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Finanztransaktionssteuer

Geschrieben

Peer Steinbrück hatte auf dem letzten G-20 Gipfel in Pittsburgh in seiner Funktion als (Noch-)Finanzminister schon mal Reklame dafür gemacht:

 

Die Finanztransaktionssteuer (kurz FTS)

 

Die Idee einer solchen Steuer auf sämtliche internationalen Finanztransaktionen ist nicht neu und geht unter anderem auf den Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger James Tobin zurück. Dieser hatte in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine Steuer auf alle internationalen Devisentransaktionen vorgeschlagen, damals jedoch mit der Intention, "Sand ins Getriebe" zu streuen und für eine Stabilisierung der Märkte zu sorgen.

 

Ob ein solcher Stabilisierungseffekt durch diese so genannte "Tobin Tax" wirklich eingetreten wäre, ist mehr als fraglich. Doch ist das heute auch gar nicht mehr das Thema. Jetzt geht es vielmehr darum, Geld abzuschöpfen.

 

In diesem Zusammenhang finde ich eine Berechnung des österreichischen Ökonoms Stephan Schulmeister recht interessant:

 

Bei einem Steuersatz von 0,05 Prozent ergäbe sich für Deutschland ein Aufkommen von 1,1 Prozent des BIP. Das wären etwa 27 Milliarden Euro, selbst wenn die Transaktionen als Reaktion auf die Steuer um etwa 65 Prozent sinken.

Quelle: Schulmeister zur Transaktionssteuer

 

Nun - Berechnungsmodelle sind die eine Sache und die Realität die andere. Dennoch steht für mich fest: die FTS wird kommen, und zwar innerhalb der nächsten 4 Jahre.

 

Gründe:

 

1. Die Staatskassen sind dank der Wirtschafts- und Finanzkrise kräftig geleert worden. Steuererhöhungen sind unausweichlich. Würde man jetzt die Mehrwertsteuer erneut anheben, träfe man die Realwirtschaft in einer Situation, wo man sie gerade nicht treffen möchte.

Die FTS hingegen entfaltet ihre Wirkung auf den vor Liquidität überquellenden Finanzmärkten. Etwas von dieser Liquidität abzuschöpfen bietet sich also geradezu an.

 

2. Die Finanz"industrie" war ursächlich für die aktuelle Krise und für die leeren Staatskassen durch immense staatliche Finanzspritzen an eben diesen Wirtschaftszweig. Es liegt nahe, sich das Geld über die Jahre genau dort wieder zurückzuholen, wo man es hingegeben hat.

 

3. Alle Industriestaaten haben das gleiche Problem der leeren Haushaltskassen, so daß die Chancen für eine Einführung dieser Steuer auf internationaler Ebene so hoch sind wie nie zuvor.

 

 

Wichtig ist, die FTS niedrig anzusetzen, um das Geschäft so wenig wie möglich zu behindern und die Kuh nicht zu schlachten, die man melken will. In der Diskussion ist ein Steuersatz von 0,1 % und bei Derivaten von 0,01 %, dort allerdings auf den Kontraktwert und nicht nur auf die Margin.

 

Ich sehe dieser Entwicklung jedenfalls mit großem Interesse entgegen. Sollte die FTS kommen, dürfte dies auch nicht spurlos an so manchem Businessmodell vorübergehen, das heutzutage auf exrem kurzfristigen Handeln basiert. Das dürfte dann spürbar unattraktiver werden.

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  • Barroso war doch glaube ich Vorsitzender einer kommunistischen Partei bzw wäre dann natürlich immernoch Anhänger des Kommunismus. Die EU entwickelt sich so langsam wirklich in so etwas wie eine SU - V

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Geschrieben

Würde ich nicht so sehen, der EU Rat will ab 2018 eine FTT (Financial Transaction Tax), einige Staaten sind dafür, andere dagegen -GB vor allem-, ich persönlich gehe davon aus, dass irgendwas in der Art kommt, in welcher Ausprägung und Höhe kann ich aber nicht seriös abschätzen, die Zahlen, die im verlinkten Interview genannt werden, sind einigermassen durchdacht, mit 0,01% auf Derivate ist sie so gering, dass das Volumen nicht gänzlich wegbricht.

 

Sollte diese FTT wirklich ab 2018 kommen wird sie mich persönlich aller Voraussicht nicht mehr wirklich stören, meine Lebenplanung sieht kein Daytrading am Ende dieses Jahrzehnts mehr vor, da werde ich mich sehr wahrscheinlich nur mehr mit wirklich interessanten Dingen des Lebens beschäftigen (Meer, Angeln, Boot fahren).

Geschrieben
Barroso war doch glaube ich Vorsitzender einer kommunistischen Partei bzw wäre dann natürlich immernoch Anhänger des Kommunismus. Die EU entwickelt sich so langsam wirklich in so etwas wie eine SU - Version zweiter Versuch.
Geschrieben
  • Autor
Wirklich treffen würde diese Steuer doch eigentlich nur den Hochfrequenzhandel. Weiß jemand eventuell, welchen Anteil dieser mittlerweile am Gesamtumsatz hat?
Geschrieben

Weiß jemand eventuell, welchen Anteil dieser mittlerweile am Gesamtumsatz hat?

Je nachdem welchen Zahlen man glauben schenkt, hängt ja auch ein bißchen von der Assetklasse ab.

Dabei sind ein paar äußerst bemerkenswerte Fakten herausgekommen. So sind die 2% der 20.000 Tradingunternehmen auf dem US Markt im Hochfrequenzhandel tätig, diese sind dabei aber für 73% des gesamten Handeslumsatzes in den USA veranwortlich.

 

Quelle und einer von vielen Berichten dahingehend

HQ Handel

Geschrieben

Wirklich treffen würde diese Steuer doch eigentlich nur den Hochfrequenzhandel. Weiß jemand eventuell, welchen Anteil dieser mittlerweile am Gesamtumsatz hat?

 

Extrem hoch, speziell an den US Aktienmärkten, durch die vielen alternativen Plattformen, durch Begünstigung finanzstarker Marktteilnehmer (Flash-Order, wurde aber in der Zwischenzeit zum überwiegenden Teil untersagt), Frontrunning und Sub-Penny-Pricing haben GS und Konsorten einen teils massiven Vorteil gegenüber ONT (Otto Normal Trader), die genannten +75% sind die Realität.

  • 2 Monate später...
Geschrieben

Muss ich mich jetzt wirklich mit dem Thema auseinander setzen??? Betrifft es mich überhaupt.... Darf ich einfach die Augen zumachen und das Thema verschwindet? Es gibt Themen mit den will man sich nicht beschäftigen.

Geschrieben

.... Es gibt Themen mit den will man sich nicht beschäftigen.

dito.

 

Gemunkelt wurde ja schon einiges...

Aber vorerst unbeantwortet bleibt die Frage, ob die Steuer am Standort des Brokers oder dem des Händlers erhoben werden wird.

In ersteren Fall könnte man müde lächeln. Im anderen Fall, wäre das vermutlich ein ganz schönes Durcheinander bei der Berechnung/Erhebung

und tatsächlich einfach nur ärgerlich und so überflüssig wie ein drittes Bein.

 

Edit: Die CDU ist eine Regierungspartei, die den parlamentarischen Gegner dadurch verhindern möchte,

in dem sie seine unliebsamen politischen Konzepte gleich selbst umsetzt.

  • 2 Wochen später...
Geschrieben

EU-Kommission für Finanztransaktionssteuer 10points.gif

"Zeit für Finanzsektor, etwas zurückzugeben"

Spekulationsgeschäfte sollen künftig besteuert werden. Die EU-Kommission schlug eine Finanztransaktionssteuer für Europa vor. "Dies ist eine Frage der Fairness", sagte Kommissionspräsident Barroso. Im EU-Parlament bekam er viel Beifall für seine Forderungen nach einer Stärkung der Gemeinschaft.

 

Geschrieben

Nach meinen Infos gilt die Steuer sowieso nur für Professionals, also der private Anleger soll wohl nicht betroffen sein.

Was immer das heißt.

 

Diese Kosten werden aber sicher durchgereicht. Und die Steuern verringern ausserdem die Liquidität im Markt, und erhöhen damit wohl auch die Volatilität.

Ob Letzteres im Sinne des Erfinders ist, darf bezweifelt werden. :cleanglasses:

Geschrieben

Wenn ich von dieser Steuer lese, dann muss ich k... brechen!

 

Haben die alle keine ordentlichen Berater die sich wirklich mit den Märkten auskennen?

 

Wer druckt hier MRD von Euros und macht ohne Ende Schulden? Da ist es richtig wenn der Markt darauf reagiert! Die zahlreichen Händler handeln den Markt nur auf ein faires Niveau. Denn der Markt hat immer Recht.

Und mit der Steuer versuchen die alle mehr oder weniger "mundtot" zu machen.

 

Und die Schätzungen sind auch einfach nur bekloppt. Denken die wirklich das alle weiter wie bisher handeln und dem Staat brav die Euros in die Tasche handeln?

 

FTS = weniger Vola = stärkere Bewegungen im Markt = :head:

Geschrieben

Der Preis setzt sich auch mit einer Finanztransaktionssteuer noch aus Angebot und Nachfrage zusammen.

 

Was bitteschön soll also so eine Steuer für einen Einfluss auf den Wert einer Währung haben? Ob jetzt täglich ein 10-faches mehr oder weniger gehandelt wird, spielt doch für den Kurs keine Rolle :hmmmm:

Geschrieben

 

Was bitteschön soll also so eine Steuer für einen Einfluss auf den Wert einer Währung haben?

 

Worauf bezieht sich deine Frage genau?

Geschrieben
@Wogo: Sollte sich deine Frage auf die Volatilität beziehen, spielt es sehr wohl eine Rolle, ob eine solche Steuer eingeführt wird oder nicht. Die Transaktionskosten steigen durch einen solche Steuer, wodurch so manche Trades verhindern werden dürften. Dies führt zu einem Rückgang der Liquidität. Durch weniger Liquidität wird der Makrt ineffizienter und zusätzlich steigt die Vola steigt. Das ist allerdings genau das, was mit der Steuer vermieden werden soll. Daher hat dies indirekt einen Einfluss auf den Preis meiner Meinung nach. Außerdem führt eine solche Steuer, sofern sie nicht weltweit eingeführt wird, zur Abwanderung von Geld. Zwar plant die EU, das die Steuer generell von Europäischen Banken erhoben wird, also auch bei Transaktionen im Ausland, allerdings führt dies wiederum zu unfairen Marktbedingungen. Gerade London wird sich daher sicherlich vehemmend dagegenstemmen.
Geschrieben

Nach meinen Infos gilt die Steuer sowieso nur für Professionals, also der private Anleger soll wohl nicht betroffen sein.

Was immer das heißt.

Na, das will ich auch hoffen, alles andere wäre einfach ungerecht.

Geschrieben

Auch wenn die Steuer nur für professionals gilt. In der privaten Alterversorge wird die doch sicherlich dann trotzdem von der Versicherung bezahlt, oder? Erhalten da alte Verträge eigentlich Bestandsschutz?

 

Man wollte ja den kleinen Sparer nicht damit belasten ...

  • 3 Wochen später...
Geschrieben

Auch wenn die Steuer nur für professionals gilt. In der privaten Alterversorge wird die doch sicherlich dann trotzdem von der Versicherung bezahlt, oder? Erhalten da alte Verträge eigentlich Bestandsschutz?

 

Man wollte ja den kleinen Sparer nicht damit belasten ...

 

Bestandsschutz gibt es bei so etwas nicht.

Die ganzen Fonds, Versicherungen etc. werden wohl dran zu knabbern haben, letztendlich zahlt der Beitragseinzahler dann die Steuer in Form von weniger Ausschüttungen.

Manchmal denke ich, so eine 9/9/9-Regelung wäre gar nicht so verkehrt. Meinetwegen auch 15/15/15, ohne Ausnahmen.

Geschrieben

Auch wenn die Steuer nur für professionals gilt. In der privaten Alterversorge wird die doch sicherlich dann trotzdem von der Versicherung bezahlt, oder? Erhalten da alte Verträge eigentlich Bestandsschutz?

 

Man wollte ja den kleinen Sparer nicht damit belasten ...

 

Du glaubst doch nicht ernsthaft den Worten, orientiere dich immer an den Taten. Im Moment werden Banken gescholten (sicher nicht völlig zu Unrecht), aber die Politik hat die Gesetze für die Branche gemacht und über Jahre dafür gesorgt dass sie so viele Staatsanleihen halten.

 

Geld in öffentlichen Kassen ist knapp (was nicht an zu wenig Einnahmen liegt) und im Moment verlieren Staatsanleihen ihren bombensicheren Status. Wer soll die also künftig noch im grossen Stil kaufen?

 

Deshalb werden wir bald Zwangsanleihen sehen (unter breitem Beifall, trifft ja nur Vermögende ...) und später dann Zwangshypotheken, was den Kreis der Betroffenen ungemein erweitert, denn diese werden auch auf Mieten umgelegt.

 

Lutz

Geschrieben

@ henrik, was war nochmal die regelung die du ansprichst? die beinhaltet doch diverse steuern und sozialabgaben, oder?

 

@ lutz natürlich glaub ich den worten nicht. Aber merkt ja mal wieder keiner, dass seine private Rente geschmälert wird. Aber des betrifft ja eh nicht die Leute die sich so eine Rente nicht leisten können bzw. müssen. Ansonten kann ich deinem Beitrag nur zustimmen. Wie war das noch um 2001 als die EU die Landesbanken stärker regulieren wollte bzw. die Haftungspflicht des Staates einschränken wollte? Da hat Steinbrück doch sein Veto eingelegt und man hat gesehen was bei rauskommt. Aber jetzt heißt die SPD die "Occupy Frankfurt"-Proteste für gut. Das kann man nicht verstehen, oder? Na gut, nen Positionswandel darf man ja Parteien auch mal zugestehen aber trotzdem sollte man auch mal über seine Fehler nachdenken ...

Geschrieben

@ henrik, was war nochmal die regelung die du ansprichst? die beinhaltet doch diverse steuern und sozialabgaben, oder?

 

Auf alles pauschal 9 %, womit in Amerika gerade der Präsidentschaftskandidat Herman Cain wirbt, aber vielleicht nicht 9 % sondern 15 %, oder auch 20 %, da wir ja doch ein Sozialstaat sind. Unabhängig davon Krankenkasse, Rente, Pflegeversicherungen etc.

  • 4 Wochen später...
Geschrieben

Neuigkeiten zur Steuer. Man beachte, dass folgende Aussage von einem Steuererprobten Schweden stammt. :mocking_mini:

 

Als „Rohrkrepierer“ hat Schwedens Finanzminister die Pläne für eine europaweite Transaktionssteuer bezeichnet, Großbritannien würde die Diskussion am liebsten sofort beenden.

 

Der Link

Geschrieben

Na, die Schweden müssen es ja wissen!

 

(Ein Fiasko war die Einführung der Börsenumsatzsteuer in Schweden 1985. Anstelle der geschätzten Einnahmen von umgerechnet jährlich 165 Mio. Euro wurden nicht mehr als 9 Mio. Euro erlöst. Grund dafür war der Zusammenbruch der Handelsumsätze um 85 Prozent bei festverzinslichen Wertpapieren und des Terminhandel mit Futures und Optionen auf nahezu Null. Im Jahr 1992 wurde die Steuer abgeschafft.[4] Quelle wikipedia

 

 

 

Geschrieben

die Diskussionen sind sehr umfassend und ich erkenne den Willen an, eine Erklärung zu finden oder sogar "gut" und "schlecht" zu polarisieren.

Auch ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und erkenne derzeit keinen Ausweg aus dem Dilemma.

 

Allerdings dienen mir immer wieder zwei, drei Fakten/Grundwahrheiten als Orientierung, die aber sehr gern mit "Nebelbomben" - a la TobinSteuer/FTS - unkenntlich gemacht werden:

  • Geld ist (an sich) eine Schuldverschreibung auf zukünftige (Dienst-)Leistungen "Gold kann ich nicht essen"
    .... Geld wird von einem (bestimmten) Staat herausgegeben, mit dem Versprechen, dass sein Staatsvolk dafür ein BIP erwirtschaftet, sprich das Geld in Dienste umwandelt.
    umgehend oder erst später
  • fragen wir doch jeden (von der Putzfrau über den Manager bis zum Politiker) "Wofür bekommst Du eigentlich Dein Geld?" (und von wem ;-)
  • Was wäre, wenn ich plötzlich _a_l_l_e_i_n_ auf der Welt wäre? (was könnte ich mit meinen Fähigkeiten anfangen, was hätte ich vom Geld, Renten, Versicherungen ...")

Diese Liste mit einfachen Fragen könnte ich noch weiterführen, allerdings zu diesem Thema finde ich gerade diese drei Denkanstöße immer wieder wegweisend.

Beispielsweise wird mir der "deutsche Staat" die vereinbarte Rente (Dienstleistungsschuld) nicht mehr zahlen können, ... wenn das deutsche(!) BIP für das verteilte Geld (Rente) nicht mehr ausreicht. Auch wenn ich dann genug Geld hätte, würde ich diese "Schuldverschreibungen" nicht einlösen können, wenn das "deutsche BIP" mich nicht ernähren kann (das nennt sich dann kalte Progression/Inflation).

 

Ich sehe ein, dass es in der Wirklichkeit komplizierter ist, aber komplizierter sind die Regeln, Gesetze und das ganze Klimbim darumherum (FTS) ... letztendlich beruht alles m.E. auf die genannten einfachen Grundwahrheiten/Fakten.

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