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Kann man vom Daytrading leben?

Geschrieben

Hallo;

 

 

ich möchte dieses Thema - begründet aus meiner persönlichen Situation heraus - noch einmal aufleben lassen.

 

Wie ist die Vorgehensweise aus einem herkömmlichen Berufsleben zum privaten Trader zu wechseln; sprich: das bisher

 

mit dem Beruf verdiente Geld künftig an der Börse zu erwirtschaften?

 

Für mich ist das aus verschiedenen Gründen eine ernste Alternative geworden.

 

Ich würde aber Euch gerne fragen, wie Ihr es angestellt habt. Dabei sollen vorerst Zahlen keine Rollen spielen, sondern einfach die

 

Art und Weise, wie Ihr den Wechsel für Euch gestaltet habt.

 

 

Für Eure Antworten danke ich jetzt schon.

 

 

Gruß,

 

Paspartout.

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Geschrieben

mit Deinen Berechnungen bist Du Generationen weiter als ich es aus heutiger Sicht jemals tun würde. Da bekommt man doch sicher unzählige Ergebnisse zusammen; wo zieht man da den Schlussstrich? Respekt. Ein ausgeklügeltes, vor allem realitätsbezogenes RM / MM erscheint für mich ausreichend. Mit realitätsbezogen meine ich, dass es nichts bringt mit Positionsgrößen zu kalkulieren, die mich hyperventilieren lassen, wenn ich sie tatsächlich handeln würde.

 

Selbstverständlich kommen hier endlose Zahlenkolonnen raus. Den Sclussstrich gilt es deutlich vor Erreichen der Stelle zu ziehen, an der ein System überoptimiert wir. Dies kann man nicht nur - wie die meisten Trader meinen - auf automatische Systeme beziehen sondern auch auf diskretionär gehandelte Systeme. Alles was einer Regel folgt ist letztendlich ein System.

 

Das finde ich interessant. Und doch kann ich mir vorstellen, dass es keine konstante Größe gibt. Die Gleichung wird immer eine Unbekannte haben.

 

Wie ich schon sagte, ging ich ursprünglich von Vorausberechnungen aus. Wenn man Excel, und somit einen Rechner, an diese Aufgabe setzt, hat man ohnehin schon die wichtigste Variable vergessen - den Trader. Deshalb ist es auch viel effektiver die tatsächlichen Trades auszuwerten. Dies setzt natürlich das Vorhandensein eines Systems bzw. Regelwerkes voraus. Einfach gesagt handelt es sich hier um Dein persönliches Tradingtagebuch, welches Du führen und auswerten solltest. Dieses Tagebuch kannst Du ergänzen mit einer kurzen Notiz zu Deiner mentalen Verfassung. So kannst Du Dir später die Ergebnisse der Tage angucken, an denen Du eigentlich gar keine Lust zum Traden hattest oder unter Zeitdruck gestanden hast oder Stress mit Deiner Frau gehabt hast. Hört sich albern an, ich weiß. Aber genau das sind die weichen Faktoren. Drei Wochen später kannst Du Dich nicht mehr daran erinnern, wenn Du es aber aufgeschrieben hast, wirst Du festellen, dass Deine Leistung an solchen Tagen von der Leistung anderer Tage zum Teil deutlich abweicht. Wenn Du einen "Frusttrade" machst, kennzeichne ihn als solchen. Alle diese Informationen werden dir bei der späteren Analyse helfen die Auswirkungen verscheidener Rahmenbedingungen auf Dein Trading zu erkennen.

 

Du kannst Dir nicht vorstellen wie oft man mir schon fast makellose Tradingjournale gezeigt hat, die bis auf die drei Trades die alles kaputt gemacht haben, echt prima waren. Wenn ich dann frage "Was waren denn das für Trades?", dann bekomme ich häufig die Antwort "...die hätte ich ja eigentlich gar nicht gemacht." Bullshit! Sie sind da. Die Frage ist: Warum sind sie da? Wurden die Trades gemacht, weil man sich noch schnell etwas vom Markt zurück holen wollte, was man zuvor vielleicht verloren hat? Stand das Essen auf dem Tisch? War man nicht fit oder übermüdet...?

 

Alles das kann man auswerten. Und dazu kommen dann noch die harten Fakten. Wenn ich sehe, dass die Mehrzahl der ausgestoppten Trades vorher mit 70% im Takeprofit lagen, dann muss ich früher raus. Dadurch verändert sich natürlich mein CRP. Reicht es also aus, wenn früher aussteige oder wird die Strategie trotz häufigerer Gewinne durch das schlechtere CRP zu Verlusten führen? Hilft es, wenn ich das CRP durch einen engeren Stopploss wieder herstelle? Wieviel Prozent des SL haben die Gewinner erreicht, bevor sie tatsächlich Gewinner werden? Fragen, Fragen, Fragen... :-)

 

Das Wichtigste was Du aus diesen Auswertungen ziehen kannst sind zwei Dinge: Erstens weißt Du warum etwas funktioniert (oder auch nicht) und zweitens schafft es Vertrauen in Deine Strategie. Wie wichtig das ist, wirst Du erleben, wenn Du die erste Serie von 10 Verlusten in Folge hast. Viele Trader fangen dann an an den Stellschrauben zu drehen und aus einem 30er GD einen 25er GD zu machen oder der Stochastik oder was auch immer eingesetzt wird ein paar neue Werte zu verpassen. Aber genau das wird derjenige nicht machen, der Vertauen in seine Strategie hat.

 

Mein Verständnis von der Auswertung einer Strategie geht also über das bloße Jonglieren mit Zahlen hinaus.

 

 

Klingt ein wenig danach, als hätte es keine Rechfertigung sich ein Verdienstziel zu setzen. Oder verstehe ich diesen Punkt falsch? So wie ich das sehe, ist die Zielsetzung gleichzeitig die Motivation seine Erwartungen an die Hand zu nehmen, was bedeutet, dass man ihnen einerseits zeigt wo man mindestens hin will, und andererseits in die Schranken weist. Der Wunsch ist erfahrungsgemäß größer als die Möglichkeiten.

 

Ja und Nein. Ich hasse den Spruch "Der Weg ist das Ziel". Manchmal kann man ihn aber zumindest teilweise anwenden. Dein Ziel sollte meiner Meinung nach nicht ein Betrag sein, den Du erwirtschaften möchtest oder ein Prozentsatz. Dein Ziel sollte es sein, gut zu traden und eine gute und robuste Strategie zu handeln. Wenn Dir das gelingt kommt der Rest automatisch.

 

Traden ist wie Trinken. Wer betrunken sein will, muss auch "lernen" sich zu betrinken. Spätestens wenn man gelernt hat, dass man Alkohol statt Wasser saufen muss, klappt es mit dem Vollrausch von ganz allein. :-)

 

Was ich handeln werde: Währungen und Futures. Aber ich will mir auch anderes ansehen. Bei mir funktioniert der H1 recht gut. Wobei ich vom Tageschart bis auf M5 hineinzoome, um mir ein Bild zu machen. Ist einfach zeitlich bedingt.

 

Konzentriere Dich, wie bereits an anderer Stelle gesagt, auf ein Währungspaar, wenn Du Währungen handeln möchtest. Schau Dir an, welche Daten Auswirkungen auf Dein Instrument haben. Gib jeder Position die Du eingehst die gleiche Chance und nutze ein vernünftiges Risikomanagement.

 

Jetz tun mir die Finger weh!

 

Beste Grüße

Christian

Geschrieben
Es gibt ein Zitat, welches ich leider im Moment nicht richtig auf die Reihe bekomme. Sinngemäß sagt es, dass der beste Plan für einen Krieg bereits nach der ersten Schlacht neu überdacht werden muss.

 

Ich glaube du hattest da Sunzi im Sinn:

 

Wenn deine Strategie tiefgründig und umfassend ist, dann ist das was Du aus Deinen Berechnungen gewinnst viel und Du kannst gewinnen bevor Du überhaupt kämpfst.

 

Wenn hingegen Dein strategisches Denken nicht tiefgründig und weitreichend ist, dann ist das was Du aus Deinen Überlegungen gewinnst nur wenig und Du wirst verlieren bevor Du Dich überhaupt auf eine Auseinandersetzung eingelassen hast.

 

Eine große Zahl strategischer Analysen wird die Oberhand über eine kleine Zahl strategischer Analysen gewinnen. Daher können jene, die über keinerlei Strategie verfügen nur besiegt werden.

Deshalb heißt es, dass siegreiche Krieger zuerst gewinnen und dann erst in den Krieg ziehen, während unterlegene Krieger zuerst in den Krieg ziehen und dann versuchen zu gewinnen.

Geschrieben

Ich möchte noch einen anderen Aspekt in die Runde werfen:

Wenn ein Schreiner einen ganzen Tag lang einen Tisch gebaut hat und diesen dann weit unter Wert verkaufen muss, weil die Nachfrage nichts anderes hergibt hat er einen Tag gearbeitet und Verlust erwirtschaftet - ABER er hat etwas geschaffen - er hat trotzdem seine Zeit "sinnvoll" verbracht. Er hat am Wertschöpfungsprozess teilgenommen.

Wenn Du einen Tag tradest und Verlust machst - hast Du NICHTS geschaffen. Du hast Kapital und Lebenszeit verschwendet und im günstigtsten Fall ein paar Erfahrungen gemacht, die Dich vielleicht eines Tages weiter bringen. Ich glaube das ist psychologisch eine andere Situation, als wenn man Angestellt ist oder auch eine "normale" selbstständige Tätigkeit hat.

Geschrieben

Ich glaube du hattest da Sunzi im Sinn...

 

Sunzi war es nicht. Leider habe ich den Zustand, einen Trade zu gewinnen, bevor ich abdrücke, noch nicht erreicht... :-)

 

Dass von mir gemeinte Zitat besagte, dass kaum ein Schlachtplan den ersten Feindkontakt übersteht.

 

Beste Grüße

Christian

Geschrieben

Ich möchte noch einen anderen Aspekt in die Runde werfen:

Wenn ein Schreiner einen ganzen Tag lang einen Tisch gebaut hat und diesen dann weit unter Wert verkaufen muss, weil die Nachfrage nichts anderes hergibt hat er einen Tag gearbeitet und Verlust erwirtschaftet - ABER er hat etwas geschaffen - er hat trotzdem seine Zeit "sinnvoll" verbracht. Er hat am Wertschöpfungsprozess teilgenommen.

Wenn Du einen Tag tradest und Verlust machst - hast Du NICHTS geschaffen. Du hast Kapital und Lebenszeit verschwendet und im günstigtsten Fall ein paar Erfahrungen gemacht, die Dich vielleicht eines Tages weiter bringen. Ich glaube das ist psychologisch eine andere Situation, als wenn man Angestellt ist oder auch eine "normale" selbstständige Tätigkeit hat.

 

Das ist so ein "Der-Weg-ist-das-Ziel-Ding". Mir persönlich (ich spreche hier nur für mich) ist der Tisch eigentlich völlig egal. Er ist Mittel zum Zweck. Ich tausche ihn um in Geld und dann in Wurst, die ich mir auf mein Butterbrot lege. Da ich essen muss, muss ich Tische bauen. Ich glaube kaum, dass es auf diesem Planeten auch nur einen Schreiner gibt, der gerne glücklich verhungert, in dem Wissen, dass er immerhin etwas erschaffen hat.

 

Ein kaufmännisch begabter Schreiner würde den Tisch in die Ecke stellen, bis der Markt wieder das hergibt, was er dafür haben muss. Sein Stopploss kann er sich anhand der Opportunitätskosten ausrechnen. Wenn die Kosten für die Lagerung irgendwann den zu erzielenden Preis übersteigen, dann kann er ihn im eignen Kamin verbrennen. Wenn aber Chance besteht, dass er morgen einen Käufer findet, der ihm seinen Preis zahlt, dann setzt er das Risiko der Lagerkosten gegen den wahrscheinlichen Ertrag.

 

Wenn er immer Tische baut, die niemand haben will, dann läuft etwas schief. :-)

 

Bevor ich als Angestellter arbeite würde ich lieber jeden zweiten Tisch verschenken. Der einzige Unterschied in Deinem oben genannten Beispiel ist, dass der Angestellte ebenso wie der Schreiner am Wertschöpfungsprozess teilgenommen hat aber die Sicherheit hat, für seine Arbeit entlohnt zu werden. Um diese beiden mal zusammen zu führen, stelle man sich vor, dass der Angestellte bei dem Schreiner angestellt ist. Er leiste seine Arbeit im Voraus und der Schreiner hat einen Monat Zeit, den Tisch zu verkaufen, den der Angestellte gebaut hat. Erst dann gibt er ihm einen kleinen Teil dessen ab, was er an dem Tisch verdient hat. Während der Schreiner sich in die Sonne setzt und sein Leben genießt, buckelt der Angestellte jeden Tag fleißig einen Tisch zusammen. Mehr verdient hat am Ende der Schreiner. Nicht nur Geld sondern auch Ansehen. Denn ER baut ja schließlich wunderschöne Tische für seine Kunden. Wer hat am Ende das besser Leben?

 

Es ist so typisch deutsch immer auf der Suche nach einer Rechfertigung zu sein, dass das was man gerade macht ja eigentlich doch ganz gut ist - auch wenn einen quält ohne Ende. Es erinnert mich an Sprüche wie "...naja wenigesten hat sie nicht lange leiden müssen.", wenn Tante Elli gestorben ist. Sterben ist immer schlecht, egal ob schnell oder langsam, am ende ist man meistens tot! :-)

 

Bitte nicht falsch verstehen!!! Das ist nur meine persönlich Meinung zu diesem Thema und eine Seite dieses Aspektes. Es gib sicher auch Leute, die es genau anders herum sehen. Das ist auch gut so - denn sonst gäbe es ja keinen mehr der Tische bauen will. Und somit auch keinen Schreiner, dem vor Freude darüber die Sonne aus dem Hintern scheint.

 

Aber allen, die mehr bewegen wollen, gebe ich dieses Zitat mit auf den Weg: "Wer immer nur tut, was er kann, wird nie mehr sein, als er ist."

 

 

Beste Grüße

Christian

Geschrieben

 

Deshalb heißt es, dass siegreiche Krieger zuerst gewinnen und dann erst in den Krieg ziehen, während unterlegene Krieger zuerst in den Krieg ziehen und dann versuchen zu gewinnen.

 

 

Sunzi war es nicht. Leider habe ich den Zustand, einen Trade zu gewinnen, bevor ich abdrücke, noch nicht erreicht... :-)

 

D

 

Ich denke eher, dass hier ein positive Gewinnerwartung der Methode gemeint ist. Erst wenn die Methode auch umgesetzt werden kann, dann kann die Schlacht gewonnen werden.

Bearbeitet von remon

Geschrieben

"...naja wenigesten hat sie nicht lange leiden müssen.", wenn Tante Elli gestorben ist. Sterben ist immer schlecht, egal ob schnell oder langsam, am ende ist man meistens tot! :-)

 

Stimmt, sterben ist schlecht (für die meisten zumindest), aber es gehört nun mal zum Leben dazu.

 

Es steht schon bei der Geburt unwiderruflich fest, dass man einmal sterben muss!

 

Und wenn ich es mir aussuchen könnte, dann würde ich auch gerne ohne viel Schmerzen sterben (wenn meine Zeit gekommen ist).

 

Der Ausdruck "...naja wenigesten hat sie nicht lange leiden müssen" zeigt meiner Meinung nach eher eine positive Einstellung,

denn er sagt ja nichts anderes aus, dass wir alle einmal sterben müssen & das es ohne Schmerzen eben besser ist.

 

 

Aber allen, die mehr bewegen wollen, gebe ich dieses Zitat mit auf den Weg: "Wer immer nur tut, was er kann, wird nie mehr sein, als er ist."

 

Super Zitat! :correct: Genau so ist es, denn der Mensch ist ja das "Produkt" seiner Gedanken!!! Also immer schön aufpassen was ihr denkt. ;-) :emc2:

 

LG

Nelly

Geschrieben

ich wollte hier auch nicht das Philosophieren anfangen. :-)

 

Aber genau das wird vom Threaderöffner angestrebt, oder?

 

Ein selbstbestimmtes und vernunftbasiertes Leben auf der Grundlage eigenen Nachdenkens (sapere aude!) ist das Ziel vieler Philosophierender. (Philosophie - Wikipedia)

 

Verstehe schon, was Du meinst. :wwink:

Geschrieben

Ich denke aber das sich hier noch 2 bis 3 Leute finden die ein wenig berichten..

Paspartout

 

 

Wer von euch ist denn Hauptberuflich Trader bzw. Investor und lebt davon ganz gut mich würde mal interessieren wer Durchschnittlich gesehen recht erfolgreich ist und wie lange es gedauert hat oder ist diese Sache zu privat um es zu posten.

 

Also dabei bin ich jetzt seit 2 Jahren, konnte mich bisher aber noch nicht richtig intensiv damit beschäftigen weil ich noch anderen Sachen nach gehe. Ich merke aber das die finanzielle Absicherung eine ziemlich große Rolle spielt da man sonst keinen klaren und freien Kopf beim Trading hat.

 

Aber der Job gefällt mir und ich denke wenn man hart genug arbeit für den Erfolg wird man früher oder später belohnt.

Geschrieben

Wer von euch ist denn Hauptberuflich Trader bzw. Investor und lebt davon ganz gut mich würde mal interessieren wer Durchschnittlich gesehen recht erfolgreich ist und wie lange es gedauert hat oder ist diese Sache zu privat um es zu posten.

 

Also dabei bin ich jetzt seit 2 Jahren, konnte mich bisher aber noch nicht richtig intensiv damit beschäftigen weil ich noch anderen Sachen nach gehe. Ich merke aber das die finanzielle Absicherung eine ziemlich große Rolle spielt da man sonst keinen klaren und freien Kopf beim Trading hat.

 

Aber der Job gefällt mir und ich denke wenn man hart genug arbeit für den Erfolg wird man früher oder später belohnt.

 

 

Dein letzter Satz ist der entscheidende.

 

Ich gehöre zwar nicht zu den Leuten, deren Selbstdarstellung mit den Worten "...seit meinem 14. Lebensjahr..." beginnt aber ich bin schon einige Zeit dabei. Meine ersten Erfahrungen machte ich Ende der 90er Jahre zu den Glanzzeiten des Neuen Marktes. Ohne wirklich zu verstehen, was da passierte und warum etwas passierte hatte ich eine recht einfache Technik entwickelt. Wenn eine Aktie innerhalb eines Tages mehr als 20% gestiegen war, dann kaufte ich sie am Abend vor Börsenschluss, nahm am nächsten Tag noch mal ein paar Prozent mit und verkaufte sie vor Börsenschluss. Das funktionierte erstaunlich oft. Da ich damals aber etwas unbedarft war, machte ich die Transaktionen über die Spasskasse meines Vertrauens. Ich hatte den Eindruck, dass mein Banker genau so wenig Ahnung von dem hatte, was er dort tat, wie ich von dem was ich tat.

 

Als ich mein Depot eröffnete musste ich eine beinahe einstündige Belehrung über mich ergehen lassen, in der man mir erklärte, dass solche Geschäfte immer langfristig zu sehen sein. Während des nicht enden wollenden Monologes meines Bankers und meiner deutlichen und immer häufigeren Gesten, er möge das Gespräch doch bitte etwas beschleunigen, stellte dieser nach 30 Minuten fest, dass ich mit steigender Nervosität auf meinem Stuhl herum rutschte und fragte mich, ob ich unter Zeitdruck stünde. Ich antwortete ihm, er solle mir jetzt endlich den Depotantrag ausdrucken und das Geld von meinem Girokonto umbuchen, da die Aktien, die ich eigentlich hatte kaufen wollen schon wieder um 10% gestiegen waren.

 

Der Mann ließ sich aber nicht beirren und wollte seine Sache wirklich gut machen. Am Ende vermittelte ich ihm scheinbar den Eindruck, dass ich verstanden habe, was er mir erklärt hatte. Umso größer war sein Erstaunen, als ich ihm am nächsten Tag per Fax einen Verkaufsauftrag zukommen ließ für die Aktien, die ich vor nicht einmal 24 Stunden erworben hatte. Er bot mir an, mich noch einmal zu beraten, weil er nun doch vermutete, dass ich das mit der langfristigen Anlage nicht richtig verstanden hatte. Ich lehnte dankend ab.

 

Nach einigen Wochen konnte ich nicht mehr schlafen und träumte von Aktien und Kursen. Ich hielt einen Wert im Depot, der innerhalb von drei Wochen um mehr als 100% gestiegen war. Der Kurs stand bei 300 Euro pro Aktie. Die 400 Euro waren in Sichtweite. Zwei Tage später notierte die Aktie bei 87 Euro - und ich besaß die Aktien immer noch. Schade! Ich habe mich mit einem blauen Auge, schlaflosen Nächten und einer wenigstens noch schwarzen Null aus diesem Abenteuer verabschiedet. Aber ich war infiziert...

 

Der nächste Start kam ein paar Jahre später. Mit einem Depot bei CMC Markets. Jetzt, da ich die Möglichkeit hatte meine Positionen selber zu öffnen und zu schließen, wann immer ich wollte und nicht mehr Faxe zu verstörten Bankern schicken musste, konnte ich richtig Vollgas geben. Leider hat mir niemand erklärt, dass Risikomanagement nicht alleine darin besteht, dass man das Depotkapital mit dem maximal möglichen Hebel multipliziert, um daraus die Positionsgröße abzuleiten. Über das Ergebnis dieses Informationsdefizites und dessen Auswirkungen brauche ich wohl hier nicht weiter zu berichten. Dieses mal war es leider keine Nullnummer.

 

Trotzdem ließ mir das Thema keine Ruhe. Ein Jahr später fasste ich den Entschluss, nicht mit einem Depot sondern mit Wissen zu beginnen. Ich verschlang tausende Seiten Fachliteratur und begann zu verstehen, dass erfolgreiches Trading mehr ist als nur mal eben ein paar Knöpfe zu drücken und zu hoffen, dass man zufällig richtig gelegen hat. Ich begann auch wieder mit echtem Geld zu handeln und konnte mein Depot stabil halten und sogar Gewinne erzielen.

 

Obwohl ich auch in den vergangnen Jahren immer genug Zeit hatte, mich mit dem Trading intensiv zu beschäftigen, entschloss ich mich im Jahr 2009 mich ausschließlich dieser Tätigkeit zu widmen und Trading als meinen Beruf zu betrachten. Wenn ich schreiben würde, dass es seitdem nur noch steil aufwärts geht, würde ich lügen. Selbstverständlich gibt es gute Phasen ebenso wie es auch Drawdownphasen gibt. Das gehört meiner Meinung nach dazu. Sollte jemand ein Patentrezept gefunden haben, wie man nur noch gewinnt, bitte ich um kurze Nachricht. :-)

 

Wichtig ist, dass man auf lange Sicht Geld verdient und nicht Geld verbrennt. Wie ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe, ist es für mich auch nicht das primäre Ziel innerhalb eines definierten Zeitraumes einen bestimmten Betrag zu verdienen. Viel wichtiger ist es "einfach" auf Dauer gut zu traden. Das sorgt für eine ausgeglichnene Psyche und dadurch letztendlich auch für Ertrag. Dadurch kommen wir der zu der Kernaussage des oben stehenden Zitates: "...wenn man hart genug arbeitet für den Erfolg, wird man früher oder später belohnt."

 

Die Zeiten in denen ich schlecht schlafen kann und Banker an den Rand eines Nervenzusammenbruchs führe sind vorbei...

 

Beste Grüße

Christian

Geschrieben

Dein letzter Satz ist der entscheidende.

 

 

Die Zeiten in denen ich schlecht schlafen kann und Banker an den Rand eines Nervenzusammenbruchs führe sind vorbei...

 

Beste Grüße

Christian

 

 

Die Zeiten des schlecht schlafens sind bei mir auch vorbei, da ich endlich gelernt habe jede Order mit einen Stop zu versehen was ich früher nie einsehen wollte da der Kurs sich ja bestimmt irgendwann zu meinen Gunsten wieder entwickelt, was auch immer der Fall war kleines Problem an der Sache war immer der das mein Depot komischerweise auf 0,00 € war :crazy:

Geschrieben

Die Zeiten des schlecht schlafens sind bei mir auch vorbei, da ich endlich gelernt habe jede Order mit einen Stop zu versehen was ich früher nie einsehen wollte da der Kurs sich ja bestimmt irgendwann zu meinen Gunsten wieder entwickelt, was auch immer der Fall war kleines Problem an der Sache war immer der das mein Depot komischerweise auf 0,00 € war :crazy:

 

Ich fand die Stopps zu Anfang auch immer doof...da wurde man immer ausgestoppt. Wie soll man denn da gewinnen?! :-)

 

Beste Grüße

Christian

Geschrieben

Ich fand die Stopps zu Anfang auch immer doof...da wurde man immer ausgestoppt. Wie soll man denn da gewinnen?! :-)

 

Beste Grüße

Christian

 

In den man die Stopps richtig setzt, und nicht einfach willkürlich, aber auch das hat wie alles andere im Leben Vor und Nachteile. :cleanglasses:

Geschrieben

In den man die Stopps richtig setzt, und nicht einfach willkürlich, aber auch das hat wie alles andere im Leben Vor und Nachteile. :cleanglasses:

 

Du hast schon verstanden, dass ich das nicht ernst gemeit habe, gelle? :craazy:

Geschrieben

Du hast schon verstanden, dass ich das nicht ernst gemeit habe, gelle? :craazy:

 

 

Na aber selbstverständlich keine Bange. :punishR:

Geschrieben

Na aber selbstverständlich keine Bange. :punishR:

 

Habe ich mir gedacht. Ich wollte auch nur noch aml drauf hinweisen. Nicht, dass jemand sagt "Christian hat gesagt, Stopps sind doof...". Man weiß ja nie. :-)

 

Beste Grüße

Christian

Geschrieben

Habe ich mir gedacht. Ich wollte auch nur noch aml drauf hinweisen. Nicht, dass jemand sagt "Christian hat gesagt, Stopps sind doof...". Man weiß ja nie. :-)

 

Beste Grüße

Christian

 

Ich denke jeder der ein paar Jahre im Geschäft ist, ist zurück zuführen auf das setzen von Stopps. (und anderen vielen wichtigen Sachen)

 

@ SFX Willst du eigentlich nur Daytrading betreiben, ich hab mich noch zusätzlich für ein kleines Investment entschieden was ich nach und nach aufstocke manchmal ist das echt die entspanntere Variante der Geldvermehrung, für den Fall das man mal nicht vor den Rechner hängen kann wäre dies noch eine Alternative.

Geschrieben

Ich denke jeder der ein paar Jahre im Geschäft ist, ist zurück zuführen auf das setzen von Stopps. (und anderen vielen wichtigen Sachen)

 

@ SFX Willst du eigentlich nur Daytrading betreiben, ich hab mich noch zusätzlich für ein kleines Investment entschieden was ich nach und nach aufstocke manchmal ist das echt die entspanntere Variante der Geldvermehrung, für den Fall das man mal nicht vor den Rechner hängen kann wäre dies noch eine Alternative.

 

Mit mittel- oder langfristigen Investments stehe ich auf Kriegsfuß. Dafür bin ich nicht geduldig genug. Abegesehen davon können in der Zukunft immer wieder Dinge passieren, die man vorher nicht auf dem Radar hatte. Deshalb halte ich mich lieber an den Intraday-Handel.

 

Beste Grüße

Christian

Geschrieben

Mit mittel- oder langfristigen Investments stehe ich auf Kriegsfuß. Dafür bin ich nicht geduldig genug. Abegesehen davon können in der Zukunft immer wieder Dinge passieren, die man vorher nicht auf dem Radar hatte. Deshalb halte ich mich lieber an den Intraday-Handel.

 

Wenn der entsprechend erfolgreich ist kommt man aber auch nicht umhin sich zu überlegen was man dann mit größeren Summen macht.

So landet man wieder bei wie auch immer gearteten Investments. Ich nutze Tagesgeld, Unternehmensanleihen und Aktien, Gewichtung je nach Börsenphase in der wir uns befinden.

 

Ich habe da für 20 Euro im Monat zwei seriöse Berater per Newsletter gebucht, die haben Zeit die Situation zu analysieren.

 

Lutz

Geschrieben

Wenn der entsprechend erfolgreich ist kommt man aber auch nicht umhin sich zu überlegen was man dann mit größeren Summen macht.

 

Da ich über die von mir genutzte Handelsplattform auch zweistellige Millionenbeträge handeln kann und für die Trades meistens nur geringe Hebel verwendet werden, habe ich wohl noch etwas Zeit, bevor ich an die Grenzen stoße und mir Gedanken darüber machen muss, wo ich das "überflüssige" Geld parke. :-)

 

Wenn es soweit ist, wird sich da bestimmt eine Lösung finden lassen.

 

Beste Grüße

Christian

Geschrieben

..... kurz "meine 2 Cent" zwischen dem ansonsten sehr informativen und mit viel Humor geschriebenen Dialog der Großen (vielen Dank , Euch allen , insbesondere SFX :yes4: ) .

 

Heute bin ich KEIN hauptberuflicher Trader , eher in vergleichbarer Situation wie der von Paspartout jedoch zusätzlich noch mit lieben Kindern die auch noch mitten in der Ausbildung stehen .

 

Kleinerbrokers 3-jähriger Lebenslauf , getrieben von Träumen aber auch Spaß an Börse (infiziert), wie weiter oben von anderen beschrieben (neben Sparkasse, CMC auch DAB , QT , AT , RBS , IGMarkets "you name it , KB got it...") .

 

Irgendwann , ca vor einem Jahr , kam die Erkenntnis das meine Psyche ausgeschaltet werden muss . Meine Trades sind gut , wenn ich entspannt bin . (extrem komprimiert die Erkenntnis aus 2 Jahren

Achterbahn des Tradings und der Emotionen vorher ) .

 

Deswegen arbeite ich heute so (und DAS ist mein eigentlicher Input hier ) : Daytrading via EA (MT4) während ich in jeder freien Minute (wirklich jeder Minute) entweder Code oder aber mit Euch und meinem Heimatforum

kommuniziere . Ich lasse also traden und investiere meine Zeit in weitere oder bessere EA und hoffe darauf, dass ich irgendwann soviele EA´s habe, dass ....... im Moment sind es erst 2 .

 

 

Kleinerbroker

 

PS.: :sunglass: Lese seit gestern Behavioral Finance , man soll den Kampf gegen den inneren Schweinehund ja nie aufgeben (SFX ;) )

Geschrieben
  • Autor

Hallo;

 

bin begeistert von Eurem Feedback, ein verneigtes Dankeschön an Euch.

 

Werde mir ein paar Häppchen später gönnen und darauf eingehen.

 

Vorab nur soviel:

 

Musste diese Woche ein paar Ohrfeigen einstecken. Lief nicht wirklich gut, obwohl der Verlust zu verkraften ist.

 

Man sitzt halt doch nur auf der Spitze des Charts und weiß nicht wirklich ob es rauf oder runter geht. Man hebt sich fest, das einzige was man tun kann wenn man im Markt ist.

 

 

Man versucht imme wieder ein Pärchen zu vereinen, dass sich nicht vereinen lässt:

 

Sicherheit und Ungewissheit.

 

 

Gruß,

 

 

Paspartout

Geschrieben

Heute bin ich KEIN hauptberuflicher Trader , eher in vergleichbarer Situation wie der von Paspartout jedoch zusätzlich noch mit lieben Kindern die auch noch mitten in der Ausbildung stehen .

 

Das ist ja keine Schande. Vielleicht gelingt ja irgendwann der Schritt zum Vollzeit-Trader. Genug hilfreichen "Input" bekommst Du hier ja...

 

 

Kleinerbrokers 3-jähriger Lebenslauf , getrieben von Träumen aber auch Spaß an Börse (infiziert), wie weiter oben von anderen beschrieben (neben Sparkasse, CMC auch DAB , QT , AT , RBS , IGMarkets "you name it , KB got it...") .

 

 

Ja, so ist das. Wenn man erst einmal infiziert ist, dann bleibt man meistens dabei. Und irgendwann kommt auch der Zeitpunkt, an dem man eine sichere Ausgangsbasis gefunden hat.

 

Irgendwann , ca vor einem Jahr , kam die Erkenntnis das meine Psyche ausgeschaltet werden muss . Meine Trades sind gut , wenn ich entspannt bin . (extrem komprimiert die Erkenntnis aus 2 Jahren

Achterbahn des Tradings und der Emotionen vorher ) .

 

Deswegen arbeite ich heute so (und DAS ist mein eigentlicher Input hier ) : Daytrading via EA (MT4) während ich in jeder freien Minute (wirklich jeder Minute) entweder Code oder aber mit Euch und meinem Heimatforum

kommuniziere . Ich lasse also traden und investiere meine Zeit in weitere oder bessere EA und hoffe darauf, dass ich irgendwann soviele EA´s habe, dass ....... im Moment sind es erst 2 .

 

 

Der Gedanke ist gut. Die beste Strategie nutzt nichts, wenn der Kopf nicht mit macht. Ein Algotrader ist nichts anderes, als eine in Code gegossene Strategie...ohne Emotionen. Aber natürlich auch ohne Gefühl. Wenn aber die Strategie gut ist und "Marktgefühl" nicht die Grundlage ist, dann bist Du mit den Algotradern auf einem guten Weg.

 

 

PS.: :sunglass: Lese seit gestern Behavioral Finance , man soll den Kampf gegen den inneren Schweinehund ja nie aufgeben (SFX ;) )

 

 

Da sagst Du was! :-) Es hilft, wenn man versteht, was der innere Schweinehund einem für Streiche spielt. Manchmal jedenfalls...

 

Beste Grüße

Christian

Geschrieben

Ich lasse also traden und investiere meine Zeit in weitere oder bessere EA und hoffe darauf, dass ich irgendwann soviele EA´s habe, dass ....... im Moment sind es erst 2 .

Mal eine Frage... Ist es wirklich Sinnvoll mehr als 3 Handelssysteme zu haben?

Wäre es nicht besser die Handelssysteme die man hat weiter zu entwickeln, zu verbessern oder dem Markt anzupassen?

Ich weiß nur dass ich mit meinen 3 Handelssystemen wirklich mehr als genug zu tun habe.

- Gapplay (Aktien) // habe ich hier in den Grundzügen bereits beschrieben

- Eine zu mir angepasste CANSLIM Variante

- Eine die seltene jedoch hohe Gewinnwahrscheinlichkeit angepasste Marktscanner Strategie.

Klar würde ich gerne mit mehreren Strategien spielen jedoch fehlt mir das Geld und wenn ich das Geld über hätte würde ich meine Posigrößen in den vorhandenen Strategien erhöhen.

Woher nehmt ihr also die Zeit für mehr >3 Strategien?

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