Fangen wir mal so an. Ich trade schon ziemlich lange (so etwa seit 1983/84), lebe aber erst seit etwa 2004 ganz vom Traden. Angefangen habe ich während meines Studiums und auch eher gelegentlich. Obwohl ich anfangs ordentlich viel Geld versenkt habe (ich nehme an, dass das den meisten so gegangen ist, die schon länger "überlebt haben"), habe ich mir - mehr mit Glück als mit Können - am Ende doch noch mein Studium komplett damit finanziert. Dissertation und Auslandsaufenthalte haben mich dann glücklicherweise vom Traden immer mehr abgehalten.
Warum glücklicherweise? Nun, ich habe damals sehr viel Geld mit japanischen Optionsscheinen "verdient". Das war zu der Zeit eigentlich eine Einbahnstrasse zum Reichtum. Rückblickend weiß ich nicht, ob ich die Trendwende (ca. 1990) erkannt hätte, wenn ich zu der Zeit voll aktiv gewesen wäre. Freunde von mir waren damals durch die Scheine zu Millionen gekommen und haben dann alles oder fast alles wieder verloren. Da ich zu der Zeit auch kaum tragfähige Strategien für das Risikomanagement (bzw. Moneymanagement, wie wir das heute nennen) entwickelt hatte, hätte mir das ganz leicht auch so gehen können. Aber diese Zeit und die japanischen Optionsscheine haben es unter dem Strich ziemlich gut mit mir gemeint. Ich habe einem Porsche und anderen Verlockungen widerstanden und ein sehr schönes Startkapital für meine späteren Aktivitäten ertradet. Aber wie gesagt, wenn man damals auf Japan gesetzt hat, dan konnte man eigentlich kaum Fehler machen. Gute Gewinne ohne viel Arbeitsaufwand bei der ganzen Traderei. Eine ganz gemütliche Angelegenheit war das, aber leider vorbei.
Forschung und Beruf haben mich dann immer weiter vom Traden abgebracht, ich war auch einige Jahre in den USA und dort witzigerweise lange Zeit technisch (vernünftige Kursversorgung) eher abgeschnitten. So blieb ich einige Zeit mehr als Anleger und weniger als Trader im Spiel. Die Crashtage 1987 und 1989 habe ich erstmals als Daytrader agiert. Der Zufall wollte es, dass ich an beiden Tagen Realtimekurse nutzen konnte. Und fast noch wichtiger, mein Broker hatte eine Standleitung auf den Floor in Chicago, so dass ich im Gegensatz zu vielen anderen auch handlungsfähig war.
Ende 1989 kam ich ganz nach Deutschland zurück. Aber das Schicksal wandte sich gegen mich und ich hatte in den 90er Jahren viel mit Krankheit, Krankenhaus & Co zu tun. 1991 habe ich kurz nach Gründung der DTB (heute Eurex) die Marketmaker-Prüfung abgelegt und anschließend einige Zeit in dem Bereich gearbeitet und für einen großen Player in der Branche einiges aufgebaut. Doch Krankheit und Co haben mich schließlich aus dem Rennen gekegelt. Wenn ich mal die Energie hatte, habe ich privat noch hier und da einen Trade gewagt. Die liefen teilweise über Monate - wenn ich Glück hatte :-)
Am Ende der 90er Jahre habe ich noch einen beruflichen Neuanfang probiert, dieses Mal bei einem großen institutionellen Anleger. So ging auch der Neue Markt ziemlich spurlos an mir vorbei. Doch der Krankheit, Krankenhaus & Co Blues hat mich wieder aus dem Rennen geworfen. Als dann 2003 meine Mutter zum Pflegefall wurde, habe ich mich nach langer Überlegung entschlossen, in Ihren letzten Tagen noch für Sie da zu sein und wieder mehr zu traden. So ist es dann auch gekommen, dass ich sozusagen zum Hauptberufstrader und Nebenberufspfleger geworden bin, später dann eher Hauptberufspfleger und Nebenberufstrader, dann leider eine ganze Zeit nur noch Hauptberufspfleger und Gelegenheitstrader. Seit zwei Jahren bin ich nur noch Trader.
Falls jemand die menschliche Seite interessieren sollte: im Nachhinein war es falsch, was ich da gemacht habe. Im Grunde habe ich den Leidensweg meiner Mutter über die Maßen verlängert und verlängert und verlängert. Mit dem inzwischen gewonnenen Abstand muss ich eingestehen, dass ein schnellerer Tod sehr viel humaner gewesen wäre. Aber wenn man da drin steckt und sich die Lage nur schleichend verschlechtert (und zwischendurch auch immer mal wieder etwas verbessert), kommt man da irgendwie nicht mehr so einfach raus. Ein psychologischer Effekt, wie so oft an der Börse auch. Dabei steckt man mitten in einem intakten Abwärtstrend und ist gewissermaßen solide long positioniert.
Soviel erst einmal zu meinen Erfahrungen. Sie sind recht zahlreich und ich habe schon fast alles ausprobiert, möchte man meinen. Na ja, sagen wir mal besser viel ausprobiert.
Im Grunde bin ich aber von Herzen Waver geblieben. Die Elliott Wellen habe ich bereits in den 80ern in Seminaren von Robert Prechter selbst gelernt. Prechter ist ein Buchautor, der Elliotts Werke aufgearbeitet und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht hat. Ich habe auch für eine Zeit lang für Prechter gearbeitet. Das war eine wunderbare Zeit, in der ich extrem viel gelernt habe. Schon auch deshalb, weil viele rein gar nichts von den Elliott Wellen hielten und uns mit allem möglichen klugen und unsinnigen Gedanken konforntiert haben. Außerdem hatte Prechter immer mal wieder größere Beachtung in Presse und Fernsehen gefunden, was wir hinter den Kulissen mit hartem Counten unterstützt haben. Ich habe damals extrem brilliante Leute aller möglichen technischen Analyserichtungen kennen gelernt und versucht, so viele Ideen und Erfahrungen dieser Leute aufzusaugen wie möglich.
Insofern habe ich mich schon mit vielem beschäftigt, bin aber irgendwie doch ein Waver geblieben. Das Problem ist nur, dass man an einem einzelnen wirklich tragfähigen Count (so nennt man das Ergebnis der Elliott Wellen Analyse) gerne mal einige Arbeitstage inklusive Überstunden arbeiten kann, manchmal sogar noch länger. Es hat leider keinen Sinn, sich das Leben leicht zu machen und nach wenigen Minuten irgendwelche Zahlen und Buchstaben auf dem Chart zu verteilen. Da kann man sich die Arbeit in der Regel gleich ganz sparen und direkt würfeln. Das ist meist auch nicht schlechter als eine oberflächliche Elliott Wellen Analyse. ;-)
So kam mir bereits vor einiger Zeit der Gedanke, dass ich mich, sozusagen nebenberuflich, auch einmal mit automatischen Handelssystemen auseinandersetzen könnte. Nicht, dass ich meine, dass ich da groß etwas reißen könnte, aber mal reinschnuppern möchte ich doch mal. Ich habe mich vor Jahren schon einmal mit neuronalen Netzen beschäftigt, vielleicht bietet sich da ein Versuch an. Aber wie gesagt, eher langsam und nur nebenbei. Als Plattform verwende ich ein selbstgestricktes Programm (ich sollte besser sagen ein "work in progress"), das auf Java basiert. Mein Broker ist seit über 10 Jahren Interactive Brokers, daran habe ich es auch angebunden. Aber es ist noch ziemlich weit entfernt von fertig. Im Grunde ist eine endgültige Fertigstellung auch nicht wirklich geplant, da ich immer wieder das eine oder andere Tool dazustricke, von dem ich mir einbilde, dass ich das gerade gut gebrauchen könnte. Naja, ... ;-)
Auf Eure Community bin gestoßen, als ich vor einigen Tagen via Google einen Gedanken zum Thema Trenderkennung vs. Volatilitätsausbruch recherchiert habe. Mir hat gefallen, wie hier miteinander umgegangen wird. Und einige kluge Beiträge haben mich dann bewogen mich anzumelden und etwas genauer umzuschauen. Eigentlich bin ich nicht so ein gutes Community-Mitglied, fürchte ich. Ich verfolge immer mal wieder unterschiedliche Ideen, verwerfe sie wieder und komme sehr viel später wahrscheinlich doch noch einmal darauf zurück.
Wie gesagt, ich lebe vom Trading mit Elliott Wellen - und die können arg eifersüchtig werden wenn man sie vernachlässigt. Eigentlich stecken wir im Moment auch wieder in so einer Phase, die in einigen Märkten für eine ganze Zeit richtungsentscheidend sein kann. Für einen Waver bedeutet das oft, dass man für praktisch nichts anderes mehr Zeit hat und etliche Varianten sorgfälitig durchdenken bzw. prüfen muss.
So, falls es jemand geschafft hat bis hierher zu lesen, dann sollte er/sie eine halbwegs vernünftige Idee über mich bekommen haben.
Ein freundliches Hallo in die Runde!
Tja, was wird Euch möglicherweise interessieren?
Fangen wir mal so an. Ich trade schon ziemlich lange (so etwa seit 1983/84), lebe aber erst seit etwa 2004 ganz vom Traden. Angefangen habe ich während meines Studiums und auch eher gelegentlich. Obwohl ich anfangs ordentlich viel Geld versenkt habe (ich nehme an, dass das den meisten so gegangen ist, die schon länger "überlebt haben"), habe ich mir - mehr mit Glück als mit Können - am Ende doch noch mein Studium komplett damit finanziert. Dissertation und Auslandsaufenthalte haben mich dann glücklicherweise vom Traden immer mehr abgehalten.
Warum glücklicherweise? Nun, ich habe damals sehr viel Geld mit japanischen Optionsscheinen "verdient". Das war zu der Zeit eigentlich eine Einbahnstrasse zum Reichtum. Rückblickend weiß ich nicht, ob ich die Trendwende (ca. 1990) erkannt hätte, wenn ich zu der Zeit voll aktiv gewesen wäre. Freunde von mir waren damals durch die Scheine zu Millionen gekommen und haben dann alles oder fast alles wieder verloren. Da ich zu der Zeit auch kaum tragfähige Strategien für das Risikomanagement (bzw. Moneymanagement, wie wir das heute nennen) entwickelt hatte, hätte mir das ganz leicht auch so gehen können. Aber diese Zeit und die japanischen Optionsscheine haben es unter dem Strich ziemlich gut mit mir gemeint. Ich habe einem Porsche und anderen Verlockungen widerstanden und ein sehr schönes Startkapital für meine späteren Aktivitäten ertradet. Aber wie gesagt, wenn man damals auf Japan gesetzt hat, dan konnte man eigentlich kaum Fehler machen. Gute Gewinne ohne viel Arbeitsaufwand bei der ganzen Traderei. Eine ganz gemütliche Angelegenheit war das, aber leider vorbei.
Forschung und Beruf haben mich dann immer weiter vom Traden abgebracht, ich war auch einige Jahre in den USA und dort witzigerweise lange Zeit technisch (vernünftige Kursversorgung) eher abgeschnitten. So blieb ich einige Zeit mehr als Anleger und weniger als Trader im Spiel. Die Crashtage 1987 und 1989 habe ich erstmals als Daytrader agiert. Der Zufall wollte es, dass ich an beiden Tagen Realtimekurse nutzen konnte. Und fast noch wichtiger, mein Broker hatte eine Standleitung auf den Floor in Chicago, so dass ich im Gegensatz zu vielen anderen auch handlungsfähig war.
Ende 1989 kam ich ganz nach Deutschland zurück. Aber das Schicksal wandte sich gegen mich und ich hatte in den 90er Jahren viel mit Krankheit, Krankenhaus & Co zu tun. 1991 habe ich kurz nach Gründung der DTB (heute Eurex) die Marketmaker-Prüfung abgelegt und anschließend einige Zeit in dem Bereich gearbeitet und für einen großen Player in der Branche einiges aufgebaut. Doch Krankheit und Co haben mich schließlich aus dem Rennen gekegelt. Wenn ich mal die Energie hatte, habe ich privat noch hier und da einen Trade gewagt. Die liefen teilweise über Monate - wenn ich Glück hatte :-)
Am Ende der 90er Jahre habe ich noch einen beruflichen Neuanfang probiert, dieses Mal bei einem großen institutionellen Anleger. So ging auch der Neue Markt ziemlich spurlos an mir vorbei. Doch der Krankheit, Krankenhaus & Co Blues hat mich wieder aus dem Rennen geworfen. Als dann 2003 meine Mutter zum Pflegefall wurde, habe ich mich nach langer Überlegung entschlossen, in Ihren letzten Tagen noch für Sie da zu sein und wieder mehr zu traden. So ist es dann auch gekommen, dass ich sozusagen zum Hauptberufstrader und Nebenberufspfleger geworden bin, später dann eher Hauptberufspfleger und Nebenberufstrader, dann leider eine ganze Zeit nur noch Hauptberufspfleger und Gelegenheitstrader. Seit zwei Jahren bin ich nur noch Trader.
Falls jemand die menschliche Seite interessieren sollte: im Nachhinein war es falsch, was ich da gemacht habe. Im Grunde habe ich den Leidensweg meiner Mutter über die Maßen verlängert und verlängert und verlängert. Mit dem inzwischen gewonnenen Abstand muss ich eingestehen, dass ein schnellerer Tod sehr viel humaner gewesen wäre. Aber wenn man da drin steckt und sich die Lage nur schleichend verschlechtert (und zwischendurch auch immer mal wieder etwas verbessert), kommt man da irgendwie nicht mehr so einfach raus. Ein psychologischer Effekt, wie so oft an der Börse auch. Dabei steckt man mitten in einem intakten Abwärtstrend und ist gewissermaßen solide long positioniert.
Soviel erst einmal zu meinen Erfahrungen. Sie sind recht zahlreich und ich habe schon fast alles ausprobiert, möchte man meinen. Na ja, sagen wir mal besser viel ausprobiert.
Im Grunde bin ich aber von Herzen Waver geblieben. Die Elliott Wellen habe ich bereits in den 80ern in Seminaren von Robert Prechter selbst gelernt. Prechter ist ein Buchautor, der Elliotts Werke aufgearbeitet und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht hat. Ich habe auch für eine Zeit lang für Prechter gearbeitet. Das war eine wunderbare Zeit, in der ich extrem viel gelernt habe. Schon auch deshalb, weil viele rein gar nichts von den Elliott Wellen hielten und uns mit allem möglichen klugen und unsinnigen Gedanken konforntiert haben. Außerdem hatte Prechter immer mal wieder größere Beachtung in Presse und Fernsehen gefunden, was wir hinter den Kulissen mit hartem Counten unterstützt haben. Ich habe damals extrem brilliante Leute aller möglichen technischen Analyserichtungen kennen gelernt und versucht, so viele Ideen und Erfahrungen dieser Leute aufzusaugen wie möglich.
Insofern habe ich mich schon mit vielem beschäftigt, bin aber irgendwie doch ein Waver geblieben. Das Problem ist nur, dass man an einem einzelnen wirklich tragfähigen Count (so nennt man das Ergebnis der Elliott Wellen Analyse) gerne mal einige Arbeitstage inklusive Überstunden arbeiten kann, manchmal sogar noch länger. Es hat leider keinen Sinn, sich das Leben leicht zu machen und nach wenigen Minuten irgendwelche Zahlen und Buchstaben auf dem Chart zu verteilen. Da kann man sich die Arbeit in der Regel gleich ganz sparen und direkt würfeln. Das ist meist auch nicht schlechter als eine oberflächliche Elliott Wellen Analyse. ;-)
So kam mir bereits vor einiger Zeit der Gedanke, dass ich mich, sozusagen nebenberuflich, auch einmal mit automatischen Handelssystemen auseinandersetzen könnte. Nicht, dass ich meine, dass ich da groß etwas reißen könnte, aber mal reinschnuppern möchte ich doch mal. Ich habe mich vor Jahren schon einmal mit neuronalen Netzen beschäftigt, vielleicht bietet sich da ein Versuch an. Aber wie gesagt, eher langsam und nur nebenbei. Als Plattform verwende ich ein selbstgestricktes Programm (ich sollte besser sagen ein "work in progress"), das auf Java basiert. Mein Broker ist seit über 10 Jahren Interactive Brokers, daran habe ich es auch angebunden. Aber es ist noch ziemlich weit entfernt von fertig. Im Grunde ist eine endgültige Fertigstellung auch nicht wirklich geplant, da ich immer wieder das eine oder andere Tool dazustricke, von dem ich mir einbilde, dass ich das gerade gut gebrauchen könnte. Naja, ... ;-)
Auf Eure Community bin gestoßen, als ich vor einigen Tagen via Google einen Gedanken zum Thema Trenderkennung vs. Volatilitätsausbruch recherchiert habe. Mir hat gefallen, wie hier miteinander umgegangen wird. Und einige kluge Beiträge haben mich dann bewogen mich anzumelden und etwas genauer umzuschauen. Eigentlich bin ich nicht so ein gutes Community-Mitglied, fürchte ich. Ich verfolge immer mal wieder unterschiedliche Ideen, verwerfe sie wieder und komme sehr viel später wahrscheinlich doch noch einmal darauf zurück.
Wie gesagt, ich lebe vom Trading mit Elliott Wellen - und die können arg eifersüchtig werden wenn man sie vernachlässigt. Eigentlich stecken wir im Moment auch wieder in so einer Phase, die in einigen Märkten für eine ganze Zeit richtungsentscheidend sein kann. Für einen Waver bedeutet das oft, dass man für praktisch nichts anderes mehr Zeit hat und etliche Varianten sorgfälitig durchdenken bzw. prüfen muss.
So, falls es jemand geschafft hat bis hierher zu lesen, dann sollte er/sie eine halbwegs vernünftige Idee über mich bekommen haben.
Vielen Dank!
Euer FAL