalem Wasser" kochen, und einige ziehmlich schlecht. Manchesmal hab ich den Eindruck, der Kreislauf im typschen systematischen HF sieht so aus:

 

Buzzword -> Backtesten -> Traden -> 20/2 -> Geld verbrennen -> neues Buzzword

 

Abgesehen von den Halbgöttern halt, Millenium, Renaissance, Citadel, DE Shaw, Getco usw. - die kochen sicher auf einer anderen Ebene. Im reinen FX-Bereich ist Automat angeblich beeindruckend gut, obwohl ich von denen noch nie Zahlen gesehen habe (allerdings kursieren Gerüchte über die Firma.. die wahrscheinlich wie immer völlig aus der Luft gegriffen sind).

Geschrieben

Also Murex hat mir mitgeteilt, dass Sie ausschliesslich absolut individuelle Inhouse-Lösungern (inkl. Mitarbeiter vor Ort) anbieten. Zu Ihren Kunden teilen sie mit:

Our customer base includes sell side institutions, traditional asset managers and also many hedge funds.

Sie planen zwar auch noch eine ASP-Lösung dazu exisitiert aber noch kein Lizenzmodell und Zeitplan. Einen Datenfeed muss man fremd beziehen. Die Implemtierung und Anpassung der Software benötigt mehrere Monate - und damit tatsächlich ähnlich wie SAP :)

  • 1 Monat später...
Geschrieben
Edit: Nicht zu Vergessen ist Excel, ich habe schon sehr interessante Lösungen gesehen, die auf Excel basieren, anscheinend kann man da mit VBA sehr viel machen.

 

In welcher Weise lässt sich Excel denn effektiv fürs diskretionäre Trading nutzen, wenn man mal von der Ergebnisanalyse absieht?

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